Antifaschistische Nachrichten

Zu Kritik und Desinformation
– einige Antworten auf zwielichtige Internetmeldungen

„Antifaschistische Nachrichten“? Was ist denn das?
Jean Cremet? Wer ist denn das?

Ein Anfang mit leichterer Kost. Auf der Internet-Seite der „Antifaschistischen Nachrichten“ werden in zwei alten Artikeln von 1997 und 1998 in je zwei Halbsätzen Vorträge erwähnt, die ich einmal gehalten habe. Die Artikel heißen „Erbarmen, die Deutschen kommen…“ und „Sababurg zum Zweiten“. Auf den Inhalt meiner Vorträge wird nicht eingegangen, statt dessen findet man nur etwas hämische, allerdings in der Wortwahl maßvolle, Polemik.
Autor ist ein gewisser Jean Cremet, der vor einigen Jahren viel für Publikationen der radikalen Linken als Autor aktiv war.
Was sind die „Antifaschistischen Nachrichten“? Wer ist Cremet?

Nachfolgend ein Auszug aus dem Buch „Das `antifaschistische Milieu´“, Sonderausgabe, S. 137f.
(Fußnoten sind beim Verlag als E-Mail über stocker-verlag@stocker-verlag.com erhältlich):

„Antifaschistische Nachrichten“

Ein Beispiel für eine typische „radikal-antifaschistische“ Zeitschrift stellen die vierzehntägig erscheinenden „Antifaschistischen Nachrichten“ dar. Die erste Ausgabe erschien 1984. Die organisatorische Grundlage der Zeitschrift reicht allerdings in das K-Gruppen-Spektrum des Jahres 1980 zurück. Damals entstand durch Abspaltung vom „Kommunistischen Bund Westdeutschland“ (KBW) der „Bund Westdeutscher Kommunisten“ (BWK), welcher die Nähe zur DKP suchte. Als Vorfeldorganisation für die Bündnispolitik bediente sich der BWK bald der 1980 von der KPD/ML gegründeten „Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg“, die Mitte der 1990er Jahre etwa 200 Mitglieder umfaßte.
Den Schwerpunkt der politischen Arbeit des BWK bildet die Publizistik. So werden neben dem BWK-Zentralorgan „Politische Berichte“, acht „Nachrichten“-Blätter zu fachspezifischen Fragen, etwa 30 örtliche Publikationen, sowie die angesprochenen „Antifaschistischen Nachrichten“ verlegt. Der BWK propagiert die „proletarische Parteibildung“ auf dem Weg einer „Volksfront- und Einheitsfrontpolitik“. Die Zusammenarbeit mit anderen „antifaschistischen“, „antimilitaristischen“ und „antiimperialistischen“ Organisationen wird dabei gesucht. Als Träger seines ausgebauten Datenfernübertragungssystems dient die „Gesellschaft für Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung, Verlagsgesellschaft Politische Berichte mbH“. Im damit verbundenen GNN-Verlag werden auch die „Antifaschistischen Nachrichten“ vertrieben. Der Bundes-Verfassungsschutzbericht 1987 schrieb zum „antifaschistischen“ Selbstverständnis dieses Umfeldes: „Der BWK, die VOLKSFRONT und in Norddeutschland auch autonome Gruppen agitierten wieder gegen behauptete neofaschistische Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland: Faschismus sei integraler Bestandteil des Kapitalismus; antifaschistischer Kampf müsse daher antikapitalistisch sein und sich gegen den Staat richten.“
Die 1994 in einer Auflage von 900 Exemplaren erscheinenden „Antifaschistischen Nachrichten“ stellen in diesem Umfeld ein Sammlungsorgan dar. Sie verstehen sich neben dem sozialdemokratischen „blick nach rechts“ als einzige überregionale antifaschistische Publikation, die durch regelmäßiges Erscheinen in kurzen Abständen, Termine veröffentlichen und ins aktuelle Tagesgeschehen eingreifen kann.
Der Herausgeberkreis der Zeitschrift reicht von der „Anarchistischen Gruppe Rätekommunisten“ über verschiedene hohe VVN-BdA-Funktionäre, wie Volkmar Woelk, PDS-Politiker, wie Ulla Jelpke, bis hin zu Gewerkschaftsfunktionären.
Autoren verschiedener Herkunft und unterschiedliche „antifaschistische“ Gruppen drucken in der Zeitschrift ihre Verlautbarungen unter Vollnamen oder Buchstaben-Kürzel ab.

Die in sehr sachlicher Aufmachung erscheinende, ohne hervorstechendes Layout und kaum mit Graphiken oder Fotos ausgestattete Zeitschrift besitzt durchschnittlich zwischen 16 und 20 Seiten. Nach einem Stoß zentraler Leitartikel auf den ersten Seiten folgt in der Regel die Sparte „Faschistische Aktionen und Gegenaktionen“, welche von miß- oder geglückten „antifaschistischen“ Kämpfen handelt. Den hinteren Teil der Zeitschrift nimmt die ausführliche Sparte „Ausländer- und Asylpolitik“ ein, in der die angeblich unmenschliche Asylpraxis der Bundesrepublik angeprangert und ausgesprochen oft von Aktionen diverser linksgerichteter Kurdenorganisationen berichtet wird. In der darauf folgenden Sparte „Faschismus und Staatsapparat“ werden die Verstrickung des gegenwärtigen Staatssystems in die NS-Vergangenheit, sein angeblich expandierender außenpolitischer und innenpolitisch repressiver Charakter angeklagt. Auf der letzten Seite findet man ab Januar 1990 monatlich (ab Januar 1993 regelmäßig) noch eine Presseschau unter dem Titel „Aus der faschistischen Presse“, in der aus einer kleineren Anzahl rechtsorientierter bzw. konservativer Zeitschriften kommentierend zitiert wird.

In immer neuen Variationen bieten die „Antifaschistischen Nachrichten“ ein von starken emotionalen Äußerungen durchdrungene Themenpalette:
– Kommunistisch ausgerichtete Leitartikel mit Stellungnahmen zum aktuellen politischen Geschehen und ablehnenden Bemerkungen gegenüber rechtsgerichteten Positionen
– Kommentare zur Verteidigung des „antifaschistischen“ Geschichtsbildes
– Anprangerungsartikel gegen rechtsgerichtete Personen und Gruppierungen, denen immer wieder Gewalttätigkeit und „Hetze“ vorgeworfen wird. Diese Anprangerungsartikel gehen in der Regel einher mit der Forderung nach politischer Repression gegen rechtsgerichtete Positionen
– Berichte von miß- oder geglückten „antifaschistischen“ Aktionen und von Bündnisveranstaltungen mit anderen linksgerichteten Gruppierungen
– Journalistische Anklagen gegen die angeblich unmenschliche Asyl- und Ausländerpolitik der Bundesrepublik
– Journalistische Anklagen gegen die angebliche personelle und ideologische Verbindung zwischen „Faschismus“ und bundesdeutschem Staatsapparat in Geschichte und Gegenwart
– Presseschau mit kommentierten aktuellen Zitaten aus ausgesuchten rechtsorientierten bzw. konservativen Zeitschriften

Die „Antifaschistischen Nachrichten“ sind ein „radikal-antifaschistisches“ Organ, dessen Zweck die Verbreitung von immer gleichen schwarz-weiß-Stereotypen (gute „Antifaschisten“ gegen böse „Faschisten“) und die beständige Forderung nach Unterdrückung rechtsgerichteter Positionen ausmacht.

Jean Cremet ist als Publizist in verschiedenen Organen der radikalen Linken in Erscheinung getreten. In der Arbeit „Das `antifaschistische Milieu´“ wurde darauf hingewiesen, daß nach Aussagen mehrerer Personen, die Cremet getroffen hatten, der Name „Jean Cremet“ nur ein Pseudonym für Volkmar Woelk ist.
Volkmar Woelk ist als Aktivist der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten“ (VVN-BdA) in Erscheinung getreten. Unter anderem war er im „Bundessprecherkreis“ dieser kommunistischen Vorfeldorganisation tätig.