Rassismus in der „taz“

753215_web_r_k_b_by_rosemarie-doll_pixelio-deDer Chef vom Dienst der Berliner taz, Lalon Sander, ist normalerweise vorne dabei, wenn es um „antirassistische“ Sprachhygiene geht. „Worte wie ‘Neger’, ‘Zigeuner’ oder ‘Farbige’ sind schon seit Jahren als diskriminierend identifiziert“, schrieb der selbst erklärte „Weltbürger“ 2013. „Wer sensibel über schwarze Menschen sprechen will, muß nicht nur die Abwertung ablegen, sondern auch die Vereinheitlichung. Es reicht nicht, das ‘verbotene’ ‘Neger’ durch das erlaubte ‘Schwarze’ zu ersetzen: Wer das tut, bleibt im Raster der rassistischen Sprache.“ Denn schließlich, so Sander, basiere der Rassismus schon auf der „Konstruktion der ‘Anderen’“, also daß man überhaupt zwischen einer eigenen und einer fremden Gruppe unterscheidet.
Doch halt. Lalon Sander hat nun die „antirassistische“ Maske fallen gelassen und einen Kommentar mit dem Titel „Die Bürde des Reichtums“ veröffentlicht, der vor rassistischen und „sexistischen“ Stereotypen nur so strotzt. „Weiße Männer sind stolz darauf, reicher zu sein als zum Beispiel ‘Wirtschaftsflüchtlinge’. Dabei haben sie ihren Wohlstand über Jahre zusammengeklaut“, schreibt er. Weiße Männer werden von Sander aber nicht nur als Diebe dargestellt, sondern durchweg mit abwertenden Begriffen belegt: Donald Trump wird von ihm als „der prototypische dumme weiße Mann“ vorgestellt. Weiterhin werden weiße Männer als „bösartig“ klassifiziert und unter dem Begriff „Otto-Normalkartoffel“ zusammengefasst.
Mehrheit der Weißen war nie am Kolonialismus beteiligt
Man ersetze mal das Wort „weiß“ durch „schwarz“ oder „Kartoffel“ durch „Nigger“, und der rassistische Tenor von Sanders Artikel müsste eigentlich selbst dem Gutgläubigsten auffallen. Nun ist kritischen konservativen Kreisen seit langem bekannt, daß „Antirassismus“ nur ein Codewort für Rassismus gegen Weiße ist. Sprachsensibilität und Fürsorge gilt nämlich stets nur außereuropäischen „Opfern“, nicht aber beispielsweise weißen Mädchen, wenn sie von Nordafrikanern sexuell bedrängt werden, wie Jakob Augstein unlängst exemplarisch bewies.
Das ideologische Konstrukt, auf dem Sanders aktuelle Haß-Attacke beruht, ist ein altes. Es beruht auf den Theorien Frantz Fanons. Statt der alten Arbeiterklasse erkor dieser die „Unterdrückten“ aus der „dritten Welt“ zum neuen revolutionären Subjekt. Dieses im Prinzip neokommunistische Projekt basiert auf der heute auch von dem Schweizer Soziologen Jean Ziegler verbreiteten Meinung, daß die globale soziale Ungleichheit in der kolonialen Aggression der europäischen Völker, des „weißen Mannes“, ihre Ursachen habe.
Die antirassistische Ideologie übersieht gerne, daß nie die Mehrheit der Weißen am Kolonialismus beteiligt war. Von den kolonialen Profiten einiger Weißer wird aber auf die weiße Welt in toto geschlossen. Das Argument, daß dies vor allem ein Thema Spaniens, Portugals, Frankreichs und Englands war, versucht Lalon Sander noch zu umschiffen. Auch wenn die kolonialen Bestrebungen der Deutschen bescheiden waren, hätten doch einzelne Deutsche am angelsächsischen Kolonialismus mitgeholfen. Zu ebenfalls von Weißen bevölkerten Ländern wie der Schweiz, Norwegen, Polen oder Rumänien, die nie koloniale Ambitionen zeigten, fällt aber selbst ihm dann nichts mehr ein.
Der Kolonialismus ist lange passé
Außerdem wird übersehen, daß der Kolonialismus nun seit über einem halben Jahrhundert passé ist. Die befreiten Völker hatten viel Zeit, ihre Länder und ökonomischen Ordnungen selbst zu verändern. Einige asiatische Staaten nutzten die neuen Möglichkeiten durchaus, während andere Länder in Lethargie verweilen, beispielsweise Haiti, trotz Unabhängigkeit seit mehr als 200 Jahren. Die Verantwortung für die soziale Lage in Afrika, Asien und Südamerika wird von den „Antirassisten“ aber nie bei den dortigen Völkern gesehen. Nicht korrupte einheimische Regierungen, unfähige Bürokraten, spezifische Mentalitäten, Desinteresse an Geburtenkontrolle sind schuld an der Misere dieser Länder, sondern – natürlich – bis heute „der weiße Mann“.
Die Ausbeutung von Arbeitskraft und Bodenschätzen durch internationale Konzerne, mit allen negativen Begleiterscheinungen, zum Beispiel Landgrabbing oder Müll-Tourismus, gehört zu den großen Problemen der Gegenwart. Unter den Superreichen der dafür verantwortlichen globalen Wirtschaftselite finden sich aber keinesfalls nur weiße Europäer, sondern auch Mexikaner wie Carlos Slim Helú, Araber wie Prinz al-Walid ibn Talal Al Saud, Asiaten wie Li Ka-shing, Inder wie Lakshmi Niwas Mittal und Afrikaner wie Patrice Motsepe. Auch Frauen zählen zum Kreis der Multi-Milliardäre, wie Christy Walton oder Shari Arison. Das widerlegt auch die „sexistische“ Komponente in Lalon Sanders Klage gegen „weiße Männer“.
Klassenkämpferisches Haß-Szenario
Daß die übergroße Mehrheit der weißen Männer aber weder Multimilliardäre sind, noch in die koloniale Vergangenheit verstrickt, interessiert Sander offenbar nicht. Daß die übergroße Mehrheit täglich ihre Arbeit in Büros oder Fabriken verrichtet, damit die Familie versorgt, die steigende Miete bezahlt und die ins Defizit rutschende Krankenkasse befriedigt sind, kommt in diesem Szenario des globalen Ausbeuters nicht vor. Alle Weißen (warum aber nur die Männer?) sind für ihn Profiteure eines als ungerecht empfundenen globalen Wirtschaftssystems.
Und aus diesem Grund wird von diesen linken Publizisten auch die Einwanderung des Geburtenüberschusses Afrikas und Asiens nach Europa befürwortet. Die „Refugees“ sollen die Verhältnisse revolutionär verändern, sollen Rache am „bösartigen weißen Mann“ nehmen und ihn deklassieren. Was in Wirtschaftskreisen Profitdenken, in Kirchen- und Helferkreisen die altruistische rosa Brille ist, ist bei der Linken ein ausgeprägtes klassenkämpferisches Haß-Szenario. Dieses kann seine rassistischen Antriebe kaum verhehlen.
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 22.2.2016
Foto: Rosemarie Doll, pixelio.de

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