Magentas

Zu Kritik und Desinformation
– einige Antworten auf zwielichtige Internetmeldungen

Seltsame Grufties…

Der Bremer Wave-DJ Kersten verfasste auf seiner ästhetisch durchaus ansprechenden Homepage magentas-netzwerk.com unlängst einen Artikel unter dem markigen Titel „Von braunen Schreibtischen in die schwarze Szene. Der rechte Kulturkampf“. Der Artikel benutzt größtenteils altes Quellenmaterial aus der Mitte der 90er Jahre, unter anderem werden mehrere Artikel des einschlägig bekannten DISS-Autors Alfred Schobert herangezogen.

In dem Kersten-Artikel, der einmal erneut das Schauderbild einer von „Rechtsradikalen“ unterwanderten Dark Wave-Szene beschwört, werde ich mit einer kurzen Äußerung erwähnt. Abgesehen davon, daß ich nie viel mit Dark Wave zu tun hatte und daß sich die Rede vom „braunen Schreibtisch“ nur auf die Holzfarbe beziehen dürfte: Die Erwähnung ist belanglos, zugleich nicht richtig zitiert bzw. interpretiert. Eine 1998 von mir während eines Vortrags getätigte Kritik an der politischen „Rechten“ in Deutschland war in der Zeitschrift „DESG-inform“ seinerzeit etwas zusammenhangslos kurz zitiert worden. DJ Kersten nun mixt die Elemente erneut und interpretiert sie in seine Richtung. Aus der Kritik wird so eine Strategieempfehlung. „Stille Post“ nannte man das als Kind.

„Die schwarze Szene wird sich überlegen müssen, ob sie wirklich die `nützlichen Spinner auf dem Weg zur Macht´ sein wollen oder ob sie sich den Vereinahmungs- und Unterwanderungsversuchen entgegenstellt.
Love & Peace!
DJ Kersten“

So schließt Kersten H., Student der Kulturwissenschaften an der Uni Bremen und seinerzeit bei den „Grufties gegen Rechts“ engagiert, seine Überlegungen und suggeriert dem unbedarften Leser, es ginge darum, „die“ schwarze Musik-Szene vor politischen Unterwanderungsversuchen zu retten.

Daß die Warnung nur politisches Eigeninteresse ist, die Unterwanderung und Vereinnahmung vielmehr von linker Seite selber ausgehen soll, verschweigt er erstmal. Ein weiterer Blick in seine Homepage aber läßt die Sache deutlicher werden.

Bei magentas-netzwerk.com findet sich nämlich „linksradikale“ Attitüde pur. Man wähnt sich in die selige UdSSR zurückversetzt.

„FUCK CAPITALISM !!! VIVA DIE STREIKENDEN ARBEITER/INNEN IN BOCHUM & ÜBERALL !!! GRÖSSTER WILDER STREIK IN DEUTSCHLAND SEIT 30 JAHREN !!! VIVA KLASSENKAMPF !!!“, verlautbart Kersten in Großbuchstaben und läßt sich über allerlei üble Feinde der „Arbeiterklasse“ aus. Magenta „scheißt“ dabei „auf die allermeisten StudentInnen“ oder „hetzenden Journalisten“ sowie ziemlich viele andere. Eigentlich „scheißt“ Kersten auf alle, die ihm nicht passen, und das sind so wenige nicht.

Von wegen, „den Vereinahmungs- und Unterwanderungsversuchen entgegenstellen“. „Music for a new society“ möchte, das muß man aus den Äußerungen schließen, nichts weniger als die kommunistische Revolution. Und so finden sich in der Linkliste der Seite Verweise auf das Studium von Marx, Engels und Rosa Luxemburg. Die historische Darstellung des terroristischen „Sozialistischen Patientenkollektivs“ wird angepriesen. Das Roter-Stern-Logo der „Rote Armee Fraktion“ lacht einem entgegen. Und natürlich wird auf bekannte linke Projekte wie das „Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung“ (DISS), „indymedia.org“ und „nadir.org“ verwiesen.
Selbstverständlich distanziert sich Kersten halbherzig von den Inhalten seiner selbst zusammengestellten Linkliste.

Das ganze ist zu eindeutig, als daß viel Interpretationsspielraum übrig bliebe. Es geht um Macht. Die eine (angebliche) Unterwanderung wird durch eine andere ersetzt. Und der „Dark Waver“ weiß nun, wofür er herhalten, wohin die Reise gehen soll, ginge es nach solchen „Grufties gegen rechts“.