Weniger bei REWE kaufen

DSCF9656bSchon 2016 erzählte mir ein alter Kumpan, ein gläubiger Katholik, dass er sich über REWE aufgeregt hätte. REWE-Märkte würden nun nicht nur penetrant Regenbogen-Aufkleber präsentieren, sondern Durchsagen für Toleranz „unabhängig von der sexuellen Orientierung“ und „Respekt… gegenüber homosexuellen Kollegen“ durch die Verkaufsräume schallen lassen. „Die können von mir aus machen, was sie wollen. Ich habe aber keine Lust, mir das beim Einkaufen erzählen zu lassen.“

Unlängst las ich, dass REWE 2018 politisch nachgelegt hat. Anläßlich des „Internationalen Tages für Toleranz“ verkaufte der Kölner Konzern eine Sonderedition „ja! Erdnuß Chocs„, Erdnüsse mit bunter Schokoglassur.

Beim Kauf einer 500 Gramm-Packung für 1,95 Euro spendete der Käufer automatisch 40 Cent an die 2013 gegründete Einwandererorganisation „Über den Tellerrand“. Unterstützt von Unternehmen, Stiftungen und dem Bundesarbeitsministerium setzt sich diese Initiative für „Integration in die Gesellschaft und soziale Teilhabe von Menschen mit Fluchterfahrung“ ein. Das klingt für den Normalbürger erst einmal harmlos. Dass diese „Integration und soziale Teilhabe“ aber weitere Wanderungswillige motiviert, sich in Bewegung zu setzen und wiederum „Integration und soziale Teilhabe“ zu fordern, ist jenem indes oft nicht in seiner ganzen Tragweite bewusst. Zumindest so lange es noch nicht im eigenen Geldbeutel deutlicher spürbar ist.

Dem REWE-Konzern sind die Kosten egal. Er boomt nämlich. Fast 29 Milliarden Euro nahm er 2017 ein, zwölf Prozent mehr als im Jahr davor. Ob auch die Angestellten 12 Prozent mehr Lohn erhalten haben?

Zu der Unternehmensgruppe gehören jedenfalls nicht nur die REWE-Märkte, sondern auch Billa, Bipa, DER, Penny, Toom und nahkauf.

Nun stand ich dieser Tage an der REWE-Kasse. Und plötzlich ging wie in George Orwell-Manier der Lautsprecher an und ich wurde mit einer „multikulturellen“ Verlautbarung beschallt. „Fremdenfeindliche“ Vorkommnisse hätten den Konzern zu seiner Kampagne bewogen, hieß es. Waren damit zum Beispiel die zahlreichen sexuellen Übergriffe gegenüber fremden Frauen der letzten Zeit gemeint?, fragte ich mich. Und dann folgten die üblichen Slogans für „Vielfalt“ und „Buntheit“, für die der Konzern stehe, also die Umwandlung unserer Bevölkerungsstruktur durch forcierte Masseneinwanderung.

„Muss man sich jetzt auch hier noch mit dieser Politik beschallen lassen?“, fragte ich den Kassierer genervt. Er schaute mich ratlos an. Vermutlich hört er schon gar nicht mehr hin, was aus den Lautsprechern des Marktes dröhnt.

Es lässt sich manchmal nicht vermeiden, zu REWE zu gehen, zum Beispiel weil die Märkte verkehrsgünstig gelegen sind und teils sehr lange geöffnet haben. Aber, ich beschloss, künftig Einkäufe bei REWE stets dann zu vermeiden, wenn mir eine bequeme Alternative zur Verfügung steht. Bei Edeka, Aldi oder Lidl bin ich noch nie mit politischen Parolen belästigt worden. Und ich hoffe, dass es so bleibt.

Somit: Weniger bei REWE kaufen.

 

 

 

 

 

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Schnappatmung wegen blauer Blume

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Der 9. November war 2018 der Tag der Schnappatmung. Bildungsferne Politiker und drittklassige Kolumnisten konnten sich mal wieder in aufgeregten Stellungnahmen überbieten. Der Grund: Eine kleine blaue Blume.

Zum Schweigemarsch zur Andacht der ermordeten Juden Berlins anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht erschien nämlich auch der AfD-Politiker Andreas Wild. In früheren Jahre war Wild Mitglied der CDU, der FDP und der Partei Bündnis 90/Die Grünen gewesen. Mittlerweile hat es in in die AfD verschlagen. Nach einigen unsensiblen verbalen Äußerungen wurde der Diplom-Sozialpädagoge 2017 allerdings von seiner Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus ausgeschlossen. Während seiner aktuellen Teilnahme an dem Schweigemarsch, trug er nun eine blaue Kornblume am Revers. „Und damit provozierte er viele Menschen“, wusste zum Beispiel Katja Colmenares in der „B.Z.“ zu berichten. Dies deshalb, weil in Österreich die Kornblume einst auch Parteiblume der großdeutschen Bewegung und von 1933 bis 1938 der illegalen Nationalsozialisten gewesen war. Diese sich heute provoziert fühlenden „vielen Menschen“ haben aber nicht zufällig häufig Parteibücher anderer Colour. Berlins Integrations-Senatorin Elke Breitenbach von der „Linken“ (Farbe Rot) erregte sich über „eine Verhöhnung der Opfer.“ Und die „Grünen“ (Farbe Grün) sprachen von einer „widerlichen Provokation“.

Neu ist die aktuelle Erregung um die blaue Blume auch nicht. Bereits im September ereiferten sich eifrige „Nazi“-Spürnasen bei Facebook darüber, dass ein Mitarbeiter der Ruhr-Universität Bochum und AfD-Mitglied eine blaue Kornblume am Revers getragen hatte. Dies wäre „die Tradition der Schönerer-Bewegung, sowie der Nationalsozialisten in Österreich“. Der Mitarbeiter hätte gezeigt, „wessen Geistes Kind er ist“. Sofort wurde eine Kampagne initiiert, und 1000 Reaktionen zwangen die Universität zur Überprüfung. Der Betroffene, Matthias Helferich, rechtfertigte sich etwas ungelenk, dass die blaue Blume „nun mal die Parteifarbe“ sei, er aber wohl besser eine Tulpe gewählt hätte.

Auch Andreas Wild gab schließlich eine seltsam unbekümmerte Rechtfertigung für seine Blume ab. Sie sei „ein Erkennungszeichen, das wir blau orientierte Leute seit einigen Wochen tragen. Als Ausdruck zu unserer Verbundenheit zum Vaterland.“

Natürlich hätte Wild der ganzen Veranstaltung fern bleiben können, was wohl besser gewesen wäre. Für AfD-Politiker ist es nämlich letztlich beinahe egal, ob sie sich an solchen hochsensiblen Veranstaltungen beteiligen oder zu hause bleiben. Machen sie mit, können sich Leah Rosh und Konsorten über die „Provokation“ echauffieren, bleiben sie fern, liefern sie den Kolumnisten der Qualitätspresse das gesuchte Fressen nach dem Motto: „Jetzt haben sie ihr wahres Gesicht gezeigt.“ Jacke wie Hose also.

Angesichts des Blumen-„Skandals“ durfte nun in der Presse wieder losgegeifert werden, bevor auch nur eine Minute nachgedacht worden war. Dass selbst zu solchen Kleinigkeiten wüste Nazi-Vergleiche gezogen werden, hat natürlich zwei Gründe. Zum Einen ist das Establishment in Politik, Presse und Kulturbetrieb nervös angesichts der weltweiten Verschiebungen bzw. Korrekturen der Machtverhältnisse. Der „Nazi“-Vorwurf ist die derzeit letzte und härteste Waffe, um die Kräfte der Wachablösung von den Fleischtöpfen fern zu halten. Die abgespeicherten Bilder der Geschichte können so wieder einmal für die Gegenwart nutzbar gemacht werden. Hierfür wird ständig akribisch nach möglichen Vergleichen zur NS-Zeit gesucht. Zudem ist es relativ einfach, für alles vom Mainstream Abweichende „Nazi“-Vergleiche zu ziehen, weil der Nationalsozialismus viele Elemente der deutschen Kulturgeschichte für eigene Zwecke genutzt und somit „beschmutzt“ hat. Zum Anderen ist kulturgeschichtliche Allgemeinbildung bei vielen Journalisten und Politikern heutzutage nur noch begrenzt vorhanden. Dazu kommt das Desinteresse, denn eigentlich könnte man sich durch eigenständige Internetrecherche rasch schlauer machen. Doch geht es ja gar nicht darum, richtige Schlüsse zu ziehen, wenn man sich in den Dienst der Propaganda gestellt hat. Wer AfD-Bashing betreiben und „Nazi“-Analogien herstellen will, wird den Teufel tun, sich differenziert mit der Materie zu beschäftigen.

Nun mag man die blaue Blume nur aufgrund ihrer Farbe als Parteisymbol betrachten. Es gibt aber noch einen tieferen Hintergrund. Die blaue Blume ist nämlich kein geheimes „Nazi“-Erkennungszeichen, sondern das historische Symbol der Romantik. Das Motiv taucht erstmals in einem Romanfragment des Dichters Novalis auf. Es ist ein Zeichen für Liebe, das Streben nach Selbsterkenntnis in der Natur und die Sehnsucht nach Unendlichkeit. In unseren Breiten wurde oft die Kornblume als reales Vorbild für dieses metaphysische Motiv herangezogen. Die blaue Blume tauchte in der romantischen Dichtung und Malerei auf, wurde auch in der Wandervogel-Bewegung verwendet. Die protestierenden Studenten der 68er-Zeit kannten sie zumindest noch, als sie skandierten: „Schlagt die Germanistik tot, färbt die blaue Blume rot!“ In Frankfurt am Main wird gerade ein Romantik-Museum unter der Regie von Christoph Mäckler gebaut. Es erhält bewusst einen blauen Erker als Fassadenelement. Im Museumsshop werden blau blühende Blumensamen verkauft.

Indes, es ist verlorene Liebesmüh, solche Zusammenhänge jenen ungebildeten und ferngesteuerten Zeitgenossen erklären zu wollen, denen es nur noch darum geht, „Nazis“ hinter jedem Blütenblatt aufspüren und das dann gegen die AfD verwenden zu können.

So könnte nur auf dem gleichen Niveau gekontert werden. Die rote Nelke ist ein bekanntlich bei den Sozialdemokraten gerne verwendetes Motiv. Es stammt aus der Zeit der Sozialistengesetze und wurde 1890 als Erkennungszeichen der Arbeiterbewegung entwickelt, weil bei Kundgebungen das Mitführen von Fahnen verboten worden war. Wenig thematisiert wird, dass die russischen Kommunisten regelmäßig tausende dieser roten Nelken zum Todestag von Diktator und Massenmörder Stalin auf dessen Moskauer Grab legen. Für die SPD offenbar bislang noch kein Grund, von diesem skandalösen Symbol Abstand zu nehmen.

Sachverständiger im Landtag NRW

IMG_3108Im Januar war ich vom Hauptausschuss des Landtages Nordrhein-Westfalen als Sachverständiger eingeladen worden. Neben anderen Sachverständigen gab ich eine Stellungnahme zu Plänen der SPD-Fraktion für ein „Demokratiefördergesetz“ ab und wurde während der öffentlichen Anhörung zu meiner Einschätzung befragt.

Letztlich geht es bei diesem Vorhaben darum, dass die Sozialdemokraten ihrem Machtverlust durch Stärkung der pädagogischen Arbeit „gegen rechts“ entgegenwirken wollen. Hierzu sollen diverse, ihrem Anliegen nahe stehende Initiativen und Vereine nun dauerhaft mit staatlichen Geldern versorgt werden. Eine Art staatliche Festanstellung „gegen rechts“ also. Nur im Selbstverständnis der betreffenden Initiativen und der SPD dürfte das in dieser Form etwas mit der Förderung von Demokratie zu tun haben.

Interessant an der Debatte in Düsseldorf waren zwei Dinge. Zum Einen wurden meine kritischen Einwände durchaus zur Kenntnis genommen und wurden in der Diskussion aufgegriffen. Und dies keinesfalls ausschließlich abwehrend. Zum anderen war es interessant, die Reaktionen zu beobachten, als ein Sachverständiger bekannte, jetzt mal „Ol ins Feuer gießen“ zu wollen und sich als „Antifaschist“ bezeichnete. Der eigentlich nicht völlig unkritische Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung ergänzte dann in seiner Stellungnahme, dass auch er sich ja als „Antifaschist“ verstünde. Das ist bemerkenswert für einen Vertreter einer CDU-nahen Stiftung. Denn schließlich ist das ein Begriff, der stalinistische Wurzeln hat. Abgesehen von italienischen Kommunisten und Anarchisten der frühen 1920er Jahre war das Konzept „Antifaschismus“ eines, das seinen Ursprung in den strategischen Planungen der Kommunistischen Internationale (Komintern) hatte. Dass dieser Begriff heute selbst von Christdemokraten als Eigenbezeichnung verwendet wird, hätte sich Stalin nie träumen lassen.

Ein anderes Konzept, dass sich nicht nur einseitig „gegen rechts“ wendet, wäre übrigens der „Antitotalitarismus“ oder der „Anti-Extremismus“.

Hier jedenfalls ein Link zu meiner Stellungnahme zum „Demokratiefördergesetz“:

https://www.landtag.nrw.de/Dokumentenservice/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-282.pdf

 

 

Heimat bauen. Für eine menschliche Architektur

DSCF9358kAus gegebenem Anlass veröffentliche ich an dieser Stelle meinen Aufsatz „Heimat bauen. Für eine menschliche Architektur“.

Dieser erschien bereits 1995 in dem Sammelband „Opposition für Deutschland“. Vom Hintergrund der meisten anderen Autoren dieses Sammelbandes wusste ich damals fast nichts. Ich hatte auch noch kein Internet, in dem man auf die Schnelle hätte „googeln“ können. Die Zusammenstellung der Beiträge lag nicht in meiner Verantwortung, sondern der des Herausgebers. Der hatte damals bei mir angefragt, und ich sagte zu. So konnte ich auch etwas veröffentlichen, was mir schon einige Zeit auf dem Herzen gelegen hatte. Das nur zur Vorgeschichte.

Unlängst zimmerte der modernistische Stuttgarter Architekturtheoretiker Stephan Trüby auch aus einigen herausgepickten Zitat-Fetzen dieses Aufsatzes einen Artikel in der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Darin wird mir vorgeworfen, „rechtsradikale“ Thesen verbreitet zu haben. Gesinnungsfreunde aus dem Umfeld der Zeitschrift „Arch+“ gaben ihm später helfend die Hand. Vor allem aber dürfte es bei diesen Vorwürfen gegen mich um den Versuch der Diskreditierung von tiefergehender Kritik an der modernistischen Architektur gehen. Ich habe unlängst darauf geantwortet (hier und hier).

Jedenfalls, ich schrieb diesen Aufsatz vor fast 25 Jahren, noch als Student. Erst jetzt habe ich ihn wieder gelesen. Er gefällt mir gut. Ich bin erstaunt, wie gut ich bereits als junger Mann die Fehlerhaftigkeit und Unbehaglichkeit des modernistischen Städtebaus und seiner Architektur erkannt habe. Manches würde ich heute ein wenig anders formulieren. Manches würde ich vielleicht mehr abwägen. Aber die Jugend kennt eben oft auch mehr Radikalität in ihren Äußerungen. Der Bezug zu Deutschland hatte übrigens vor allem etwas mit dem Buchtitel zu tun, an dem ich mich damals orientierte. Das Problem ist aber ein globales. Es betrifft alle Länder der Erde und alle Menschen.

Meine Thesen schmecken heute Leuten wie Stephan Trüby nicht, und das ist gut so. Damit sich jeder selbst überzeugen kann, was modernistische Ideologen als gefährliche „rechtsradikale“ oder „rechtspopulistische“ Literatur ansehen, ist der Aufsatz nun unten als pdf-Datei lesbar.

Lange vor der Bildung von „Stadtbild“-Vereinen und der Realisierung der großen Rekonstruktionsprojekte der letzten Jahre formulierte also ein junger Student aus freien Stücken eine Art Manifest für eine neue, traditionelle Baukultur.

Heimat bauen

Trüby, Oswalt, Sauerbrei und Arch+ – eine weitere Antwort zur modernistischen Seilschaft

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Die neue Frankfurter Altstadt, das Dom-Römer-Areal, ist nun für Passanten geöffnet. Ich war am ersten Tag dort. Ich hatte dabei ein ganz komisches Gefühl, als ich so durch die Gassen lief. Ich kam mir wie in einem Traum vor. Ich meine das nicht sinnbildlich, sondern wortwörtlich. Es hätte auch noch ein Elefant mit Luftballons vorbeischweben können. Das hätte ich ähnlich wahrgenommen. Jahre lang hatte ich nur Internetbilder des Areals vor Augen, Animationen, Zeichnungen, einige Baustellenfotos. Und plötzlich war ich mitten drin. Wie mitten in einem Bild. Oder so, wie wenn ich im Bild der Mona Lisa gelandet wäre, als wenn die Mona Lisa plötzlich neben mir gestanden und gefragt hätte: „Möchten sie noch etwas Pfeffer über ihre Pasta?“ Alles war noch etwas unwirklich für mich und ich brauchte erst einmal Zeit, das innerlich zu verarbeiten. Das tat der Freude über dieses Projekt, das ich seinerzeit mit angestoßen habe, keinen Abbruch.

Getrübt wurde die Freude allenfalls durch die wiederholten Angriffe einer Seilschaft von Architekten und Hochschullehrern um die in der 68er-Zeit gegründete Zeitschrift „Arch+“. Den Anfang machte der Stuttgarter Hochschullehrer Stephan Trüby. Seinem Vorbild oder Ruf folgten der Architekturtheoretiker Philipp Oswalt und der Journalist Carsten Sauerbrei. Dann initiierte die „Arch+“-Redaktion sogar noch einen Aufruf „Wider den modernefeindlichen Architekturpopulismus“, den – laut „Arch+“-Eigenangabe – „50 namhafte Persönlichkeiten“ unterzeichneten. Es sind dies zumeist Leute in sicheren, wohldotierten Pöstchen im Universitätsbetrieb oder sonstigen Institutionen. Die Namen der Erstunterzeichner seien hier mal aufgeführt, damit der Leser weiß, welche namhaften Leute Trübys Vorstoß unterstützen:

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Prof. Dr. Marc Angélil, ETH Zürich, Prof. Thomas Auer, TU München / Transsolar, Stuttgart; Dr. Armen Avanessian, Philosoph, Berlin; Prof. Dr. Tom Avermaete, TU Delft; Marius Babias, Direktor des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.), Berlin; Prof. Markus Bader, Universität der Künste Berlin / raumlaborberlin, Berlin; Frank Barkow, Princeton University / Barkow Leibinger, Berlin; Prof. Verena von Beckerath; Bauhaus-Universität Weimar / Heide & von Beckerath, Berlin; Prof. Valentin Bontjes van Beek, Hochschule München; Prof. Anne-Julchen Bernhardt, RWTH Aachen / BeL Sozietät für Architektur, Köln; Prof. Dr. Johan Bettum, Städelschule, Frankfurt; Prof. Dr. Friedrich von Borries, Hochschule für bildende Künste Hamburg; Prof. Arno Brandlhuber, ETH Zürich / Brandlhuber +, Berlin; Jens Casper, Casper Mueller Kneer Architects, Berlin; Hans-Jürgen Commerell, Direktor Aedes Architekturforum, Berlin; Prof. Dr. Burcu Dogramaci, LMU München; Prof. em. Dr. Werner Durth, TU Darmstadt; Oliver Elser, Kurator am Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt am Main; Prof. Dr. Dietrich Erben, TU München; Dr. h.c. Kristin Feireiss, Direktorin Aedes Architekturforum, Berlin; Prof. Jesko Fezer, Hochschule für bildende Künste Hamburg; Laura Fogarasi-Ludloff, Ludloff Ludloff Architekten, Berlin; Prof. Marc Frohn, KIT Karlsruhe / FAR frohn&rojas, Berlin; Prof. Dr. Sokratis Georgiadis, Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart; Prof. Matthias Görlich, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle; Prof. Dr. Christoph Grafe, Bergische Universität Wuppertal; Prof. Dr. Nina Gribat, TU Darmstadt; Prof. Dr. Maren Harnack, Frankfurt University of Applied Sciences / urbanorbit, Stuttgart; Tim Heide, Heide & von Beckerath, Berlin; Prof. Dr. Jörg Heiser, Prodekan der Fakultät Bildende Kunst, Universität der Künste Berlin; Prof. Dr. Michael U. Hensel, TU Wien; Prof. Dr. Florian Hertweck, Universität Luxemburg; Prof. Fabienne Hoelzel, Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart; Christian Holl, frei04 publizistik / Geschäftsführer BDA Hessen, Stuttgart; Prof. Bernd Kniess, HafenCity Universität Hamburg; Prof. Dr. Martin Knöll, TU Darmstadt; Prof. Dr. Stefan Kurath, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften;Prof. Jörg Leeser, Peter Behrens School of Arts Düsseldorf / BeL Sozietät für Architektur, Köln; Regine Leibinger, Princeton University / Barkow Leibinger, Berlin; Prof. Dr. Andres Lepik, TU München; Prof. Bart Lootsma, Universität Innsbruck; Prof. Jens Ludloff, Universität Stuttgart / Ludloff Ludloff Architekten, Berlin; Prof. Dr. Ferdinand Ludwig, TU München; Prof. Dr. Alexander Markschies, Dekan der Architekturfakultät der RWTH Aachen; Jürgen Mayer H., J. MAYER H., Berlin; Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier, Bauhaus-Universität Weimar; Prof. Achim Menges, Universität Stuttgart; Prof. PhD Markus Miessen, University of Gothenburg; Prof. Philipp Oswalt, Universität Kassel; Dr. Claudia Perren, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau; Prof. Uwe Reinhardt, Peter Behrens School of Arts, Düsseldorf; Andreas Ruby, Direktor des Schweizer Architektur Museums, Basel; Amandus Sattler, Allmann Sattler Wappner Architekten, München; Prof. Dr. Klaus Schönberger, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt; Prof. Axel Sowa, RWTH Aachen; Prof. Dr. Laurent Stalder, ETH Zürich; Prof. Jörg Stollmann, TU Berlin; Prof. Andreas Uebele, Peter Behrens School of Arts, Düsseldorf; Prof. Dr. Philip Ursprung, ETH Zürich; Prof. Dr. Georg Vrachliotis, Dekan der Architekturfakultät des Karlsruher Instituts für Technologie; Prof. Ulrich Wegenast, Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Potsdam; Prof. PhD Eyal Weizman, Goldsmiths, University of London; Prof. Dr. Ines Weizman, Bauhaus-Universität Weimar; Prof. em. Frank Werner, Bergische Universität Wuppertal; Prof. em. Dr. Karin Wilhelm, TU Braunschweig; Prof. Tobias Wulf, Hochschule für Technik Stuttgart; Prof. i.R. Günter Zamp Kelp, Universität der Künste, Berlin; Prof. Dr. Martin Zimper, Zürcher Hochschule der Künste, Zürich

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Nun handelt es sich bei diesen Leuten allesamt um solche, die es in der Karriereleiter ziemlich nach oben zu klettern geschafft haben. Sie sitzen mit ihren Anzügen und schwarzen Rollkragenpullovern in ihren Professorenzimmern, auf ihren schicken Instituts- und Museumssesseln, wähnen sich ausgesprochen modern, verfügen über für sie wichtige Kontakte, werden als namhaft präsentiert, eventuell von einigen Studenten angehimmelt. Und da haben sie nichts besseres zu tun, als vereint auf einen kleinen Publizist, der vermutlich nur über ein Viertel oder gar Fünftel ihres Einkommens verfügt, gemeinschaftlich einzuprügeln. Anscheinend also bin ich für solche namhaften Persönlichkeiten unfassbar wichtig. Das ist bemerkenswert und eigentlich eine schöne Auszeichnung. Nicht jeder schafft so etwas.

Der Vorstoß der Besserverdiener gegen mich ist natürlich der rücksichtslose Versuch einer sozialen Schädigung meiner Person. Es wird Dreck geschmissen in der Hoffnung, dass irgendwas schon hängen bleibt. Diese persönliche Schädigung dürfte den namhaften Erstunterzeichnern sehr zupass kommen. Allenfalls einige sehr Unbedarfte könnten sich keine Gedanken darüber gemacht haben und aus Konformitätsdruck einfach mit Trüby mitgelaufen sein. Aber auch diese seien nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Ihr Karma dürfte belastet bleiben.

Ich werde als „Rechtsradikaler“ vor allem für meine freie Mitarbeit bei der Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ tituliert, und dies natürlich deswegen, weil das in den Köpfen unbedarfter, unkritischer Leser negative Bilder erzeugen soll. In deren Hinterköpfen abgespeicherte Vorurteile sollen aktiviert werden.

Wie hieß das bekannte Buch von Heinrich Mann noch? „Der Untertan“. Wie hieß der von Erich Fromm beschriebene Typus? „Autoritärer Charakter“. Dieser betreibt die Unterdrückung abweichenden Verhaltens. Er fordert geistigen Konformismus und lehnt eine pluralistische Welt (sicherlich auch im Bereich der Architektur) ab. Sein Denken ist von Konventionen und Ideologien geprägt. Gehorsam gegenüber Autoritäten geht einher mit Intoleranz und Aggression gegen Andersdenkende. Das Verhältnis des „autoritären Charakters“ gegenüber der Macht ist von Sadismus und Masochismus geprägt. Er buckelt nach oben, von wo er Pöstchen, Aufträge und Ehrungen erhält, er tritt nach unten, um Abweichler gefügig zu machen. Der „autoritäre Charakter“ wechselt seine Masken, aber er stirbt eben nicht aus.

Zurück zum Thema: Der Versuch meiner Rufschädigung erfolgt durch allerlei wirre Schlagworte. Laut „Arch+“-Aufruf bin ich „rechtsradikal, völkisch und geschichtsrevisionistisch“, ohne dass eine Erläuterung gegeben wird, was die Herrschaften eigentlich darunter verstehen. Das wird ihnen auch schwer fallen. Personen, die zumeist Architektur und Städtebau studiert haben, verfügen selten über das nötige geistige Rüstzeug, sauber mit geschichtswissenschaftlichen und politologischen Begriffen umgehen zu können sowie die nötige Quellenarbeit hierfür zu leisten. Ein Betriebswirtschaftler kennt vielleicht auch ein paar medizinische Begriffe, operieren kann er aber deshalb noch lange nicht.

Nun geht es Trüby und seinen Geistesverwandten natürlich nicht primär um meine Person. Trüby dürfte die Attacke gegen meine Person deshalb gewählt haben, um damit der Rekonstruktionsbewegung an sich ein Hindernis in den Weg zu stellen. Er suchte demnach wohl nach einer Schwachstelle und glaubte, diese bei meiner Person gefunden zu haben. Das Frankfurter Projekt der neuen Altstadt konnte er damit nicht mehr verhindern, aber es besteht ja die Hoffnung, es künftigen Rekonstruktionsvorhaben schwerer zu machen, sie gar zu verhindern, und modernen Neubaulösungen auf diese Weise zum Erfolg zu verhelfen.

Nun machen Rekonstruktionsvorhaben nur einen minimalen Prozentsatz des hiesigen Bauvolumens aus. Weit über 90 Prozent werden ohnehin modernistisch gebaut. Doch bereits diese kleine Abweichung bereitet den modernistischen Architekturtheoretikern große Sorge, ja Angst. Es ist die Angst vor dem Verlust der unumschränkten Dominanz. Denn die Freude, die Bürger beim Gang durch die neue Frankfurter Altstadt empfinden, findet sich selten beim Gang durch die meisten modernistischen Stadtquartiere, egal beispielsweise ob beim Europa-Viertel oder der Riedberg-Bebauung in Frankfurt. Welch narzisstische Kränkung der Modernisten-Seele.

Die größte Angst, die Trüby und die anderen „namhaften Persönlichkeiten“ auf ihren Professorensesseln umtreiben dürfte, ist aber, das die Rekonstruktionsbewegung nur der Auftakt zu einer viel weitergehenden Revolte sein könnte. Und zwar einer Revolte unter ihren eigenen Studenten.

Noch verhalten sich diese weitgehend brav, konform, angepasst. Es gibt auch Berichte, nach denen sozialer Druck an den Hochschulen gegenüber ästhetisch abweichenden Architekturstudenten ausgeübt wird. Als ich vor einiger Zeit einen journalistischen Termin bei Präsentation junger Architekturstudenten wahrnahm, erläuterten jene ihre Modelle. Jeder erzählte das Gleiche, bei Variation der Worte. Irgendetwas von Transparenz und Offenheit. Eine Kollegin der „Frankfurter Rundschau“ fragte irgendwann genervt: „Das habe ich jetzt alles schon gehört. Hat nicht noch jemand etwas anderes zu sagen?“

Noch sitzen die „namhaften“ modernistischen Professoren fest im Sattel. Aber es treibt sie die Angst um, sie könnten in Zukunft die geistige Kontrolle über ihre Studenten verlieren. Deshalb muss die „Nazi“-Keule als ultimatives Mittel ausgepackt werden. Sie dient der Disziplinierung des eigenen Nachwuchses, dem signalisiert wird, bei Abweichung eventuell dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, ein „Rechter“ oder „Geschichtsrevisionist“ zu sein. Denn Geschichte darf in der Vorstellung des Modernisten eben nur in eine Richtung verlaufen. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“, wie bereits ein anderer großer Denker vor Stephan Trüby so schön formulierte. Auch jener hätte vielleicht bei „Arch+“ mit unterschrieben, wenn er noch leben würde.

Junge Studenten werden also Courage haben müssen, wenn sie sich gegen die alten Köpfe derer behaupten wollen, die heute noch in den Machtpositionen sitzen. Aber nur so werden sie die Tür zu neuen Möglichkeiten aufstoßen können.

Frankfurts Neue Altstadt – Das Herz am rechten Fleck. Eine Antwort.

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Es hätte so schön sein können. Im Herbst soll das Dom-Römer-Areal, Frankfurts „Neue Altstadt“, offiziell eingeweiht werden. Und selbstverständlich haben die großen Politiker der Stadt vor, sich zu diesem Anlass gehörig selbst zu inszenieren. Auch wenn sie eigentlich wenig mit dem Projekt zu gehabt haben. Oberbürgermeister Feldmann machte es im zurückliegenden Wahlkampf jedenfalls mit vielen Pressefotos vor.

Ich hatte nicht vor, Ihnen den Spaß zu verderben. Das hat nun ein anderer versucht. Stephan Trüby wurde von der Redaktion der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ eine 2/3-Seite für einen großen Artikel eingeräumt. (8.4.2018) Trüby leitet das IGMA – Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart. Seine Publikationen lassen darauf schließen, dass man es hier nicht nur mit einem Anhänger modernistischer Architektur und einem radikalen Gegner von Rekonstruktionen zu tun hat. Trüby wendet für seine Attacken gegen Rekonstruktionsvorhaben auch gerne die alte „antifaschistische“ Horrorshow an. Denn er weiß, dass das letzte Mittel, um irgendeine nicht genehme Entwicklung in der Bundesrepublik zu verhindern, immer noch der alte „Nazi“-Ruf ist. Eine Art Bannwort, die den braven Spießbürger in der Vergangenheit stets erstarren ließ.

2015 unterzeichnete er einen Aufruf „Gegen die Salonfähigkeit Neuer Rechter“. Dieser richtete sich gegen den wissenschaftlichen Mitarbeiter für Philosophie und Ästhetik an der HfG Karlsruhe, Marc Jongen, nachdem bekannt wurde, dass dieser in die AfD eingetreten war. In einem offenen Brief zu dem Aufruf wurde verlautbart, „Jongen mache politische Werbung für eine Splitterpartei mit Verbindungen in die Neonazi-Szene, und sei damit ein `akademisches Feigenblatt´ für Rechtsradikale“. 2016 verfasste Trüby in der „Zeit“ einen Artikel über „Rechte Räume“, in dem es vor allem gegen Siedlungsprojekte auf dem Land, Ritterburg-Freunde und diverse Symboliken ging, selbstverständlich wild zusammengemischt. 2017 moderierte er in München eine Diskussions-Veranstaltung über „Rechte Räume“, in der auch Anetta Kahane von der berüchtigten „Amadeu Antonio Stiftung“ als Gast eingeladen war. In der Einladung hieß es, dass sich „die Veranstaltung mit der Frage (beschäftigt), wie der Aufschwung rechtspopulistischer Politik auch die Architektur ins Visier der Rechtsnationen rückt. Besonders die Zunahme von `No-Go-Areas´ für Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch Aussagen von AfD-Politikern über städtische Räume in Deutschland werden diskutiert.“

Nun hat sich Trüby an mir auf die alte Masche abzuarbeiten versucht. Der Grund: Das zum Teil nach originalem Vorbild rekonstruierte Dom-Römer-Areal ist ihm ein Groll.

Zuerst versucht er in seinem Artikel das Projekt mit der sozialpopulistischen Masche madig zu machen. So würden dadurch nicht „die drängendsten Probleme der Stadt“, die „Frage nach bezahlbarem Wohnraum“ und einer „Stadt für alle“ (was immer das sein soll), gelöst. Bezahlbaren Wohnraum schaffen zwar auch nicht die geplanten modernen Wohntürme für Besserverdienende in der Innenstadt, und die steigenden Mieten haben mit politischen Entscheidungen (u.a. der Währungspolitik) zu tun. Aber, geschenkt. Es ist ohnehin nur ein vorgeschobenes „Argument“ Trübys. Trüby wettert dann gegen ein „aalglattes Stadtviertel“ und „Heile-Welt-Gebaue“. Und auch die abfällige Rede von „Massen an futter- und einkaufsfreudigen Touristen“, die bald durch das „Altstadtidyll“ geschleust würden, zeugt nicht gerade von Offenheit gegenüber Menschen aus anderen Ländern, die uns gerne besuchen.

Dann aber nimmt Trüby Fahrt auf und bedient endlich den ganzen altlinken verbalen Sermon, der uns nun bereits seit 50 Jahren bestens bekannt ist. Die Rekonstruktionsbewegung ist ein „Schlüsselmedium der autoritären, völkischen, geschichtsrevisionistischen Rechten“. Und da ich als Urheber der neuen Frankfurter Altstadt ausgemacht werde, musste ganz tief gegraben werden, um meine Person in einem möglichst schlechten Licht erscheinen zu lassen. Da werden für seine Zwecke passende Zitatpassagen aus bald 25 Jahre alten Aufsätzen herausgepickt. Da werden teils längst nicht mehr existente Zeitschriften erwähnt, für die ich mal als junger Student wenige Artikel geschrieben habe (an denen nichts zu beanstanden ist). Da werden Mitautoren an einem 1995 erschienenen Sammelband herangezogen, die überhaupt keinen Einfluss auf die von mir geschriebenen Aufsätze hatten. Auch deren Beteiligung entschied nicht ich als Autor, sondern der damalige Herausgeber, der die von Trüby erwähnte parteipolitische Karriere samt späteren Ausstieg zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht begonnen hatte.

Nachdem sich Trüby die Zitate herausgepickt hat, die ihm passen, um mich als dämonischen Demiurg an die Wand zu projizieren, kommt er wieder auf das Altstadt-Thema zu sprechen. Ich hätte dafür „Kreide geschluckt“, behauptet er.

Nein, kann ihm geantwortet werden. Niemand hat Kreide geschluckt. Menschen entwickeln sich nur über die Jahrzehnte. Sie eignen sich einen erweiterten Horizont an. Sie sehen Dinge differenzierter, aber auch schärfer. Sie vermögen, das besser auszudrücken, worum es ihnen geht. Womöglich ist eine solche geistige Entwicklung Trüby unbekannt. Das weiß ich nicht.

Am Inhalt meiner von ihm erwähnten Artikel und Aufsätze zu Architektur und deren politischen Hintergründen habe ich überhaupt nichts auszusetzen. Manches rührt mich sogar bei heutiger Lektüre. Kein Wort nehme ich zurück. Und der positive Zuspruch vieler Bürger bestärkt mich darin. Heute indes gilt es, den Fokus auf die globale Entwicklung zu richten. Viele Besuche im Ausland, beispielsweise von Griechenland über Marokko, Albanien bis Spanien, haben mir die jeweiligen länderspezifischen Bemühungen gezeigt, die eigene Identität auch in den Bereichen Architektur und Stadtplanung zu erhalten. Und sie haben mir noch stärker vor Augen geführt, dass es ein globales Problem mit der modernistischen Architektur und der von ihr geschaffenen Stadträume gibt. Es geht, um es einfach auszudrücken, um eine menschlich gestaltete Welt angesichts einer fortschreitenden, den ganzen Erdball umfassenden Globalisierung. Und weil das im Kern auch schon das Anliegen meines von Trüby zitierten Aufsatzes von 1995 war, lautete dessen Untertitel „Für eine menschliche Architektur“ (was Trüby wiederum verschweigt).

Trüby wirft mir vor, Ideologe zu sein, doch er selbst ist er ein Ideologe par excellence. Um seine Theorie gegen Rekonstruktionen darzulegen, geht er sogar bis in die frühen 1950er Jahre zurück und positioniert sich noch einmal gegen die Rekonstruktion des nun schon Jahrzehnte im Großen Hirschgraben stehenden Goethe-Hauses. Der Theoretiker und damalige Goethehaus-Gegner Walter Dirks hätte seinerzeit nämlich die modernistische Marschrichtung vorgegeben. Trüby: „Hinter Dirks Haltung stand – aus heutiger Sicht völlig zu Recht – die Sorge, dass man mit einer Rekonstruktion die Spuren des Nationalsozialismus und auch der eigenen Schuld löschen wollte.“ Doch in den 1980er Jahren sei bereits der Weg der Tugend verlassen worden: „Wenig später ging Frankfurt erst so richtig in die geschichtsrevisionistischen Vollen, und zwar mit der Rekonstruktion des Römerbergs, die von 1980 bis 1983 erfolgte“.

Aus diesen Zeilen kann man erkennen, dass Trüby ein unverbesserlicher Modernist ist. Er ist einer, der die neue Bebauung des Frankfurter Dom-Römer-Areals als harte Niederlage empfindet. Immer noch trauert er dem längst vergilbten Bauklotz-Entwurf von KSP Engel nach, der dort für kurze Zeit ursprünglich errichtet werden sollte. Trüby verhält sich wie ein fanatischer Militär, der eine Niederlage nicht verkraftet und deshalb, obwohl bereits alles gelaufen ist, als letzter der Getreuen noch ein Schuss abfeuern muss. Der Schuss soll natürlich auch andere, zukünftige Rekonstruktionsprojekte in anderen Städten treffen.

Rekonstruktionen sind in diesem Selbstverständnis „rechtsradikal“, also solle man gefälligst modernistisch bauen, heißt sein Ruf. Und wenn das nicht klappt, dann soll – laut Trüby – „zivilgesellschaftliche Gegenwehr“ her. Das ist kryptisch ausgedrückt, denn welche Zivilgesellschaft soll denn gegen ein kleines Rekonstruktionsprojekt „Gegenwehr“ leisten? Für den KSP Engel-Entwurf? Bekanntlich hat es bislang noch kaum Bürgerinitiativen für modernistische Bauprojekte gegeben, die ohnehin 99,9 % der hiesigen Bauvorhaben ausmachen. Aus gutem Grund. Viele wissen aber, dass mit solchen unklaren Formulierungen in heutigen Zeiten nicht „Greenpeace“ oder das Diakonische Werk gemeint sind, sondern in der Regel eine lautstarke und gewaltaffine „Antifa“. Zumal es ja gegen Bestrebungen eines angeblichen „Rechtsradikalen“ gehen soll. So stellen es sich eben viele Herren in Nadelstreifenanzügen vor, nicht nur auf den gut dotierten Professorenstühlen. Die Ideologie geben sie vor, sich selbst wollen sie aber nicht die Hände schmutzig machen, weil das andere auf der Straße erledigen sollen. Doch Trüby hätte es frei gestanden, selbst „zivilgesellschaftliche Gegenwehr“ zu leisten, statt nach anderen zu rufen. Er hätte sich nackt an das Technische Rathaus ketten können, als die Abrissbagger anrückten. Das wäre immerhin eine couragierte Aktion gewesen. Die FAZ hätte garantiert berichtet.

Wenn Trüby gegen Ende seines Aufsatzes bekundet, „Missverständnissen vorzubeugen“ und nicht „Rekonstruktionen als solche zu skandalisieren“, ist das nur ein Täuschungsversuch oder eine Selbsttäuschung. Die von ihm angeführten Beispiele sind entweder reine Wiederaufbau-Maßnahmen der Nachkriegszeit (Paulskirche Frankfurt, Alte Pinakothek München) oder nur eine so genannte „kritische Rekonstruktion“ (Neues Museum Berlin von Chipperfield), die möglichst viele Brüche, Schrammen und Zerstörungen zu konservieren versucht. Mit der aktuellen Rekonstruktionsbewegung hat das nichts zu tun.

Nein, das stumpfe „Nazi“-Rufen funktioniert einfach immer weniger. Zudem will sich eine junge Generation immer weniger von verquasten geschichtlichen Belehrungen dirigieren lassen, welche Architektur sie sich für ihre Orte und ihr Lebensumfeld wünschen darf und welche nicht. Und das ist auch gut so. Von mir aus kann ein Trüby mich „rechtsradikal“ nennen. Im Teeny-Alter überlegte ich einmal, in eine Partei einzutreten. Sogar Jusos und „Grüne“ waren in der Auswahl. Ich las mir als 16-Jähriger sämtliche Parteiprogramme durch und entschied mich bis heute, parteilos zu bleiben. Damals dämmerte mir, dass ich kein Linker bin. Ob ich stattdessen ein Rechter, ein Konservativer, bin? Womöglich schon, wenn auch in ganz anderem Sinne, als es sich manche Linke oder auch Rechte vorstellen. Und gegen Radikalität des Geistes ist auch nichts einzuwenden. „Radikal“ kommt von dem lateinischen Wort „Radix“ (Wurzel). Probleme können getrost von ihrer Wurzel her analysiert werden, sofern das daraus entspringende Handeln den menschlichen Maßstab nicht aus den Augen lässt. Insofern soll mich ein Modernist eben „Rechtsradikaler“ nennen, wenn ihm das Freude bereitet.

Die Freude über die neue Frankfurter Altstadt, die erst noch in der Bevölkerung stark anwachsen wird, wird das nicht trüben. Ja, ich bin der geistige Urheber des Altstadt-Projekts. Ich habe dem damaligen Stadtverordneten Wolfgang Hübner von den BFF seinerzeit die Idee mitgeteilt und mit ihm gemeinsam den initiierenden Antrag für die Stadtverordnetenversammlung formuliert. Und, ich habe das nie an die große Glocke gehängt. Ich brauche keinen Ruhm, kein Schulterklopfen, keine Medaille, keinen finanziellen Nutzen. Ich freue mich, wenn sich eine große Zahl an Menschen freut. Wenn ich ihnen etwas geben konnte. Ganz im Stillen. Ich hätte mich sogar gefreut, wenn sich die Politiker der Stadt bei der Einweihung als die Altstadtgründer gefeiert hätten. Nur wenigen Leuten gegenüber, die meisten aus dem Freundeskreis, offenbarte ich mich als Urheber des Projekts. Meine einzige öffentliche Äußerung dazu tätigte ich bei einer Ansprache zum 10-jährigen Bestehen des Vereins „Pro Altstadt“, zu der ich gebeten worden war.

Das hätte so bleiben können. Doch Stephan Trüby wollte das nicht und zog es vor, mich zu „outen“. Nun, jetzt bin ich eben „geoutet“ und werde fortan ganz offen mit dieser schönen Sache umgehen.

Claus Wolfschlag