Der Staat wird zum Zuhälter. Das neue „Prostituiertenschutzgesetz“ dient vor allem den Staatsfinanzen

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Über Prostitution kann gestritten werden. Aber sie ist eine Tatsache, die täglich auch in Frankfurt als sexuelle Dienstleistung in Anspruch genommen wird. Schon seit langen Jahren ist in Frankfurt der Verein Dona Carmen aktiv, der sich für die Interessen von Prostituierten einsetzt und kürzlich eine Verfassungsbeschwerde gegen das neue „Prostituiertenschutzgesetz“ eingelegt hat. Dr. Claus Wolfschlag hat zu dem Thema einen längeren Text für den BFF-Blog verfasst, der sicher zu Diskussionen anregen wird und soll.
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Einführung

Am 1. Juli tritt bundesweit ein so genanntes „Prostituiertenschutzgesetz“ in Kraft. Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Gesetz betrifft in starkem Maß auch die Stadt Frankfurt, die über eine Vielzahl an Bordellbetrieben verfügt. Das Gesetz gibt vor, Prostituierten einen besseren Schutz bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zu ermöglichen. Doch das ist eine Mogelpackung.

Vorab: Die Situation in Deutschland ist auch nach dem 1. Juli weitaus liberaler als beispielsweise in Schweden oder Frankreich, wo Kunden von Prostituierten hohe Geldstrafen zahlen müssen, obwohl real in Frankreich etwa 40.000 Huren arbeiten sollen. Das neue deutsche Gesetz ist eine Korrektur des von Rot-Grün 2002 verabschiedeten ersten Prostitutionsgesetzes. Dieses hatte die Sittenwidrigkeit der Prostitution aufgehoben, Sexdienstleistern den Zugang zu sozialen Sicherungssystemen geebnet, und die Bereitstellung von Räumen für die Prostitution sowie aktive Anbahnungshilfen wurden nicht mehr als strafbare Zuhälterei betrachtet. Als Reaktion auf darauf entstehende Fehlentwicklungen im Bereich des Menschenhandels wurde nun das neue Gesetz auf den Weg gebracht, das weit mehr Kontrolle des Rotlichtmilieus vorsieht.

Bevor man sich überhaupt diesem Thema nähert, muss man zuerst seinen eigenen Standpunkt klären. Manche gehen davon aus, dass Gesetze dazu da sein sollen, Prostitution einzuschränken, um Angebot und Nachfrage einzutrocknen beziehungsweise das Bordellwesen in letzter Konsequenz völlig zu verbieten. Diese Leute werden jedes in diese Richtung weisende Gesetz gutheißen. Sie werden auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem „Prostituiertenschutzgesetz“ als unnötig erachten.

Andere gehen hingegen davon aus, dass es unmöglich ist, Prostitution zu verbieten. Sie können zur Bestätigung ihrer Annahme auf eine Jahrtausende alte Kulturgeschichte, viele diesbezügliche Erfahrungen in der Vergangenheit Deutschlands und anderer Länder verweisen. Beispielsweise ist in den USA heute Prostitution offiziell weitgehend verboten. Sie findet aber dennoch statt. Mal wird sie einfach geduldet, mal reagiert der Staat repressiver, doch das Phänomen verschwindet nicht. Prostitution findet dort oft im Rahmen von Escort-Begleitdiensten statt, bei denen nicht offiziell Sex angeboten wird, aber jeder Beteiligte weiß, dass es dazu kommen kann. Paradox an der amerikanischen Situation ist zudem, dass dies das Land mit der vermutlich größten Porno-Industrie ist. Exhibitionistische Prostitution ist also erlaubt, so lange der Filmproduzent zahlt, nicht aber, wenn der Geschlechtspartner zahlt.

Die Personen, die davon ausgehen, dass Prostitution nicht gesetzlich auszurotten ist, teilen sich wieder in solche, die meinen, man müsse diese weitgehend gesetzlich regulieren und solche, die möglichst wenig Regulierung für richtig halten.

Die Initiatoren des „Prostituiertenschutzgesetz“ gehören der Gruppe der Regulierer an. Sie verweisen als offizielle Begründung für das Gesetz zumindest auf die Absicht, damit Prostituierten etwas Gutes zu tun, sie zu „schützen“. Dabei gehen sie von der Annahme aus, dass Prostituierte durch ein solches Gesetz geschützt werden müssten.

Zur Begründung der Notwendigkeit eines solchen Gesetzes wird oft auf das Problemfeld „Zwangsprostitution“ verwiesen. Dabei spielen allerdings auch viele weit verbreitete Klischees und Ängste eine Rolle. Zwar ist Zwangsprostitution häufig in Fernsehkrimis, Spielfilmen oder Boulevardzeitungen ein Thema, es gibt jedoch keine glaubhaften empirischen Untersuchungen, welchen Prozentsatz echte Zwangsprostitution im Bereich der käuflichen Liebe überhaupt ausmacht. Allenfalls wird auf polizeiliche Ermittlungsverfahren verwiesen, wobei es hierbei erst einmal nur um Verdachtsfälle handelt. 2013 wurden in Deutschland beispielsweise Ermittlungsverfahren zu 542 Opfern eingeleitet. Mechthild Eickel von der Bochumer Prostituiertenberatungsstelle „Madonna“ schätzte im selben Jahr die Gesamtzahl der Prostituierten in Deutschland aber auf 200.000. Andere konservative Schätzungen gehen von 100.000 Prostituierten aus, also 120 Prostituierten a 100.000 Einwohnern. Möglichenfalls also käme heraus, dass der Prozentsatz der Zwangsprostituierten weit kleiner ist, als es die Medienöffentlichkeit suggeriert.

Mit Zwangsprostitution ist dabei im engeren Sinne die Ausnutzung einer Person durch psychischen oder physischen Zwang von Seiten Dritter gemeint, also mit Hilfe von Gewalt, Täuschung oder Erpressung. Dass vielen Berufstätigkeiten eine Form des Zwanges zugrunde liegt, ist eine ganz andere Sache. Viele Bürger müssen schon aus dem Zwang, ihre Miete und ihr monatliches Auskommen zu finanzieren, einer Tätigkeit fernab von Prostitution nachgehen, die sie bei anderen finanziellen Möglichkeiten nicht ausüben würden. Auch Prostituierte unterliegen diesen persönlichen Alltagszwängen. Das ist aber keine Zwangsprostitution.

Mögen es für manche Gelegenheitsprostituierte nur Konsumzwänge sein, denen sie nachgehen möchten, so existieren, vor allem bei Ausländerinnen, bisweilen ganze Familien aufgrund der Tätigkeit einer Prostituierten. Das reicht von der Unterstützung der kranken Eltern bis zur Finanzierung des Kindes, das es nach dem Wunsch der oft alleinerziehenden Mütter einmal besser haben soll. Die Prostitution ist in manchen Familien eine Art offenes Geheimnis. Beschneidet man durch staatliche Repression solchen Sexdienstleisterinnen diese Möglichkeiten der Unterstützung ihrer Angehörigen, stürzen also teilweise ganze familiäre Zusammenhänge in eine existenzielle Krise.

Dass ein großer Teil der Prostituierten ihre Tätigkeit aus freier Entscheidung ausübt, sie im Einzelfall die bessere unter mehreren schlechten Wahlmöglichkeiten darstellt, kommt im Denken der Gesetzgeber und Teilen der Öffentlichkeit aber kaum vor.

Für den effektiven Schutz von Prostituierten existieren zudem bereits ohne das neue Gesetz ausreichende rechtliche Mittel. Bereits heute sind beispielsweise Körperverletzung, Nötigung, Menschenhandel, sexuelle Ausnutzung von Hilflosigkeit, Anleitung einer Person unter 21 Jahren zur Prostitution strafrechtlich relevant. Tätern drohen heute bereits teils hohe Geld- und Haftstrafen.

Was bringt nun aber das “ Prostituiertenschutzgesetz“ für Neuregelungen? Welche Absicht liegt ihnen zugrunde? Und was kann das für Frankfurt bedeuten?

1. Anmeldepflicht für Prostituierte

Prostituierte, wozu auch Tantra-Masseusen, Dominas oder Escort-Begleitungen gezählt werden, müssen sich fortan behördlich melden und offiziell als Sex-Dienstleisterinnen registrieren lassen. Die Angaben werden in einer besonderen Huren-Datenbank gespeichert. Diese behördliche Meldung muss in regelmäßigen Abständen, jährlich oder halbjährlich, erneuert werden.

Vorgeblich soll die behördliche Registrierung Prostituierten Schutz gewährleisten. Doch das Gegenteil ist real der Fall. Kann eine Prostituierte heute für einige Zeit oder auch nur nebenberuflich ihrer Tätigkeit nachgehen, um nach dieser Phase wieder in ein bürgerliches Leben zu finden, so wird ihr dieser Weg nun versperrt. Keine Frau weiß, wo ihre Daten irgendwann landen, wann diese vielleicht wieder auftauchen. Sie muss fortan ihr Leben in der ständigen Angst verbringen, eines Tages auf unangenehme Weise mit ihrer Vergangenheit konfrontiert zu werden.

Dieses Risiko kann auch ihre Familie und ihre Kinder betreffen, denn nicht in jedem sozialen Umfeld wird Prostitution als normale Tätigkeit betrachtet, die nicht zur sozialen Abwertung führt. Eine Prostituierte, die ausschließen möchte, dass das Wissen über ihre Tätigkeit irgendwann aufgrund von Datentransfers öffentlich wird, ihr also Schaden für eine Zeit nach dieser Lebensphase entstehen könnte, wird förmlich in die Illegalität gedrängt. Nur die Illegalität wahrt fortan noch die Anonymität, die oft als Voraussetzung für den späteren Ausstieg und eine angstfreie bürgerliche Zukunft gesehen wird.

Problematisch wird auch der mit Registrierung verbundene Nachweis eines festen Wohnsitzes und einer Meldeadresse für diejenigen Frauen, die frisch aus dem Ausland eingereist sind, um hier der Prostitution nachgehen zu können. Im Gegensatz zu einreisenden, meist männlichen, Asylbewerbern, haben sie ja gerade nicht vor, sich in eine Flüchtlingsunterkunft einweisen und dort auf Kosten des Steuerzahlers versorgen zu lassen. Laut „Prostituiertenschutzgesetz“ sollen die Frauen in Zukunft aber nicht mehr in den Bordellzimmern übernachten und wohnen dürfen.

Das erklärt sich zwar aus der Prävention gegen eine mögliche Gefangenhaltung von Zwangsprostituierten in Bordellen, stellt aber in Realität viele Frauen vor das Problem, einerseits Miete für ein Arbeitszimmer und nun zusätzlich noch Miete für eine reguläre Wohnung zahlen zu müssen. Gerade in Frankfurt bringt das nicht unbedeutende Mehrkosten mit sich. Der finanzielle Druck wächst also auf die Frauen. Ganz abgesehen davon, dass dadurch auch weiterer Druck auf den ohnehin problematischen Frankfurter Wohnungsmarkt erzeugt wird. Wie das Gesetz angesichts häufiger Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel eines Teils der Prostituierten an dieser Stelle kontrolliert und durchgesetzt werden kann, bleibt zudem offen.

Es besteht somit die Gefahr, dass Prostituierte, um der Registrierung zu entgehen, gerade aus dem relativ geschützten Bereich der offiziellen Bordelle abwandern und sich in die Illegalität begeben. Das heißt, es könnte zu einer Zunahme des Straßenstrichs oder des Bordellbetriebs in Privatwohnungen kommen. Dabei sind die Frauen nicht nur der Gefahr polizeilicher Enttarnung ausgesetzt, sondern haben auch keine Sicherheit gegenüber gewalttätigen Freiern, da eine Security, die im regulären Bordellbetrieb gerufen werden kann, entfällt. Für die Bürger bedeutet dies, dass sie zukünftig öfters wieder mit illegaler Prostitution in ihrem Lebensumfeld konfrontiert werden könnten.

2. Erlaubnispflicht für Bordellbetriebe

Prostitutionsstätten, -veranstalter und -vermittler (Escort-Agenturen) müssen nun Konzessionen beantragen. Dabei werden sie beispielsweise auch aktuellen Baurechtsverordnungen für Gewerberäume unterworfen. Dies könnte zu Konzentrationstendenzen im „Milieu“ führen, da viele Kleinbetriebe die behördlichen Auflagen nicht erfüllen können. Zudem geht in Deutschland nichts mehr ohne Bürokratie. Betreiber einschlägiger Etablissements müssen deshalb nun umfangreiche Dokumentationsarbeit leisten, Vereinbarungen mit Sexdienstleisterinnen schriftlich fixieren, Quittungen erteilen, „Mitarbeiterinnen“ und Behörden Einblick in die Geschäftsbücher ermöglichen.

3. Gesundheitsberatung für Prostituierte

Weiterhin sind Prostituierte fortan zu einer Gesundheitsberatung beim Gesundheitsamt oder einer anderen beauftragten Stelle verpflichtet. Bei dem intensiven amtlichen Beratungs- und Informationsgespräch werden die Lebens- und Arbeitsumstände der Antragstellerin erkundet und wird auf diverse Hilfsangebote verwiesen. Dazu gehört die Information über die sozialen Sicherungssysteme und steuerlichen Pflichten. Für die Beratung sollen Prostituierte laut Internetmeldungen wiederum 35 Euro zahlen.

4. Kondompflicht & Werbeverbot

Des Weiteren wird nun von Amts wegen eine Kondompflicht eingeführt. D.h. sämtliche Dienstleistungen müssen nun mit Kondom ausgeführt werden, Dienste ohne Kondom dürfen nicht mehr beworben werden. Ein Verstoß kann bis zu 50.000 Euro Strafe nach sich ziehen.

Erwachsene Menschen werden nun also in ihrer Vertragsfreiheit und ihrer Sexualpraxis behördlich reglementiert. Die Begründung kann nur darin liegen, dass Prostituierte oder Freier auf diese Weise vor Geschlechtserkrankungen geschützt werden sollen. Doch greift dieser Vorstoß eindeutig zu weit. Sowohl Prostituierte wie Freier haben ein persönliches Eigeninteresse am Schutz ihrer Gesundheit. Gehen sie gewisse Risiken ein, so gehört das zu ihrer persönlichen Entscheidungsfreiheit.

Gefährden sie die Gesundheit des anderen, so ist dies bereits heute strafbar. Beispielsweise gilt die schuldhafte Infektion mit dem HIV-Virus in Deutschland als schwere Körperverletzung und wird bereits heute mit Haftstrafen geahndet. Allerdings sind nur wenige Fälle bekannt, in denen Aids auch durch ungeschützten Oralverkehr übertragen worden wäre. Das Risiko wird als sehr gering eingeschätzt, sofern keine Verletzung der Mundschleimhaut bzw. des Zahnfleisches vorliegt, z.B. infolge einer Zahnextraktion. Insofern ist eine Kondompflicht für Oralverkehr ein übermäßiger Eingriff in die Vertragsfreiheit. Hepatitis B kann wiederum auch durch Speichel übertragen werden.

Der Gesetzgeber hat allerdings inkonsequenter Weise das Küssen nicht verboten. Und auch durch Körperkontakt könnte man sich Krankheiten holen, zum Beispiel einen Hautpilz. Das Leben besteht nun einmal aus Risiken, und es ist nicht Aufgabe eines Betreuerstaates, jedes Risiko gesetzlich auszuschließen. Es müsste dann auch der Bahnhofsviertel oft zu beobachtende Alkoholkonsum verboten werden, weil man im betrunkenen Zustand leicht stolpern, hinfallen und sich körperliche Schäden zuziehen könnte.

Die Frage ist zudem, wie Behörden diese Kondompflicht eigentlich kontrollieren wollen. Werden verdeckte Ermittler der Sittenpolizei eingesetzt, um getarnt Bordellbesuche vorzunehmen? Und filmen sie dann heimlich den kondomfreien Akt auf Kosten des Steuerzahlers, um später Beweismittel gegen die Prostituierte zu haben? Oder wird in den Verrichtungszimmern von vornherein die polizeiliche Videoüberwachung zur Pflicht?

Fazit

Letztlich geht es in dem „Prostituiertenschutzgesetz“ nur vorgeblich um den Schutz von Sexdienstleisterinnen. Stattdessen sollen Steuerquellen erschlossen und weitere Jobs in der Beratungsbranche eingerichtet werden. Sobald die Frauen bei der Finanzverwaltung registriert sind, hält nicht nur der Staat seine Hand auf, um seinen Steueranteil von den Einnahmen des Hurenlohnes erhalten zu können. Nun wird die betroffene Prostituierte auch Beiträge zur Sozialversicherung und Krankenkasse zahlen müssen. Möglichenfalls kommt es sogar zu Nachforderungen an die Frauen oder gar zur Einleitung von Strafverfahren, wenn heraus kommt, dass diese bereits vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes ihrer Tätigkeit nachgegangen sind, aber keine Abgaben bezahlt haben.

Hier wird der wahre Grund des so genannten „Prostituiertenschutzgesetz“ erkennbar. Der Staat versucht sich neue Geldquellen zu erschließen, und nun sind die Prostituierten dran. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes machen Prostituierte in Deutschland einen jährlichen Umsatz von gut 14 Milliarden Euro, wovon die Hälfte als Gewinn nach Abzug der Kosten übrig bleibt. In Bordellen wechselt also Geld den Besitzer, auf das der Staat bislang kaum Zugriff hat. Medien schrieben deshalb auch schon die staatlichen Gelüste sekundierend von einer „gigantischen Steuerhinterziehung“. Versucht der Staat also dieses Geld anzuzapfen, wird er aber zu dem, was er zu bekämpfen vorgibt: Einem Zuhälter im größtmöglichen Maßstab. Frauen, die kein Interesse haben, ihre bei Freiern erworbenen Euro mit den Finanzbehörden zu teilen, werden somit zukünftig möglichenfalls noch stärker in die Steuerhinterziehung und Illegalität getrieben, also gerade in die Hände von männlichen „Beschützern“, denen das Handwerk zu legen das neue Gesetz vorgibt.

Was kann das neue Gesetz für Frankfurt bedeuten?

Neben den Mehrkosten für polizeiliche Ermittlungstätigkeiten erhöht sich der Druck auf den Wohnungsmarkt. Da die Frauen fortan nicht mehr in ihren Arbeitszimmern übernachten dürfen, was viele Prostituierte vor allem im Frankfurter Bahnhofsviertel tun, strömen diese nun auf den Wohnungsmarkt oder belegen Hotelzimmer, wenn sie sich das leisten können. Zudem besteht die Gefahr, dass sich illegale Straßenprostitution vermehrt. Frauen, die sich nicht registrieren lassen möchten, könnten auf den Straßenstrich oder angemietete Wohnungen in Mehrfamilienhäusern ausweichen.

Das erhöht das Risiko der Frauen, bei Polizeirazzien aufgegriffen zu werden, aber auch an gewalttätige Freier zu gelangen, denen gegenüber die Schutzmechanismen eines regulären Bordellbetriebs fehlen. Es könnte Frauen somit in die Arme von männlichen „Beschützern“ treiben, wodurch die kriminellen Strukturen gefördert werden, die das Gesetz zu bekämpfen vorgibt. Zudem könnte die Belastung für Normalbürger steigen, wenn in ihrer Wohnstraße oder in ihrem Wohngebäude plötzlich illegale Prostitution auftaucht. Das Risiko besteht also, dass die Situation für alle Beteiligten nicht angenehmer, sondern rauer wird.

 

Zuerst erschienen bei http://www.bff-frankfurt.de am 28.6.2017

Die Dresdner Installation als Provokation

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Seit Dienstag ziert die Installation„Monument“ des syrischen Künstlers Manaf Halbouni  mit drei senkrecht aufgestellten Bussen den Platz vor der Dresdner Frauenkirche. Diese soll ausgerechnet um den Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg an das Leid der syrischen Zivilbevölkerung erinnern. Feindliche Reaktionen aus der Bürgerschaft kommentierte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) als „erschreckend“. und äußerte: „Ich dachte, wir sind schon ein Stück weiter.
Installationskunst besteht in der Regel aus temporären Objekten, die in einen meist öffentlichen Raum gestellt, gehängt oder gelegt werden. Die Bearbeitung der Einzelobjekte steht weniger im Vordergrund als der optische Gesamteffekt. Nicht selten werden Baumaterialien oder Schrott für Installationen verwendet. Ein finanziell erfolgreicher Installationskünstler ist HA Schult, der seine „Trash People“, 300 aus Müll gefertigte Figuren, derzeit um die Welt schickt.
Masse statt Klasse
Oft erzeugen Installationskünstler den gewünschten optischen Effekt schlicht durch die Größe oder Menge der von ihnen im Raum plazierten Objekte. 500 gleich aussehende rote Marx-Skulpturen hat der Installationskünstler Ottmar Hörl 2013 in Trier aufgestellt. Masse statt Klasse. Die Bevölkerung steht Installationskunst manchmal verständnislos gegenüber, da diese oft nicht gängigen ästhetischen Kriterien entspricht und nicht ohne Erklärung funktioniert. Gelegentlich werden Installationen à la Hörl aber auch als spaßiges Event wahrgenommen.
Inwieweit nun Manaf Halbouni ein talentierter Künstler ist, ist im aktuellen Zusammenhang wenig relevant. Talent ist bei Installationskünstlern ohnehin nur schwer über ihre Objekte feststellbar, eher schon über ihre Fähigkeit zur geschickten Selbstvermarktung und Medienkompetenz infolge der von ihnen im Raum plazierten Provokationen oder Zumutungen.
Halbouni wurde 1984 in Damaskus geboren, ist aber schon lange vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland gekommen. Von 2009 bis 2014 studierte er Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Seine Arbeiten sind von der Beschäftigung mit seiner Identität als Einwanderer geprägt. Seine Installation „Entwurzelt“ von 2014 zeigt ein Schrottauto, dessen Innenraum mit Büchern und einer kleinen Kochecke gefüllt ist. Das dort also bereits auftauchende Auto soll als Motiv des Wanderns dienen und des Versuchs, nach dem Verlust von Heimat wieder Wurzeln zu schlagen.
Kunstaktion gegen Pegida
Diese Idee variierte er 2015 mit „Nowhere is Home“, in dem er ein Auto mit überladenem Dachgepäckträger in den öffentlichen Raum stellte. Hier sollte das Auto für das moderne Nomadentum und die weltweiten Flüchtlinge stehen. Schon die künstlerische Verarbeitung seiner ausländischen Herkunft macht Halbouni also interessant und förderwürdig für diejenigen in Politik und Kulturbetrieb, die auf diese Weise Sensibilität für das Anliegen von Einwanderern erzeugen wollen.
Halbouni revanchierte sich, indem er 2015 eine „Kunstaktion gegen Pegida“ ins Leben rief, die wiederum den Interessen der etablierten Politik entgegenkam. In der bewußt verballhornenden Installation „Sachse auf der Flucht“ wurde erneut der Dachgepäckträger eines Autos beladen, doch diesmal „mit den klischeehaften Habseligkeiten, die ein sächsischer Flüchtling mitnehmen würde: Gartenzwerge, Sonnenschirm und ein Bierkasten mit einem Kühlschrank.“
Bemerkenswert ist aber auch Halbounis Arbeit „What if“ von 2015, in der sich Minderwertigkeitskomplexe und feuchte, antieuropäische „Welteroberungsträume“ vereinigten. In Weltkarten stellte er einen alternativen Geschichtsverlauf vor: „In der fiktiven Welt, die ich erschaffen habe, hat die Industrie-Revolution im arabischen sowie osmanischen Reich stattgefunden. Somit sind zwei Mächte hervorgekommen, die die Welt mit Waffen sowie technologischen Errungenschaften beliefern. Auf der Suche nach Ressourcen und Absatzmärkten begann man mit der Kolonialisierung Europas. Bei der Kolonialisierung wurden neue Grenzen erschaffen, um Europa unter zwei Mächten aufzuteilen, ohne Rücksicht auf die verschiedenen dort lebenden Völker. Die neu eroberten Städte werden teils umbenannt oder übersetzt. Lediglich ein paar große Städte dürfen ihren Namen behalten.“
Mißachtung der eigenen Opfer
Diese muslimischen Überphantasien wurden offiziell ignoriert, die Flüchtlingsinstallationen und die Aggression gegen die Bevölkerung des Aufnahmelandes aber machten Halbouni nun nutzbar für die Politik, so daß sie ihm einen ausgesprochen prominenten Raum vor der Dresdner Frauenkirche für die Selbstvermarktung zur Verfügung stellte. Angesichts der zu erwartenden Medienaufmerksamkeit dürfte es Halbouni leichtgefallen sein, auf ein Honorar zu verzichten.
Die Proteste von Teilen der Dresdner Einwohnerschaft, der AfD und Pegida gegen die Installation „Monument“, sind also nicht allein mit ästhetischen Streitigkeiten erklärbar oder daß kein Interesse an der Beschäftigung mit dem Leid des syrischen Bürgerkriegs bestände. Sie resultieren bei Teilen der Bevölkerung eher aus dem Gefühl der Mißachtung der eigenen Opfer, der eigenen Geschichte, der eigenen Würde durch die herrschende Klasse und durch jene Kulturszene, die den Herrschenden finanziell und ideologisch ergeben ist.
Oberbürgermeister Hilbert meinte dieser Tage, Dresden wäre an seiner Vernichtung 1945 „nicht unschuldig“ gewesen. Er erklärte also die zivilen Kriegsopfer seiner eigenen Stadt indirekt zu Mittätern, während er die ausländischen Täter moralisch entlastete. Während also Dresdner Opferzahlen heruntergerechnet werden, während das würdevolle Gedenken an die eigenen Toten seit Jahren hinter politischen Ränkespielen verschwindet, während auf dem Altmarkt eine lächerlich kleine Gehwegplatte an die Zerstörung der Stadt erinnert, werden die Toten nun noch als Werbung für die offizielle Einwanderungspolitik mißbraucht.
Das Eigene als Transportschiene für Vielfalt
Vor der Semperoper entsteht die Installation „Lampedusa 361″ mit 90 großformatigen Fotografien von Flüchtlingsgräbern auf Sizilien. Am 12. Februar geht der Internationale Friedenspreis „Dresden-Preis“ an den italienischen Ort Riace für dessen überproportionale Aufnahme von Einwanderern. Und nun wird vor der Frauenkirche mit einer Monumentalinstallation der Toten von Syrien gedacht.
Das Eigene verkommt, ähnlich wie bei den Vertriebenen, zunehmend zur Transportschiene für die Zwecke einer auf „Vielfalt“ und „internationale Solidarität“ fixierten Politik. Diese Instrumentalisierung und Herabwürdigung erzeugt die Wut des angeblichen „Mobs“, die der Politik auf der Straße entgegenschallt.

Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 11.2.2017

Bannerparole statt Flaggenklau. Fußball wird zunehmend ein Feld für politische Instrumentalisierungen

591266_web_r_by_rike_pixelio-deManche Kicker sorgen derzeit für Ausrufezeichen. Doch auf politischer Ebene verläuft die Fußball-Europameisterschaft bislang ohne wirkliche Überraschungen. Die Linksradikalen ärgern sich über Deutschland-Fahnen, während die Strippenzieher der “multikulturellen Gesellschaft” den Tiger reiten. Es ist ein Zeichen für die geistige Überalterung der “Grünen”, dass ihre Jugendorganisation sich wieder einmal über patriotische Symbolik, diesmal das Zeigen schwarz-rot-goldener Fahnen anlässlich der Fußball-Europameisterschaft, echauffiert.
Die Rolle, die die Medien eigentlich Alexander Gauland und der AfD zuschieben wollten, übernahm somit nun die Jugendorganisation der “Grünen” ganz freiwillig. Die “grüne” Partei wurde mal wieder als verbissene “Spaßbremse” wahrgenommen, die der nun vom Fußball euphorisierten Bevölkerung fremd gegenüber steht.
Emma Sammet, Sprecherin der “Grünen Jugend” Berlin, verlautbarte bierernst:
“In Berlin wird Patriotismus und Nationalismus mit der Fanmeile und vielen Public Viewings besonders viel öffentlicher Raum geboten. Die Supermärkte sind voll mit Deutschland-Merchandise und die Straßen, Autos und Balkone voller Nationalfahnen. Da wird einem richtig mulmig zumute. Denn es kann kein Sommermärchen geben, wenn brennende Geflüchtetenunterkünfte die abscheuliche deutsche Realität darstellen.”
Und ihr Kollege Patrick Grünhag ergänzte wie auswendig gelernt: “Schon bei den vergangenen großen Fußball-Turnieren stieg die Anzahl fremdenfeindlicher Übergriffe nachweislich. Der sogenannte `Party-Patriotismus´ führt zu nationalistischem Denken und Gewalt. Gerade Rechtspopulist*innen wie die Kader der Berliner AfD werden versuchen, im Wahlkampf vom schwarz-rot-goldenen Freudentaumel zu profitieren. Als GRÜNE JUGEND Berlin stellen wir uns dieser ausgrenzenden Haltung klar entgegen. Denn gerade in Zeiten von blankem Fremdenhass und aufkommendem Rechtspopulismus und vor der anstehenden Wahl im September müssen wir ein klares Zeichen gegen Patriotismus und Nationalismus setzen.”
Dass die “antideutsch” ausgerichteten “Autonomen” stets bemüht sind, die “Grünen” an Radikalität noch zu überbieten, überrascht nicht. Wo die einen sich nur den Nationalfahnen moralisch verweigern, schreiten die anderen zur kriminellen Tat und kündigten den massenhaften Diebstahl von an Autos oder in Vorgärten angebrachten Fähnchen an.
“Getrennt marschieren, vereint schlagen”, wie schon der alte General von Moltke propagierte.
Doch welch geringen Stellenwert die Verantwortlichen des DFB dem Patriotismus wirklich zubilligen, ist schon daran erkennbar, dass aus dem Namen der “Mannschaft” das “deutsch” und “national” getilgt worden ist, vor allem aber daran, dass manche Spieler “mit Migrationshintergrund” das Singen der Hymne demonstrativ verweigern, ohne dass es den Trainer oder den DFB-Präsident zu stören scheint. Leicht wäre es nämlich möglich, sanften Druck aufzubauen, damit die Spieler mitsingen. Doch daran besteht gar kein Interesse.
Wolfgang Hübner von den “Bürgern Für Frankfurt” kommentierte dazu:
“Ich bin übrigens sicher, dass der DFB, Löw und nicht zuletzt Frau Merkel restlos alle Spieler zum Singen bringen würden, wenn nicht länger Nationalhymnen, sondern die Mannschaften aller teilnehmenden Staaten nur noch eine Globalhymne, natürlich in Englisch, schmettern würden. Bei einer solchen Entwicklung wäre `Die Mannschaft´ auch im Kollektivgesang ohne jeden Zweifel Vorbild für den Rest der Welt. Und ich wette einen hohen Betrag darauf: Wer dann nicht mitsingen wollte, flöge ganz schnell aus dem Kader!”
Wieviel geschickter als die altbackenen Antinationalisten der “Grünen” agieren dagegen mittlerweile die modernen Propagandisten der “multikulturellen” Gesellschaft. Sie haben sich entschieden, die Brandung nicht mit altertümlicher Symbolpolitik aufhalten zu wollen, zumal diese Welle der Fußball-Euphorie ja ein bewusst von DFB, Medien und Wirtschaftskreisen gefördertes Riesengeschäft ist. Vielmehr sind sie längst auf die Idee gekommen, den Tiger zu reiten, also den naiven, unreflektierten Fußball-Patriotismus der Fans bewusst zum Transport “multikultureller” Propaganda nutzbar zu machen.
Das EM-Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien war gerade abgepfiffen, als das ZDF die Dokumentation “Zwischen Verehrung und Verachtung” über “Frankreichs Nationalteam und die Rassismus-Debatte” sendete.
Der moderne, kapitalisierte Fußball und die daraus resultierende zunehmend “bunte” Zusammenstellung der Nationalmannschaften, wurden als positive Boten der neuen, “offenen”, ent-ethnisierten “Nationen”, als “Vision einer neuen, versöhnten Gesellschaft, deren Vorbild die Nationalmannschaft ist” verklärt, der nur noch griesgrämige “Rassisten” vom Schlage Le Pen und Alexander Gauland entgegen stünden. Die der Öffentlichkeit präsentierten “Spaßbremsen” der Medien und “antirassistischen” Fußballfunktionäre sind also am besten nicht “grün”, sondern “rechts”.
Das mehrheitlich aus Einwandererkindern bestehende Schweizer Team wird somit als “Glück” dargestellt. “Diese Vielfalt steht für die Schweiz von heute und ist ein Beweis ihrer Toleranz”, wird Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld zitiert.
Und dieser Versuch, politische Propaganda über den Fußballsport an die Massen zu tragen, findet sich vielfältig in der diesbezüglichen Medienlandschaft wieder.
Das Fußballmagazin “11 Freunde” titelte schon im letztjährigen August zu einem im Stadion gezeigten “Refugees welcome”-Banner: “Wie sich Fußballfans gegen Rechts positionieren. Kein Platz für Nazi-Idioten. Der braune Mob marodiert durch sächsische Kleinstädte und hetzt im Internet gegen Flüchtlinge. Gut, dass zahlreiche Fußballfans diesmal den Mund aufmachen.” Der Journalist Christoph Ruf veröffentliche schon kurz vor EM-Anpfiff im sozialdemokratischen “Vorwärts” einen Artikel mit dem Titel “So setzen sich Fußballfans gegen Rassismus ein”.
Und in einem Anleger-Forum eröffnete ein Diskutant nach dem deutschen Sieg über die Ukraine sogleich einen Thread mit dem Titel “Multikulti hat sich heute für Deutschland ausgezahlt”. Die Propaganda in Medien und Internet setzt sich im Stadion fort. Unübersehbar ist dabei die Kampagne “no to racism” des Europäischen Fußball-Verbandes UEFA, die sich in Bannerwerbung und an Kapitänsbinden zeigt. Die UEFA verlautbarte dazu: “Der Kampf gegen Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz im Fußball wurde in den letzten Jahren zu einem der Hauptanliegen der UEFA. Entsprechend nutzt die UEFA auch alle ihr zur Verfügung stehenden Plattformen, um eine ganz wichtige und unmissverständliche Botschaft auszusenden: Nein zu Rassismus.” Als Kooperationspartner fungiert dabei das ominöse “FARE-Netzwerk“.
Vor dem Hintergrund dieses massiven Ansinnens erscheint es beinahe bereits nebensächlich, darauf kritisch hinzuweisen, dass deutsche Spieler aus Einwandererfamilien die symbolische Geste des Singens der Hymne bewusst verweigern, aber durchaus Sinn für Gesten und Symbolik aufweisen können. Mesut Özil bewies dies unlängst, als er ein Foto im Internet postete, dass ihn vor der Kaaba auf seiner Pilgerfahrt nach Mekka zeigte.
1,5 Millionen Nutzer hätten das Facebook-Bild mit “Gefällt mir” markiert. Viele Nutzer hätten es angeblich als “Aufruf zur Toleranz” interpretiert, obwohl nicht bekannt wurde, dass Özil seine Reise dafür genutzt hätte, um sich für Religions- und Meinungsfreiheit in Saudi-Arabien oder anderen islamischen Ländern einzusetzen.
Die “multikulturellen” Marketing-Strategen sind wahrlich weit moderner und abgebrühter als die kindische “Grüne Jugend”. Hier sperrt man sich nicht mehr verlegen vor schwarz-rot-gold, sondern deutet den Charakter der Nation und seiner Mannschaft einfach “multikulturell” um. So hat man ein wirksames Mittel, den Massen ihren Spaß zu liefern und sie zugleich sanft zu indoktrinieren.
Der “Antirassismus” dient natürlich auch in diesem Wirtschaftssegment vor allem den finanziellen Interessen seiner Profiteure. Insofern ist er eng verbunden mit der Entortung und Kapitalisierung des Fußballs. Darauf wies der Publizist Michael Wiesberg unlängst in einem erhellenden Beitrag hin.
Somit sei Fußball heute ein “Spielfeld des Turbokapitalismus, auf dem jährlich Milliarden von Euro umgesetzt werden”. Allein für Übertragungen der englischen Premier League von 2016 bis 2019 zahlen Sky und BT Sport umgerechnet 6,9 Milliarden Euro. Seit dem Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 1995 wurde die zuvor stärker begrenzte Anzahl ausländischer Spieler in den Clubs massiv ausgeweitet. Es sei “zu einer wahren Flut an ausländischen Spielern, die auch in den Bundesligen immer dominanter werden” gekommen.
Bis dahin bewährte Strukturen seien über Nacht pulverisiert worden. Erst als 2001 der damalige Bundesligist Energie Cottbus in einem Spiel elf ausländische Akteure einsetzte, kam es zu einer leichten Kurskorrektur. Seitdem müssen Profi-Clubs auch in den Betrieb von Nachwuchs-Internaten investieren, zudem baute der DFB sein Stützpunktsystem aus. Doch änderte dies am mächtigen Trend zur Kapitalisierung des Fußballs nichts Grundlegendes.
Sieht man sich beispielsweise den letzten Kader von Eintracht Frankfurt an, so stehen dort 13 deutschen Spielern 18 ausländischer Herkunft gegenüber. Diese Spieler kommen beispielsweise aus Finnland, Serbien, der Türkei, Brasilien, Peru oder Tunesien.
Die zunehmend monopolkapitalistischen Strukturen, die von der wirtschaftlichen Potenz bestimmt sind, führen allerdings auch zunehmend zur Verödung der Ligen und zur Erodierung des Sports. Die immer gleichen finanzstarken Clubs dominieren die Branche, schwächere Vereine dienen allenfalls noch als “Zulieferer” von Talenten. Darüber können auch Zufallssiege von Außenseitern nicht hinwegtäuschen.
Die Rüstungsspirale der Clubs wird heute durch Geld und internationale Einkäufe angeheizt. Die Ausbildung von heimischen Nachwuchsspielern veröde hingegen immer mehr, so Wiesberg. Die einheimischen Nachwuchsspieler müssen mit einem internationalen Einkaufs-Pool konkurrieren, was ihre Luft immer dünner mache. Da die Schlüsselpositionen in den Clubs zunehmend von Ausländern besetzt sind, schmälert sich das Reservoir für die Nationalmannschaften. Hierzu komme, dass der Jugendfußball auch immer stärker von Spielern mit “Migrationshintergrund” geprägt sei, so dass auch hier “bio-deutsche” Spieler stärkere Probleme haben, sich in den daraus ergebenden Strukturen zu behaupten.
Somit ergibt sich zwangsläufig eine immer weniger ethnisch ausgerichtete Nationalmannschaft, deren Spieler vor allem aus Gründen der Vermarktung und Selbstoptimierung in dieser mitspielen. Michael Wiesberg: “Ein Mesut Özil, aber auch andere Nationalspieler `mit Migrationshintergrund´ dürften kein anderes Interesse an der deutschen Nationalmannschaft haben, als ihren Marktwert zu steigern. Die Wahrscheinlichkeit mit dem deutschen Team – bezeichnenderweise nur noch `Die Mannschaft´ genannt – einen internationalen Titel zu holen, ist eben höher als mit der türkischen oder einer anderen Nationalmannschaft. Wer von diesen Spielern eine Identifikation mit Deutschland erwartet, ist realitätsblind.” Diese Erkenntnis ist allerdings bei den Fans noch nicht angekommen.
Claus Wolfschlag
Zuerst veröffentlicht bei http://www.bff-frankfurt.de/ am 30.6.2016
Foto: Rike, pixelio.de

Das langsame Ende der Freiheit

Give me fiveDeutsche Schwimmbäder scheinen sich derzeit bei Einwanderern aus vielfältigen Gründen großer Beliebtheit zu erfreuen. Neben dem natürlichen Wunsch nach Abkühlung besteht vielleicht jene besondere Anziehungskraft des Wassers, das auf Völker kargerer, sonnenverbrannter Landstriche seine eigentümliche Faszination auszuüben vermag. Und dann ist da noch die nackte Haut junger Frauen und Mädchen, die man einerseits begehren, andererseits verdammen kann. Ein beinahe bigotte Schizophrenie, die ihre Ursache in einer spezifischen religiös-kulturellen Sexualmoral hat.
Haben dieser Tage überdrehte junge Migranten in Kirchheim/Treck mehrere minderjährige weibliche Badegäste sexuell belästigt und teilweise gar ausgezogen, so störte sich im FKK-Bereich des Freibades Xantener Südsee eine Gruppe bärtiger Muslime wiederum gerade am Zuviel an textilloser Haut. Frauen wurden dort unter anderem als „Schlampen“ beschimpft, die „Ausrottung“ von „Ungläubigen“ angedroht, und zwischendurch wurde dabei „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) gerufen.
Deutsches Kulturgut FKK
Nun dürften nicht mehr viele der betroffenen Badegäste, aber erst recht kaum einer der zu uns gekommenen „Neubürger“, wissen, daß FKK ein bedeutendes deutsches Kulturgut darstellt, das im Laufe der Lebensreform-Bewegung um 1900 entstand. Die Beschimpfungen gegen die Freibad-„Schlampen“ treffen also unsere Kultur im Prinzip stärker ins Mark als eine blutige Attacke in einer McDonalds-Filiale.
Die deutsche Lebensreform-Bewegung versuchte um 1900 mit zahlreichen Vereinen und Gruppierungen eine Antwort auf die Entfremdungen der industrialisierten Lebenswelt zu geben. Zivilisationsschäden sollte durch eine Rückkehr zu naturverbundenen Lebensweisen Einhalt geboten werden. Viele Dinge, die uns heute alltäglich erscheinen, sind Ergebnisse der damaligen Überlegungen. So beschäftigte man sich mit ökologischer Landwirtschaft, Schrebergärten, Vegetarismus, Naturheilkunde, Vollkornprodukten.
Zwischen Moderne und Reaktion
Die heutige luftige Kleidung ohne Korsagen und zahlreiche Unterröcke ist auch ein Resultat der damaligen Bemühungen. Ebenso die Reformpädagogik und die Einrichtung von Landschulheimen. Alkohol, Nikotin, Kaffee, aber auch Zucker gerieten hingegen in die Kritik. Wissenschaftler streiten heute darüber, ob die Reformbewegung modern oder gar „reaktionär“ war. Jedenfalls umfaßte sie ein breites politisches Spektrum, zu dem durchaus „völkisch“-nationale Vertreter gehörten.
Auch die Freikörperkultur wurde von Vertretern der Lebensreform-Bewegung begründet, darunter die Künstler Karl Wilhelm Diefenbach und Fidus sowie der Publizist Heinrich Pudor. Es ging den FKK-Anhängern um „strenge Leibeszucht“ und eine Abkehr von zivilisatorischen Degenerationserscheinungen. Heute würde man von Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper reden, der bei frischer Luft und Sonnenlicht gesunden sollte.
Halal-Fleisch statt Veggie-Burger
Zahlreiche dieser Errungenschaften der deutschen Lebensreform könnten nun im Zuge einer Islamisierung der Gesellschaft zumindest zurückgedrängt werden. Die Kritik an Alkohol oder die Schrebergärten wären davon wohl nicht betroffen. Sehr wohl aber könnten reformpädagogische Bemühungen im Gefolge des Zuzugs bildungsferner Schichten ihren gesamtgesellschaftlichen Anspruch einbüßen. Zwar wird es noch sehr lange dauern, bis luftig-leichte Kleidung für Frauen aus den Bekleidungsgeschäften verschwindet, aber ein gewisser Gegentrend ist mit der Zunahme von Ganzkörperverhüllung, Kopftüchern, Tschadors oder gar Burkas im Straßenbild wahrnehmbar.
Vegetarismus ist heute vor allem ein Thema für jüngere Kritiker der Massentierhaltung aus dem urbanen Bürgertum. Es ist zumindest möglich, daß auch das Wachstum dieser Tendenz durch die demographische Entwicklung gestoppt wird. Der Veggie-Burger wird dann gegenüber Halal-Fleisch, Döner Kebap und Köfte nur in der Randposition verharren, statt zum großen Siegeszug anzusetzen.
Ungezwungene Umgang der Geschlechter wird leiden
Vor allem aber dürfte der ungezwungene Umgang der Geschlechter unter der Islamisierung deutlich leiden. So war es eine Errungenschaft der mit der Lebensreform verbundenen Wandervogel-Bewegung, das Jungen und Mädchen ungezwungen miteinander ihre Freizeit verbringen und verreisen können. Gerade diese Gemeinsamkeit der Geschlechter wird aber von muslimischen Eltern häufig in Frage gestellt.
Noch gibt es Urteile, zum Beispiel zum gemeinsamen Schwimmunterricht, die einer Trennung der Geschlechter entgegen wirken, doch ist nicht sicher, wie lange eine solche Position bei möglicherweise wachsendem Druck aus der Elternschaft aufrecht erhalten wird.
Scheibchenweise Positionen aufgeben
Auch bei der Freikörperkultur könnte die Faktizität der gesellschaftlichen Verhältnisse zu deren langsamen Ende führen. Das müßte, ähnlich dem Schweinefleisch, gar nicht in der unbeliebten Vorgehensweise mittels Verboten geschehen, die das Außenbild der liberalen Gesellschaft beschädigen würden. Wenn es wiederholt zu Beschimpfungen und Bedrohungen von Badegästen kommt, werden diese womöglich schon aus der veränderten Sicherheitslage heraus in Zukunft eher darauf verzichten, einen FKK-Strand aufzusuchen.
Den Bade-Betreibern wäre es dann ein leichtes, zu argumentieren, daß das Angebot gar nicht mehr ausreichend wahrgenommen werde, so daß aus Rentabilitätsgründen der FKK-Bereich geschlossen werden müßte. Nicht nur Aufsichtspersonal ließe sich so einsparen, auch ein Konfliktherd könnte elegant aus der Welt geschafft werden. So werden scheibchenweise Positionen aufgegeben.

 
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 26.7.2016
Foto: Rita-Thielen / pixelio.de

Filmbesprechung “Mustang”: Ein packender Einblick in die Welt der Zwangsehen

061713-860x360Zwangsehe und sexuelle Selbstbestimmung der Frau sind immer wieder auftauchende Themen in der kritischen Auseinandersetzung mit islamischen Gesellschaften. Der Spielfilm „Mustang“ gewährt einen bewegenden Einblick in die sozialen Strukturen, innerhalb derer das Phänomen Zwangsehe gedeiht.
Der Übergang von der arrangierten Ehe zur Zwangsheirat ist nicht klar begrenzt. Auch aus dem christlich-abendländischen Kulturkreis sind historische Erfahrungen mit arrangierten Ehen bekannt, die bis zur Zwangsehe gehen konnten. Das Phänomen trat hier vor allem im Mittelalter und in adeligen Kreisen auf. Wirtschaftliche Überlegungen spielten aber auch in unteren Schichten in die Eheschließungen hinein.
Ganz anders sieht es im islamischen und im hinduistischen Kulturkreis aus, wo die Zwangsehe auch in der Gegenwart noch ein Massenphänomen darstellt. Diese gesellschaftlichen Traditionen der orientalischen Welt stehen heute in einem unüberbrückbaren Gegensatz zur romantischen Liebesheirat, die seit dem 19. Jahrhundert das Ideal der abendländischen Welt bildet.
Scharfe soziale Kontrolle
Der Film basiert offenbar auf eigenen Erfahrungen der türkisch-französischen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven. Zu Recht wurde er für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Die Schönheit der Landschaft und der jungen Mädchen bricht sich mit Dorftratsch, sozialer Kontrolle und den schroffen Erziehungsmethoden des Onkels.
Der zärtliche Umgang der gezeigten Geschwister untereinander steht im Gegensatz zu einer Erwachsenenwelt, der jede Wärme zu fehlen scheint. Alles ist soziale Funktion und Konvention, Liebe zum Einzelwesen spielt scheinbar kaum eine Rolle.
Fünf Schwestern wachsen nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Großmutter (Nihal Koldaş) und dem strengen Onkel Erol (Ayberk Pekcan) in einem entlegenen türkischen Dorf auf.
Im Haus eingesperrt
Als die Schulferien beginnen, albern und tanzen die Mädchen auf dem Heimweg ausgelassen im Wasser. Doch die unbeschwert wirkende Anfangsszene wird rasch durch die Nervosität der Großmutter unterbrochen. Nachbarn hätten sie angerufen, daß die Mädchen sich unziemlich verhalten hätten, Kontakt zu Jungen bestanden hätte. Auf diesen Skandal folgend wird die Freiheit der Mädchen immer mehr eingeschränkt.
Sie werden im Haus eingesperrt, und auf diverse Ausbrüche der freiheitsliebenden Teenager folgen immer stärkere Gegenmaßnahmen. Bald erinnert ihr Heim mit den vergitterten Fenstern an ein Gefängnis. Statt PC, Telefon und schulischer Bildung vermittelt die Großmutter ihre Kenntnisse in Hauswirtschaft, und schließlich wird im Dorf publik gemacht, daß die überraschten Mädchen zur Heirat bereit stünden.
Mütter bringen ihre heiratsfähigen Söhne zur Vorstellung, auf die dann die Eheschließungen im Eilverfahren folgen, derer sich die Mädchen scheinbar nicht entziehen können. Zentrale Bedeutung kommt dabei der Jungfräulichkeit zu. Dieser Zustand, der auf der biologischen Ebene dem Mann die Gewißheit gibt, der Vater von in der Hochzeitsnacht gezeugten Kindern zu sein, wurde unter religiösem Einfluß zum Fetisch überhöht.
Der heimliche Geliebte
Die aufgeregte Großmutter sorgt sich, daß die Mädchen später keinen Mann finden könnten, wenn sie vor der Hochzeit sexuellen Kontakt gehabt haben. Eines der Mädchen wird nach dem harmlosen Spiel mit Jungen im Wasser umgehend auf ihr Jungfernhäutchen untersucht. Sonay (Ilayda Akdogan), das älteste der Mädchen, schleicht sich anfangs, als dies noch möglich ist, öfters heimlich zu ihrem Geliebten Ekin.
Ihren Geschwistern verrät sie, mit ihm schon seit längerem Sex zu haben, allerdings nur Analverkehr, damit ihre Jungfräulichkeit gewahrt bleibt. Die bewaffnete Familie drängt eines der Brautpaare in der Hochzeitsnacht, das blutbefleckte Laken zu präsentieren. Da die Braut nicht geblutet hat, wird sie noch in der Nacht müde zum Arzt geschleppt, um den vermeintlichen „Betrug“ untersuchen zu lassen.
Rebellion und Sehnsucht
Die Regisseurin zeigt anhand der fünf Mädchen unterschiedliche Möglichkeiten der Entwicklung. Neben echter Liebe existiert das Fügen in die gesellschaftlichen Zwänge, neben Suizid gibt es die offene Rebellion. Sonay gelingt es, ihrem Willen entsprechend, ihren Freund Ekin zu heiraten, da sie der Großmutter mit einem Skandal droht, den diese zu verhindern bemüht ist.
Als größte Rebellin entpuppt sich Lale (Günes Sensoy), die Jüngste, ein Kind noch, das aber einen ausgefeilten Plan entwickelt, aus dem Gefängnis zu fliehen. Dabei soll ihr der freundliche Lastwagenfahrer Yasin helfen. Mit einer Intelligenz und Entschlossenheit, die ihren älteren Schwestern fehlt, formuliert sie das westlich geprägte Istanbul und ihre dort mittlerweile lebende Lieblingslehrerin als Sehnsuchtsort ihres Freiheitswillens.
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 1.3.2016
Filmausschnitt: Rebellion und Zwang, Foto: Ad Vitam

Rassismus in der „taz“

753215_web_r_k_b_by_rosemarie-doll_pixelio-deDer Chef vom Dienst der Berliner taz, Lalon Sander, ist normalerweise vorne dabei, wenn es um „antirassistische“ Sprachhygiene geht. „Worte wie ‘Neger’, ‘Zigeuner’ oder ‘Farbige’ sind schon seit Jahren als diskriminierend identifiziert“, schrieb der selbst erklärte „Weltbürger“ 2013. „Wer sensibel über schwarze Menschen sprechen will, muß nicht nur die Abwertung ablegen, sondern auch die Vereinheitlichung. Es reicht nicht, das ‘verbotene’ ‘Neger’ durch das erlaubte ‘Schwarze’ zu ersetzen: Wer das tut, bleibt im Raster der rassistischen Sprache.“ Denn schließlich, so Sander, basiere der Rassismus schon auf der „Konstruktion der ‘Anderen’“, also daß man überhaupt zwischen einer eigenen und einer fremden Gruppe unterscheidet.
Doch halt. Lalon Sander hat nun die „antirassistische“ Maske fallen gelassen und einen Kommentar mit dem Titel „Die Bürde des Reichtums“ veröffentlicht, der vor rassistischen und „sexistischen“ Stereotypen nur so strotzt. „Weiße Männer sind stolz darauf, reicher zu sein als zum Beispiel ‘Wirtschaftsflüchtlinge’. Dabei haben sie ihren Wohlstand über Jahre zusammengeklaut“, schreibt er. Weiße Männer werden von Sander aber nicht nur als Diebe dargestellt, sondern durchweg mit abwertenden Begriffen belegt: Donald Trump wird von ihm als „der prototypische dumme weiße Mann“ vorgestellt. Weiterhin werden weiße Männer als „bösartig“ klassifiziert und unter dem Begriff „Otto-Normalkartoffel“ zusammengefasst.
Mehrheit der Weißen war nie am Kolonialismus beteiligt
Man ersetze mal das Wort „weiß“ durch „schwarz“ oder „Kartoffel“ durch „Nigger“, und der rassistische Tenor von Sanders Artikel müsste eigentlich selbst dem Gutgläubigsten auffallen. Nun ist kritischen konservativen Kreisen seit langem bekannt, daß „Antirassismus“ nur ein Codewort für Rassismus gegen Weiße ist. Sprachsensibilität und Fürsorge gilt nämlich stets nur außereuropäischen „Opfern“, nicht aber beispielsweise weißen Mädchen, wenn sie von Nordafrikanern sexuell bedrängt werden, wie Jakob Augstein unlängst exemplarisch bewies.
Das ideologische Konstrukt, auf dem Sanders aktuelle Haß-Attacke beruht, ist ein altes. Es beruht auf den Theorien Frantz Fanons. Statt der alten Arbeiterklasse erkor dieser die „Unterdrückten“ aus der „dritten Welt“ zum neuen revolutionären Subjekt. Dieses im Prinzip neokommunistische Projekt basiert auf der heute auch von dem Schweizer Soziologen Jean Ziegler verbreiteten Meinung, daß die globale soziale Ungleichheit in der kolonialen Aggression der europäischen Völker, des „weißen Mannes“, ihre Ursachen habe.
Die antirassistische Ideologie übersieht gerne, daß nie die Mehrheit der Weißen am Kolonialismus beteiligt war. Von den kolonialen Profiten einiger Weißer wird aber auf die weiße Welt in toto geschlossen. Das Argument, daß dies vor allem ein Thema Spaniens, Portugals, Frankreichs und Englands war, versucht Lalon Sander noch zu umschiffen. Auch wenn die kolonialen Bestrebungen der Deutschen bescheiden waren, hätten doch einzelne Deutsche am angelsächsischen Kolonialismus mitgeholfen. Zu ebenfalls von Weißen bevölkerten Ländern wie der Schweiz, Norwegen, Polen oder Rumänien, die nie koloniale Ambitionen zeigten, fällt aber selbst ihm dann nichts mehr ein.
Der Kolonialismus ist lange passé
Außerdem wird übersehen, daß der Kolonialismus nun seit über einem halben Jahrhundert passé ist. Die befreiten Völker hatten viel Zeit, ihre Länder und ökonomischen Ordnungen selbst zu verändern. Einige asiatische Staaten nutzten die neuen Möglichkeiten durchaus, während andere Länder in Lethargie verweilen, beispielsweise Haiti, trotz Unabhängigkeit seit mehr als 200 Jahren. Die Verantwortung für die soziale Lage in Afrika, Asien und Südamerika wird von den „Antirassisten“ aber nie bei den dortigen Völkern gesehen. Nicht korrupte einheimische Regierungen, unfähige Bürokraten, spezifische Mentalitäten, Desinteresse an Geburtenkontrolle sind schuld an der Misere dieser Länder, sondern – natürlich – bis heute „der weiße Mann“.
Die Ausbeutung von Arbeitskraft und Bodenschätzen durch internationale Konzerne, mit allen negativen Begleiterscheinungen, zum Beispiel Landgrabbing oder Müll-Tourismus, gehört zu den großen Problemen der Gegenwart. Unter den Superreichen der dafür verantwortlichen globalen Wirtschaftselite finden sich aber keinesfalls nur weiße Europäer, sondern auch Mexikaner wie Carlos Slim Helú, Araber wie Prinz al-Walid ibn Talal Al Saud, Asiaten wie Li Ka-shing, Inder wie Lakshmi Niwas Mittal und Afrikaner wie Patrice Motsepe. Auch Frauen zählen zum Kreis der Multi-Milliardäre, wie Christy Walton oder Shari Arison. Das widerlegt auch die „sexistische“ Komponente in Lalon Sanders Klage gegen „weiße Männer“.
Klassenkämpferisches Haß-Szenario
Daß die übergroße Mehrheit der weißen Männer aber weder Multimilliardäre sind, noch in die koloniale Vergangenheit verstrickt, interessiert Sander offenbar nicht. Daß die übergroße Mehrheit täglich ihre Arbeit in Büros oder Fabriken verrichtet, damit die Familie versorgt, die steigende Miete bezahlt und die ins Defizit rutschende Krankenkasse befriedigt sind, kommt in diesem Szenario des globalen Ausbeuters nicht vor. Alle Weißen (warum aber nur die Männer?) sind für ihn Profiteure eines als ungerecht empfundenen globalen Wirtschaftssystems.
Und aus diesem Grund wird von diesen linken Publizisten auch die Einwanderung des Geburtenüberschusses Afrikas und Asiens nach Europa befürwortet. Die „Refugees“ sollen die Verhältnisse revolutionär verändern, sollen Rache am „bösartigen weißen Mann“ nehmen und ihn deklassieren. Was in Wirtschaftskreisen Profitdenken, in Kirchen- und Helferkreisen die altruistische rosa Brille ist, ist bei der Linken ein ausgeprägtes klassenkämpferisches Haß-Szenario. Dieses kann seine rassistischen Antriebe kaum verhehlen.
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 22.2.2016
Foto: Rosemarie Doll, pixelio.de

Die Stunde der Verharmloser

744377_web_r_by_fotohiero_pixelio-deWenn nun die großen Medien nicht mehr anders konnten, als die Belästigungen zahlreicher Frauen an Silvester zu thematisieren, sollte man sich nicht täuschen lassen. Auch die Manöver von SPD und „Linken“, die sich nun durch etwas scheinheilige Distanz zur Merkel-CDU angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen als Stimme der Vernunft darzustellen versuchen, sind taktischer Natur.
Die Relativierer und die Ideologen der Einwanderungsgesellschaft halten sich zwar kurzfristig etwas zurück, verstummt sind sie aber nicht. Nicht nur Jakob Augstein spielte das Kölner Geschehen herunter, daß er unter anderen ethnischen Bedingungen (man stelle sich vor, Deutsche hätten „Flüchtlingsfrauen“ belästigt) garantiert als Zeichen des „strukturellen Rassismus“ gebrandmarkt hätte. Die „grüne“ Vizepräsidentin des Bundestages, Claudia Roth, erklärte umgehend, „daß es auch im Karneval oder auf dem Oktoberfest immer wieder sexualisierte Gewalt gegen Frauen“ gegeben habe. „Hetzer“ im Internet seien „Brüder im Geiste der Kölner Gewalttäter“.
Oktoberfest vs. Köln
Roth stellte also das Oktoberfest mit sechs Millionen Besuchern, auf dem es selbstverständlich gelegentlich auch zu sexuellen Belästigungen einzelner Betrunkener kommt, mit den Ereignissen um die Kölner Domplatte auf eine Stufe. Prozentrechnen scheint ihre Stärke nicht. Linke Blogger gingen noch einen Schritt weiter und deuteten zynisch an, daß sich die Täter von Köln doch bereits „ganz gut in unsere Kultur und unseren Umgang mit Frauen integriert“ hätten. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) wiederum verlautbarte, daß Äußerungen in rechtsgerichteten Chats „mindestens genauso widerlich“ wie die Taten derjenigen seien, die die Frauen angegangen haben.
Nun könnte man Jäger immerhin noch soweit zustimmen, daß durch manche pauschale Verurteilung von Asylsuchenden das gesellschaftliche Klima wirklich vergiftet werden könnte. Bloß, genau diese Pauschalisierung findet auf der anderen politischen Seite ständig statt. Als Anfang 2015 ein Asylbewerber in Dresden erstochen wurde, stellte die Presse umgehend einen Bezug zur Pegida-Bewegung her. Es kam dort kurz darauf zu einer linken Großdemonstration mit „Antifa“- und Anarchistenfahnen, auf der der Slogan „Kein Platz für Rassismus“ zu lesen war.
Später stellte sich heraus, daß ein Landsmann des Toten im Streit um die Haushaltsführung die Tat begangen hatte. Und auch nach den unlängst erfolgten Schüssen auf ein Asylbewerberheim im hessischen Dreieich ist bislang weder ein Motiv, noch ein Tatverdächtiger ermittelt, noch ein Prozeß beendet worden. Doch wieder demonstrierten vor allem linke Gruppen umgehend „gegen Rassismus“ und „Nazis“, forderten „Bunt statt braun“ und zogen mit den Fahnen diverser linksradikaler Organisationen durch den Ort.
Scheuklappen, Relativierung und seelische Kälte gegenüber deutschen Opfern
Kein sozialdemokratischer Innenminister hat sich bislang daran gestört, daß hier eine „widerliche Vorverurteilung“ stattfinden könnte. Doch es ist vorhersehbar, daß sich die Ideologen der Einwanderung beim Scheitern ihres Experiments die Sündenböcke stets bei ihren Kritikern suchen werden. Schon im Stalinismus war der „Saboteur“ für das Nichterreichen der politischen Ziele verantwortlich.
In ihrer Argumentation verleugnen die relativierenden Ideologen stets kulturelle Unterschiede. Nur die sozialen Ursachen von Kriminalität zu sehen sind sie bereit. Wird also ein Raub begangen, hat dies mit „Armut“ zu tun. Ausgeblendet wird, warum manche Personengruppen auf Armut im hohem Maße mit Kriminalität reagieren, andere nicht. Wird eine Sexualtat begangen, hat dies etwas mit „den Männern“ zu tun. Kulturelle Unterschiede zwischen Männergruppen werden nicht thematisiert. Auf die Alltagsdiskussion heruntergebrochen sind das die Leute, die einem im Straßengespräch auf jede Erwähnung einer ausländischen Täterherkunft stets ein naseweises „Das hätte genauso ein Deutscher sein können“ entgegenhalten.
Scheuklappen, Relativierung und seelische Kälte gegenüber den einheimischen „Kollateralschäden“ haben tiefliegende Ursachen. Sie sind auch Folgen der undifferenzierten NS-„Vergangenheitsbewältigung“. Bereits in den achtziger Jahren wurde in Juso-Publikationen die NS-Zeit auf die moderne Ausländer- bzw. Einwanderungsfrage übertragen. Udo Lindenberg sang: „Nein, sie brauchen keinen Führer (…) diese neuen Nazi-Schweine (…) ja, früher waren’s die Juden und heute sind die Türken dran“.
Moralisch bankrotte Gedenkpolitik
Der sich gegen Einwanderung und seine Verdrängung wehrende Deutsche wurde zunehmend zum menschenfeindlichen „Nazi“ stilisiert. „Der Türke“ wurde zum „neuen Juden“, dem man nun endlich mittels Aktionen „gegen rechts“ die nötige Hilfe zukommen lassen müsse. Diese auf einem negativen Bild des Deutschen beruhenden Projektionen konnten in jüngerer Zeit problemlos von den langweilig gewordenen Türken auf nun einwandernde arabische und afrikanische „Refugees“ übertragen werden. Dem kam der Terminus „Flüchtlinge“ zusätzlich entgegen, erinnert er doch vage an die Exilanten der NS-Zeit.
Der besonderen Anteilnahme gegenüber dem Fremden steht auf der anderen Seite das weitgehende Fehlen von Empathie für die Belange des eigenen Volkes gegenüber. Das zeigte sich im gesellschaftlichen Umgang mit deutschen Opfern des Zweiten Weltkriegs, wie er spätestens seit der Achtundsechziger-Zeit üblich wurde. Verschämt versteckt oder beschmiert zeigen sich viele Gedenkstätten für deutsche Opfer der Vergangenheit. Spärlich sind Romane, Filme, bildende Kunstwerke, die Flucht und Vertreibung, Bombenkrieg oder Vergewaltigungen deutscher Frauen nach Kriegsende thematisieren. Wenn sie produziert werden, dann oft nur mit dem Verweis auf die „deutsche Schuld“, also daß deutsche Opfer nur ernteten, was sie selbst verschuldet hätten.
Diese seelische Kälte ist ein fester Bestandteil des linksintellektuellen Establishments der Bundesrepublik. Nicht mit der Wimper zucken sie angesichts der einstigen Opfer ihres Volkes, und folgerichtig tun sie es auch nicht bei dessen heutigen.
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Zuerst veröffentlicht bei Junge Freiheit am 18.1.2016
(Der Artikel wurde bei der JF weitgehend ohne die Links veröffentlicht. Auf dieser Seite sind die Links eingearbeitet worden.)
Foto: FotoHiero  / pixelio.de