Ein Techno-Museum für Frankfurt

Das MOMEM erinnert an städtische Kulturgeschichte
Momem2, DSCF9398
Frankfurt bekommt ein Museum der Techno-Bewegung. Das Projekt könnte nicht nur aus Gründen der Steigerung der touristischen Attraktivität für Frankfurt von Bedeutung sein. Hinzu kommen Aspekte der Identität Frankfurts sowie der ästhetischen Gestaltung des öffentlichen Raums.

In der Stadtverordneten-Sitzung vom 21.9.2017 fragte der BFF-Stadtverordnete Mathias Mund nach den Gründen für die nur schleppende Realisierung des Projekts:

„Seit Längerem gibt es Bestrebungen des Vereins `Friends of Momem´, das Treppen-`Loch´ zur Hauptwachen-B-Ebene gestalterisch aufzuwerten. Nach dem Auszug des Kindermuseums soll dort ein `Museum of Modern Electronic Music´ entstehen. Dieses sollte 2018 eröffnen, doch die `Hessenschau´ berichtete Ende 2016, dass Planungsdezernent Mike Josef zunächst eine Machbarkeitsstudie über verschiedene Gestaltungsvarianten des Areals in Auftrag geben und einen städtebaulichen Wettbewerb initiieren wollte.

Ich frage den Magistrat: Wie ist der Stand besagter Machbarkeitsstudie sowie des städtebaulichen Wettbewerbs, und wann ist mit dem Einzug des `Museum of Modern Electronic Music´ inklusive Neugestaltung des Vorplatzes zu rechnen?“

Stadtrat Mike Josef antwortete damals, dass es erst zu Prüfungen hinsichtlich Statik, Belüftung und Brandschutz kommen müsse. Diese ständen im Zusammenhang mit längerfristigen Planungen zur Umgestaltung des U-Bahn-Lochs an der Hauptwache. Eventuell ist es zukünftig nämlich geplant, das Loch des U-Bahn-Abgangs zu schließen. Nun wurde bekannt, dass das Techno Museum MOMEM die Räume des ehemaligen Kindermuseums für fünf Jahre mieten kann. Auch die BFF-Fraktion begrüßt die nun endlich gefallene Entscheidung und hat dieser im Stadtparlament zugestimmt.

Um das Museum zu verstehen, muss man die Hintergründe kennen. Frankfurt gehörte nämlich Ende der 1980er Jahre zu den Ursprungsorten der Techno-Kultur. Und es ist richtig, dass auf diesen Teil der Stadtgeschichte angemessen hingewiesen wird. Neben Berlin wurde es damals gar als Techno-Hauptstadt angesehen. 1984 gründete der gebürtige Frankfurter Andreas Tomalla alias Talla 2XLC den berühmten „Technoclub“. Die Partyreihe gastierte erst in der Diskothek „No Name“, dann im „Roxanne“, schließlich in Sven Väths „Omen“ und im „Dorian Grey“ am Flughafen.

Im „Omen“ in der Junghofstraße führte der junge DJ Sven Väth erste Acid-House-Abende ein. Weitere wichtige Meilensteine der regionalen Geschichte der elektronischen Musik waren das „XS“ (später „Box“) im Keller der städtischen Bühnen, das 1997 gegründete „Space Place“ (heute „Tanzhaus West“) im Gutleutviertel und der „Cocoon-Club“ (heute „Moon“) in der Carl-Benz-Straße, bei dessen Innengestaltung sich Betreiber Sven Väth auch ästhetisch verwirklichte.

Neben Talla 2XLC und Sven Väth zählen auch der Mörfelder DJ Dag sowie der 2006 verstorbene Frankfurter Produzent Markus Löffel alias Mark Spoon zu den aus der Region stammenden Größen der Bewegung, die in den 90er Jahren Millionen zur „Love-Parade“ auf die Straßen brachte. Zu den bekannten Labels der Region gehört das Offenbacher Unternehmen „Elektrolux“ von Alex Azary, der nun als Direktor des MOMEM fungieren wird.

Dieser Exkurs war wichtig, um zu verdeutlichen, dass die Techno-Kultur einen ihrer Ursprünge in Frankfurt hat, was wiederum dem nun entstehenden Museum eine besondere städtische Bedeutung zukommen lässt. Da sich die Techno-Bewegung international verbreitet hat, dürfte das Museum auch ein zusätzlicher Anlaufpunkt für Touristen sein.

Hinzu kommt der stadtästhetische Wert. Der Abgang zur B-Ebene der Hauptwache präsentierte sich spätestens seit dem Auszug des Kindermuseums lieblos, wenn nicht verwahrlost. Zwischenzeitlich war dort ein „Wintercafé“ eingerichtet worden, in dem Obdachlose von 6 bis 10 Uhr frühstücken konnten. So sozial das Anliegen war, es hatte an dieser Stelle aber auch eine anziehende Wirkung auf die betroffene Bevölkerungsgruppe, was nicht immer einem einladenden Eindruck des kleinen Platzes zu Gute kam. Heute stehen dort noch lieblos platzierte Imbissbuden herum.

Das soll sich nach der Eröffnung des MOMEM ändern. So ist geplant, den U-Bahn-Abgang als Vorplatz des Museums ästhetisch deutlich aufzuwerten und ihm endlich Aufenthaltsqualität zukommen zu lassen.

Nun hat der Stadtverordnete Bernhard E. Ochs von der Fraktion der „Frankfurter“ am 31.5.2018 eine Anfrage mit einigen kritischen Bemerkungen eingereicht. Ochs stört sich daran, dass das Museum „für lau“ betrieben werden kann. Er fragt, ob das MOMEM, das ja die Räume von der Stadt mietfrei überlassen bekommt, seine monatlichen Nebenkosten in Höhe von 3000 Euro selbst zahlt.
Davon aber sollte ausgegangen werden. Zudem ist das MOMEM laut Beschluss der Stadtverordnetenversammlung verpflichtet, alle notwendigen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten selbst auszuführen. Von drei Millionen Euro war in der Presse die Rede. Dass der finanzielle Rücklauf für die Stadt nur indirekt geschieht, also durch Steuereinnahmen von Besuchern, die auch in Frankfurt anderweitig konsumieren, sollte nicht verschrecken. Man muss bei der Frage nach dem Profit für die Stadt bedenken, dass das MOMEM ein privates Museum ist, somit zumindest keine Kosten für die Stadt verursacht. 16 Museen werden hingegen in städtischer Regie geführt und fahren dabei teils erhebliche Defizite ein.

Hohe Millionenbeträge kosten also die städtischen Museen den Frankfurter Haushalt. Allein der Neubau des Historischen Museums hat die Stadt über 50 Millionen Euro gekostet. Ebenfalls 50 Millionen Euro hat die Stadt für den Umbau des Jüdischen Museums bereitgestellt. Die Stadt beteiligt sich auch an den Kosten von 16 Millionen Euro, die derzeit für das Romantik-Museum neben dem Goethe-Haus verbaut werden. Die Neugestaltung des Kindermuseums schlug mit eher bescheidenen 350.000 Euro zu Buche. Angesichts solcher Summen fällt die in der Frage implizierte Kritik an fehlenden Mieteinnahmen durch das MOMEM fast unter den Bereich der Lappalie. Zumal ein finanzieller Rücklauf, zumindest indirekt, durch den zu erwartenden Zuspruch internationaler Besuchergruppen erfolgen dürfte.

Eine gravierende Frage von Ochs verdient es, separat beantwortet zu werden. Er fragt: „Ist dem Magistrat bekannt, dass die von ihm in der M 87 angeführten Clubs auch Stätten des Drogenhandels waren und das Omen diesbezüglich zeitweilig von der Staatsanwaltschaft geschlossen wurde? (…) Wenn ja, warum wird dies dann als positives Beispiel angeführt?“

Nun dürfte dem Magistrat dieser Umstand sicherlich bekannt sein. Es ist richtig, dass in der Techno-Szene in nicht unbeträchtlichem Ausmaß synthetische Drogen konsumiert wurden und werden, von allem „Ecstasy“-Pillen. Dieser Konsum hat auch seine Opfer gefordert. So ist nicht auszuschließen, dass zum Beispiel Mark Spoons früher Tod seine Ursache auch im einstigen Konsum von Drogen und Alkohol haben könnte. Gleichwohl gilt die Drogenproblematik natürlich auch für andere Jugendkulturen und Musikszenen. In Gronau existiert ein „Rock´n´Popmusem“, immerhin gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Zur Geschichte der Rockmusik gehören jedoch auch die negativen Begleiterscheinungen Alkohol und Heroin. Man denke an Janis Joplin oder Jim Morrison. In Halle und Siegen existieren Museen für die „Beatles“. Ob dort auch thematisiert wird, dass John Lennon Kontakt zu LSD hatte, müsste überprüft werden.

Selbstverständlich ist der Konsum synthetischer Drogen die Schattenseite der Techno-Kultur. Es ist aber zu hoffen bzw. zu erwarten, dass das neue Museum, diesen Konsum nicht verherrlicht, sondern thematisiert und auch problematisiert, wenn es ein umfassendes Bild der Techno-Kultur vermitteln möchte. Hier gilt es der geistigen Reife der Betreiber das entsprechende Vertrauen entgegen zu bringen. Gleichwohl sollte man eine ästhetische und musikalische Kultur nicht auf ihre Schattenseiten reduzieren.

 

 

Zuerst veröffentlicht bei bff-frankfurt.de am 14.8.2018