Bannerparole statt Flaggenklau. Fußball wird zunehmend ein Feld für politische Instrumentalisierungen

591266_web_r_by_rike_pixelio-deManche Kicker sorgen derzeit für Ausrufezeichen. Doch auf politischer Ebene verläuft die Fußball-Europameisterschaft bislang ohne wirkliche Überraschungen. Die Linksradikalen ärgern sich über Deutschland-Fahnen, während die Strippenzieher der “multikulturellen Gesellschaft” den Tiger reiten. Es ist ein Zeichen für die geistige Überalterung der “Grünen”, dass ihre Jugendorganisation sich wieder einmal über patriotische Symbolik, diesmal das Zeigen schwarz-rot-goldener Fahnen anlässlich der Fußball-Europameisterschaft, echauffiert.
Die Rolle, die die Medien eigentlich Alexander Gauland und der AfD zuschieben wollten, übernahm somit nun die Jugendorganisation der “Grünen” ganz freiwillig. Die “grüne” Partei wurde mal wieder als verbissene “Spaßbremse” wahrgenommen, die der nun vom Fußball euphorisierten Bevölkerung fremd gegenüber steht.
Emma Sammet, Sprecherin der “Grünen Jugend” Berlin, verlautbarte bierernst:
“In Berlin wird Patriotismus und Nationalismus mit der Fanmeile und vielen Public Viewings besonders viel öffentlicher Raum geboten. Die Supermärkte sind voll mit Deutschland-Merchandise und die Straßen, Autos und Balkone voller Nationalfahnen. Da wird einem richtig mulmig zumute. Denn es kann kein Sommermärchen geben, wenn brennende Geflüchtetenunterkünfte die abscheuliche deutsche Realität darstellen.”
Und ihr Kollege Patrick Grünhag ergänzte wie auswendig gelernt: “Schon bei den vergangenen großen Fußball-Turnieren stieg die Anzahl fremdenfeindlicher Übergriffe nachweislich. Der sogenannte `Party-Patriotismus´ führt zu nationalistischem Denken und Gewalt. Gerade Rechtspopulist*innen wie die Kader der Berliner AfD werden versuchen, im Wahlkampf vom schwarz-rot-goldenen Freudentaumel zu profitieren. Als GRÜNE JUGEND Berlin stellen wir uns dieser ausgrenzenden Haltung klar entgegen. Denn gerade in Zeiten von blankem Fremdenhass und aufkommendem Rechtspopulismus und vor der anstehenden Wahl im September müssen wir ein klares Zeichen gegen Patriotismus und Nationalismus setzen.”
Dass die “antideutsch” ausgerichteten “Autonomen” stets bemüht sind, die “Grünen” an Radikalität noch zu überbieten, überrascht nicht. Wo die einen sich nur den Nationalfahnen moralisch verweigern, schreiten die anderen zur kriminellen Tat und kündigten den massenhaften Diebstahl von an Autos oder in Vorgärten angebrachten Fähnchen an.
“Getrennt marschieren, vereint schlagen”, wie schon der alte General von Moltke propagierte.
Doch welch geringen Stellenwert die Verantwortlichen des DFB dem Patriotismus wirklich zubilligen, ist schon daran erkennbar, dass aus dem Namen der “Mannschaft” das “deutsch” und “national” getilgt worden ist, vor allem aber daran, dass manche Spieler “mit Migrationshintergrund” das Singen der Hymne demonstrativ verweigern, ohne dass es den Trainer oder den DFB-Präsident zu stören scheint. Leicht wäre es nämlich möglich, sanften Druck aufzubauen, damit die Spieler mitsingen. Doch daran besteht gar kein Interesse.
Wolfgang Hübner von den “Bürgern Für Frankfurt” kommentierte dazu:
“Ich bin übrigens sicher, dass der DFB, Löw und nicht zuletzt Frau Merkel restlos alle Spieler zum Singen bringen würden, wenn nicht länger Nationalhymnen, sondern die Mannschaften aller teilnehmenden Staaten nur noch eine Globalhymne, natürlich in Englisch, schmettern würden. Bei einer solchen Entwicklung wäre `Die Mannschaft´ auch im Kollektivgesang ohne jeden Zweifel Vorbild für den Rest der Welt. Und ich wette einen hohen Betrag darauf: Wer dann nicht mitsingen wollte, flöge ganz schnell aus dem Kader!”
Wieviel geschickter als die altbackenen Antinationalisten der “Grünen” agieren dagegen mittlerweile die modernen Propagandisten der “multikulturellen” Gesellschaft. Sie haben sich entschieden, die Brandung nicht mit altertümlicher Symbolpolitik aufhalten zu wollen, zumal diese Welle der Fußball-Euphorie ja ein bewusst von DFB, Medien und Wirtschaftskreisen gefördertes Riesengeschäft ist. Vielmehr sind sie längst auf die Idee gekommen, den Tiger zu reiten, also den naiven, unreflektierten Fußball-Patriotismus der Fans bewusst zum Transport “multikultureller” Propaganda nutzbar zu machen.
Das EM-Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien war gerade abgepfiffen, als das ZDF die Dokumentation “Zwischen Verehrung und Verachtung” über “Frankreichs Nationalteam und die Rassismus-Debatte” sendete.
Der moderne, kapitalisierte Fußball und die daraus resultierende zunehmend “bunte” Zusammenstellung der Nationalmannschaften, wurden als positive Boten der neuen, “offenen”, ent-ethnisierten “Nationen”, als “Vision einer neuen, versöhnten Gesellschaft, deren Vorbild die Nationalmannschaft ist” verklärt, der nur noch griesgrämige “Rassisten” vom Schlage Le Pen und Alexander Gauland entgegen stünden. Die der Öffentlichkeit präsentierten “Spaßbremsen” der Medien und “antirassistischen” Fußballfunktionäre sind also am besten nicht “grün”, sondern “rechts”.
Das mehrheitlich aus Einwandererkindern bestehende Schweizer Team wird somit als “Glück” dargestellt. “Diese Vielfalt steht für die Schweiz von heute und ist ein Beweis ihrer Toleranz”, wird Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld zitiert.
Und dieser Versuch, politische Propaganda über den Fußballsport an die Massen zu tragen, findet sich vielfältig in der diesbezüglichen Medienlandschaft wieder.
Das Fußballmagazin “11 Freunde” titelte schon im letztjährigen August zu einem im Stadion gezeigten “Refugees welcome”-Banner: “Wie sich Fußballfans gegen Rechts positionieren. Kein Platz für Nazi-Idioten. Der braune Mob marodiert durch sächsische Kleinstädte und hetzt im Internet gegen Flüchtlinge. Gut, dass zahlreiche Fußballfans diesmal den Mund aufmachen.” Der Journalist Christoph Ruf veröffentliche schon kurz vor EM-Anpfiff im sozialdemokratischen “Vorwärts” einen Artikel mit dem Titel “So setzen sich Fußballfans gegen Rassismus ein”.
Und in einem Anleger-Forum eröffnete ein Diskutant nach dem deutschen Sieg über die Ukraine sogleich einen Thread mit dem Titel “Multikulti hat sich heute für Deutschland ausgezahlt”. Die Propaganda in Medien und Internet setzt sich im Stadion fort. Unübersehbar ist dabei die Kampagne “no to racism” des Europäischen Fußball-Verbandes UEFA, die sich in Bannerwerbung und an Kapitänsbinden zeigt. Die UEFA verlautbarte dazu: “Der Kampf gegen Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz im Fußball wurde in den letzten Jahren zu einem der Hauptanliegen der UEFA. Entsprechend nutzt die UEFA auch alle ihr zur Verfügung stehenden Plattformen, um eine ganz wichtige und unmissverständliche Botschaft auszusenden: Nein zu Rassismus.” Als Kooperationspartner fungiert dabei das ominöse “FARE-Netzwerk“.
Vor dem Hintergrund dieses massiven Ansinnens erscheint es beinahe bereits nebensächlich, darauf kritisch hinzuweisen, dass deutsche Spieler aus Einwandererfamilien die symbolische Geste des Singens der Hymne bewusst verweigern, aber durchaus Sinn für Gesten und Symbolik aufweisen können. Mesut Özil bewies dies unlängst, als er ein Foto im Internet postete, dass ihn vor der Kaaba auf seiner Pilgerfahrt nach Mekka zeigte.
1,5 Millionen Nutzer hätten das Facebook-Bild mit “Gefällt mir” markiert. Viele Nutzer hätten es angeblich als “Aufruf zur Toleranz” interpretiert, obwohl nicht bekannt wurde, dass Özil seine Reise dafür genutzt hätte, um sich für Religions- und Meinungsfreiheit in Saudi-Arabien oder anderen islamischen Ländern einzusetzen.
Die “multikulturellen” Marketing-Strategen sind wahrlich weit moderner und abgebrühter als die kindische “Grüne Jugend”. Hier sperrt man sich nicht mehr verlegen vor schwarz-rot-gold, sondern deutet den Charakter der Nation und seiner Mannschaft einfach “multikulturell” um. So hat man ein wirksames Mittel, den Massen ihren Spaß zu liefern und sie zugleich sanft zu indoktrinieren.
Der “Antirassismus” dient natürlich auch in diesem Wirtschaftssegment vor allem den finanziellen Interessen seiner Profiteure. Insofern ist er eng verbunden mit der Entortung und Kapitalisierung des Fußballs. Darauf wies der Publizist Michael Wiesberg unlängst in einem erhellenden Beitrag hin.
Somit sei Fußball heute ein “Spielfeld des Turbokapitalismus, auf dem jährlich Milliarden von Euro umgesetzt werden”. Allein für Übertragungen der englischen Premier League von 2016 bis 2019 zahlen Sky und BT Sport umgerechnet 6,9 Milliarden Euro. Seit dem Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 1995 wurde die zuvor stärker begrenzte Anzahl ausländischer Spieler in den Clubs massiv ausgeweitet. Es sei “zu einer wahren Flut an ausländischen Spielern, die auch in den Bundesligen immer dominanter werden” gekommen.
Bis dahin bewährte Strukturen seien über Nacht pulverisiert worden. Erst als 2001 der damalige Bundesligist Energie Cottbus in einem Spiel elf ausländische Akteure einsetzte, kam es zu einer leichten Kurskorrektur. Seitdem müssen Profi-Clubs auch in den Betrieb von Nachwuchs-Internaten investieren, zudem baute der DFB sein Stützpunktsystem aus. Doch änderte dies am mächtigen Trend zur Kapitalisierung des Fußballs nichts Grundlegendes.
Sieht man sich beispielsweise den letzten Kader von Eintracht Frankfurt an, so stehen dort 13 deutschen Spielern 18 ausländischer Herkunft gegenüber. Diese Spieler kommen beispielsweise aus Finnland, Serbien, der Türkei, Brasilien, Peru oder Tunesien.
Die zunehmend monopolkapitalistischen Strukturen, die von der wirtschaftlichen Potenz bestimmt sind, führen allerdings auch zunehmend zur Verödung der Ligen und zur Erodierung des Sports. Die immer gleichen finanzstarken Clubs dominieren die Branche, schwächere Vereine dienen allenfalls noch als “Zulieferer” von Talenten. Darüber können auch Zufallssiege von Außenseitern nicht hinwegtäuschen.
Die Rüstungsspirale der Clubs wird heute durch Geld und internationale Einkäufe angeheizt. Die Ausbildung von heimischen Nachwuchsspielern veröde hingegen immer mehr, so Wiesberg. Die einheimischen Nachwuchsspieler müssen mit einem internationalen Einkaufs-Pool konkurrieren, was ihre Luft immer dünner mache. Da die Schlüsselpositionen in den Clubs zunehmend von Ausländern besetzt sind, schmälert sich das Reservoir für die Nationalmannschaften. Hierzu komme, dass der Jugendfußball auch immer stärker von Spielern mit “Migrationshintergrund” geprägt sei, so dass auch hier “bio-deutsche” Spieler stärkere Probleme haben, sich in den daraus ergebenden Strukturen zu behaupten.
Somit ergibt sich zwangsläufig eine immer weniger ethnisch ausgerichtete Nationalmannschaft, deren Spieler vor allem aus Gründen der Vermarktung und Selbstoptimierung in dieser mitspielen. Michael Wiesberg: “Ein Mesut Özil, aber auch andere Nationalspieler `mit Migrationshintergrund´ dürften kein anderes Interesse an der deutschen Nationalmannschaft haben, als ihren Marktwert zu steigern. Die Wahrscheinlichkeit mit dem deutschen Team – bezeichnenderweise nur noch `Die Mannschaft´ genannt – einen internationalen Titel zu holen, ist eben höher als mit der türkischen oder einer anderen Nationalmannschaft. Wer von diesen Spielern eine Identifikation mit Deutschland erwartet, ist realitätsblind.” Diese Erkenntnis ist allerdings bei den Fans noch nicht angekommen.
Claus Wolfschlag
Zuerst veröffentlicht bei http://www.bff-frankfurt.de/ am 30.6.2016
Foto: Rike, pixelio.de

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Das langsame Ende der Freiheit

Give me fiveDeutsche Schwimmbäder scheinen sich derzeit bei Einwanderern aus vielfältigen Gründen großer Beliebtheit zu erfreuen. Neben dem natürlichen Wunsch nach Abkühlung besteht vielleicht jene besondere Anziehungskraft des Wassers, das auf Völker kargerer, sonnenverbrannter Landstriche seine eigentümliche Faszination auszuüben vermag. Und dann ist da noch die nackte Haut junger Frauen und Mädchen, die man einerseits begehren, andererseits verdammen kann. Ein beinahe bigotte Schizophrenie, die ihre Ursache in einer spezifischen religiös-kulturellen Sexualmoral hat.
Haben dieser Tage überdrehte junge Migranten in Kirchheim/Treck mehrere minderjährige weibliche Badegäste sexuell belästigt und teilweise gar ausgezogen, so störte sich im FKK-Bereich des Freibades Xantener Südsee eine Gruppe bärtiger Muslime wiederum gerade am Zuviel an textilloser Haut. Frauen wurden dort unter anderem als „Schlampen“ beschimpft, die „Ausrottung“ von „Ungläubigen“ angedroht, und zwischendurch wurde dabei „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) gerufen.
Deutsches Kulturgut FKK
Nun dürften nicht mehr viele der betroffenen Badegäste, aber erst recht kaum einer der zu uns gekommenen „Neubürger“, wissen, daß FKK ein bedeutendes deutsches Kulturgut darstellt, das im Laufe der Lebensreform-Bewegung um 1900 entstand. Die Beschimpfungen gegen die Freibad-„Schlampen“ treffen also unsere Kultur im Prinzip stärker ins Mark als eine blutige Attacke in einer McDonalds-Filiale.
Die deutsche Lebensreform-Bewegung versuchte um 1900 mit zahlreichen Vereinen und Gruppierungen eine Antwort auf die Entfremdungen der industrialisierten Lebenswelt zu geben. Zivilisationsschäden sollte durch eine Rückkehr zu naturverbundenen Lebensweisen Einhalt geboten werden. Viele Dinge, die uns heute alltäglich erscheinen, sind Ergebnisse der damaligen Überlegungen. So beschäftigte man sich mit ökologischer Landwirtschaft, Schrebergärten, Vegetarismus, Naturheilkunde, Vollkornprodukten.
Zwischen Moderne und Reaktion
Die heutige luftige Kleidung ohne Korsagen und zahlreiche Unterröcke ist auch ein Resultat der damaligen Bemühungen. Ebenso die Reformpädagogik und die Einrichtung von Landschulheimen. Alkohol, Nikotin, Kaffee, aber auch Zucker gerieten hingegen in die Kritik. Wissenschaftler streiten heute darüber, ob die Reformbewegung modern oder gar „reaktionär“ war. Jedenfalls umfaßte sie ein breites politisches Spektrum, zu dem durchaus „völkisch“-nationale Vertreter gehörten.
Auch die Freikörperkultur wurde von Vertretern der Lebensreform-Bewegung begründet, darunter die Künstler Karl Wilhelm Diefenbach und Fidus sowie der Publizist Heinrich Pudor. Es ging den FKK-Anhängern um „strenge Leibeszucht“ und eine Abkehr von zivilisatorischen Degenerationserscheinungen. Heute würde man von Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper reden, der bei frischer Luft und Sonnenlicht gesunden sollte.
Halal-Fleisch statt Veggie-Burger
Zahlreiche dieser Errungenschaften der deutschen Lebensreform könnten nun im Zuge einer Islamisierung der Gesellschaft zumindest zurückgedrängt werden. Die Kritik an Alkohol oder die Schrebergärten wären davon wohl nicht betroffen. Sehr wohl aber könnten reformpädagogische Bemühungen im Gefolge des Zuzugs bildungsferner Schichten ihren gesamtgesellschaftlichen Anspruch einbüßen. Zwar wird es noch sehr lange dauern, bis luftig-leichte Kleidung für Frauen aus den Bekleidungsgeschäften verschwindet, aber ein gewisser Gegentrend ist mit der Zunahme von Ganzkörperverhüllung, Kopftüchern, Tschadors oder gar Burkas im Straßenbild wahrnehmbar.
Vegetarismus ist heute vor allem ein Thema für jüngere Kritiker der Massentierhaltung aus dem urbanen Bürgertum. Es ist zumindest möglich, daß auch das Wachstum dieser Tendenz durch die demographische Entwicklung gestoppt wird. Der Veggie-Burger wird dann gegenüber Halal-Fleisch, Döner Kebap und Köfte nur in der Randposition verharren, statt zum großen Siegeszug anzusetzen.
Ungezwungene Umgang der Geschlechter wird leiden
Vor allem aber dürfte der ungezwungene Umgang der Geschlechter unter der Islamisierung deutlich leiden. So war es eine Errungenschaft der mit der Lebensreform verbundenen Wandervogel-Bewegung, das Jungen und Mädchen ungezwungen miteinander ihre Freizeit verbringen und verreisen können. Gerade diese Gemeinsamkeit der Geschlechter wird aber von muslimischen Eltern häufig in Frage gestellt.
Noch gibt es Urteile, zum Beispiel zum gemeinsamen Schwimmunterricht, die einer Trennung der Geschlechter entgegen wirken, doch ist nicht sicher, wie lange eine solche Position bei möglicherweise wachsendem Druck aus der Elternschaft aufrecht erhalten wird.
Scheibchenweise Positionen aufgeben
Auch bei der Freikörperkultur könnte die Faktizität der gesellschaftlichen Verhältnisse zu deren langsamen Ende führen. Das müßte, ähnlich dem Schweinefleisch, gar nicht in der unbeliebten Vorgehensweise mittels Verboten geschehen, die das Außenbild der liberalen Gesellschaft beschädigen würden. Wenn es wiederholt zu Beschimpfungen und Bedrohungen von Badegästen kommt, werden diese womöglich schon aus der veränderten Sicherheitslage heraus in Zukunft eher darauf verzichten, einen FKK-Strand aufzusuchen.
Den Bade-Betreibern wäre es dann ein leichtes, zu argumentieren, daß das Angebot gar nicht mehr ausreichend wahrgenommen werde, so daß aus Rentabilitätsgründen der FKK-Bereich geschlossen werden müßte. Nicht nur Aufsichtspersonal ließe sich so einsparen, auch ein Konfliktherd könnte elegant aus der Welt geschafft werden. So werden scheibchenweise Positionen aufgegeben.

 
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 26.7.2016
Foto: Rita-Thielen / pixelio.de

Filmbesprechung “Mustang”: Ein packender Einblick in die Welt der Zwangsehen

061713-860x360Zwangsehe und sexuelle Selbstbestimmung der Frau sind immer wieder auftauchende Themen in der kritischen Auseinandersetzung mit islamischen Gesellschaften. Der Spielfilm „Mustang“ gewährt einen bewegenden Einblick in die sozialen Strukturen, innerhalb derer das Phänomen Zwangsehe gedeiht.
Der Übergang von der arrangierten Ehe zur Zwangsheirat ist nicht klar begrenzt. Auch aus dem christlich-abendländischen Kulturkreis sind historische Erfahrungen mit arrangierten Ehen bekannt, die bis zur Zwangsehe gehen konnten. Das Phänomen trat hier vor allem im Mittelalter und in adeligen Kreisen auf. Wirtschaftliche Überlegungen spielten aber auch in unteren Schichten in die Eheschließungen hinein.
Ganz anders sieht es im islamischen und im hinduistischen Kulturkreis aus, wo die Zwangsehe auch in der Gegenwart noch ein Massenphänomen darstellt. Diese gesellschaftlichen Traditionen der orientalischen Welt stehen heute in einem unüberbrückbaren Gegensatz zur romantischen Liebesheirat, die seit dem 19. Jahrhundert das Ideal der abendländischen Welt bildet.
Scharfe soziale Kontrolle
Der Film basiert offenbar auf eigenen Erfahrungen der türkisch-französischen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven. Zu Recht wurde er für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Die Schönheit der Landschaft und der jungen Mädchen bricht sich mit Dorftratsch, sozialer Kontrolle und den schroffen Erziehungsmethoden des Onkels.
Der zärtliche Umgang der gezeigten Geschwister untereinander steht im Gegensatz zu einer Erwachsenenwelt, der jede Wärme zu fehlen scheint. Alles ist soziale Funktion und Konvention, Liebe zum Einzelwesen spielt scheinbar kaum eine Rolle.
Fünf Schwestern wachsen nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Großmutter (Nihal Koldaş) und dem strengen Onkel Erol (Ayberk Pekcan) in einem entlegenen türkischen Dorf auf.
Im Haus eingesperrt
Als die Schulferien beginnen, albern und tanzen die Mädchen auf dem Heimweg ausgelassen im Wasser. Doch die unbeschwert wirkende Anfangsszene wird rasch durch die Nervosität der Großmutter unterbrochen. Nachbarn hätten sie angerufen, daß die Mädchen sich unziemlich verhalten hätten, Kontakt zu Jungen bestanden hätte. Auf diesen Skandal folgend wird die Freiheit der Mädchen immer mehr eingeschränkt.
Sie werden im Haus eingesperrt, und auf diverse Ausbrüche der freiheitsliebenden Teenager folgen immer stärkere Gegenmaßnahmen. Bald erinnert ihr Heim mit den vergitterten Fenstern an ein Gefängnis. Statt PC, Telefon und schulischer Bildung vermittelt die Großmutter ihre Kenntnisse in Hauswirtschaft, und schließlich wird im Dorf publik gemacht, daß die überraschten Mädchen zur Heirat bereit stünden.
Mütter bringen ihre heiratsfähigen Söhne zur Vorstellung, auf die dann die Eheschließungen im Eilverfahren folgen, derer sich die Mädchen scheinbar nicht entziehen können. Zentrale Bedeutung kommt dabei der Jungfräulichkeit zu. Dieser Zustand, der auf der biologischen Ebene dem Mann die Gewißheit gibt, der Vater von in der Hochzeitsnacht gezeugten Kindern zu sein, wurde unter religiösem Einfluß zum Fetisch überhöht.
Der heimliche Geliebte
Die aufgeregte Großmutter sorgt sich, daß die Mädchen später keinen Mann finden könnten, wenn sie vor der Hochzeit sexuellen Kontakt gehabt haben. Eines der Mädchen wird nach dem harmlosen Spiel mit Jungen im Wasser umgehend auf ihr Jungfernhäutchen untersucht. Sonay (Ilayda Akdogan), das älteste der Mädchen, schleicht sich anfangs, als dies noch möglich ist, öfters heimlich zu ihrem Geliebten Ekin.
Ihren Geschwistern verrät sie, mit ihm schon seit längerem Sex zu haben, allerdings nur Analverkehr, damit ihre Jungfräulichkeit gewahrt bleibt. Die bewaffnete Familie drängt eines der Brautpaare in der Hochzeitsnacht, das blutbefleckte Laken zu präsentieren. Da die Braut nicht geblutet hat, wird sie noch in der Nacht müde zum Arzt geschleppt, um den vermeintlichen „Betrug“ untersuchen zu lassen.
Rebellion und Sehnsucht
Die Regisseurin zeigt anhand der fünf Mädchen unterschiedliche Möglichkeiten der Entwicklung. Neben echter Liebe existiert das Fügen in die gesellschaftlichen Zwänge, neben Suizid gibt es die offene Rebellion. Sonay gelingt es, ihrem Willen entsprechend, ihren Freund Ekin zu heiraten, da sie der Großmutter mit einem Skandal droht, den diese zu verhindern bemüht ist.
Als größte Rebellin entpuppt sich Lale (Günes Sensoy), die Jüngste, ein Kind noch, das aber einen ausgefeilten Plan entwickelt, aus dem Gefängnis zu fliehen. Dabei soll ihr der freundliche Lastwagenfahrer Yasin helfen. Mit einer Intelligenz und Entschlossenheit, die ihren älteren Schwestern fehlt, formuliert sie das westlich geprägte Istanbul und ihre dort mittlerweile lebende Lieblingslehrerin als Sehnsuchtsort ihres Freiheitswillens.
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 1.3.2016
Filmausschnitt: Rebellion und Zwang, Foto: Ad Vitam

Rassismus in der „taz“

753215_web_r_k_b_by_rosemarie-doll_pixelio-deDer Chef vom Dienst der Berliner taz, Lalon Sander, ist normalerweise vorne dabei, wenn es um „antirassistische“ Sprachhygiene geht. „Worte wie ‘Neger’, ‘Zigeuner’ oder ‘Farbige’ sind schon seit Jahren als diskriminierend identifiziert“, schrieb der selbst erklärte „Weltbürger“ 2013. „Wer sensibel über schwarze Menschen sprechen will, muß nicht nur die Abwertung ablegen, sondern auch die Vereinheitlichung. Es reicht nicht, das ‘verbotene’ ‘Neger’ durch das erlaubte ‘Schwarze’ zu ersetzen: Wer das tut, bleibt im Raster der rassistischen Sprache.“ Denn schließlich, so Sander, basiere der Rassismus schon auf der „Konstruktion der ‘Anderen’“, also daß man überhaupt zwischen einer eigenen und einer fremden Gruppe unterscheidet.
Doch halt. Lalon Sander hat nun die „antirassistische“ Maske fallen gelassen und einen Kommentar mit dem Titel „Die Bürde des Reichtums“ veröffentlicht, der vor rassistischen und „sexistischen“ Stereotypen nur so strotzt. „Weiße Männer sind stolz darauf, reicher zu sein als zum Beispiel ‘Wirtschaftsflüchtlinge’. Dabei haben sie ihren Wohlstand über Jahre zusammengeklaut“, schreibt er. Weiße Männer werden von Sander aber nicht nur als Diebe dargestellt, sondern durchweg mit abwertenden Begriffen belegt: Donald Trump wird von ihm als „der prototypische dumme weiße Mann“ vorgestellt. Weiterhin werden weiße Männer als „bösartig“ klassifiziert und unter dem Begriff „Otto-Normalkartoffel“ zusammengefasst.
Mehrheit der Weißen war nie am Kolonialismus beteiligt
Man ersetze mal das Wort „weiß“ durch „schwarz“ oder „Kartoffel“ durch „Nigger“, und der rassistische Tenor von Sanders Artikel müsste eigentlich selbst dem Gutgläubigsten auffallen. Nun ist kritischen konservativen Kreisen seit langem bekannt, daß „Antirassismus“ nur ein Codewort für Rassismus gegen Weiße ist. Sprachsensibilität und Fürsorge gilt nämlich stets nur außereuropäischen „Opfern“, nicht aber beispielsweise weißen Mädchen, wenn sie von Nordafrikanern sexuell bedrängt werden, wie Jakob Augstein unlängst exemplarisch bewies.
Das ideologische Konstrukt, auf dem Sanders aktuelle Haß-Attacke beruht, ist ein altes. Es beruht auf den Theorien Frantz Fanons. Statt der alten Arbeiterklasse erkor dieser die „Unterdrückten“ aus der „dritten Welt“ zum neuen revolutionären Subjekt. Dieses im Prinzip neokommunistische Projekt basiert auf der heute auch von dem Schweizer Soziologen Jean Ziegler verbreiteten Meinung, daß die globale soziale Ungleichheit in der kolonialen Aggression der europäischen Völker, des „weißen Mannes“, ihre Ursachen habe.
Die antirassistische Ideologie übersieht gerne, daß nie die Mehrheit der Weißen am Kolonialismus beteiligt war. Von den kolonialen Profiten einiger Weißer wird aber auf die weiße Welt in toto geschlossen. Das Argument, daß dies vor allem ein Thema Spaniens, Portugals, Frankreichs und Englands war, versucht Lalon Sander noch zu umschiffen. Auch wenn die kolonialen Bestrebungen der Deutschen bescheiden waren, hätten doch einzelne Deutsche am angelsächsischen Kolonialismus mitgeholfen. Zu ebenfalls von Weißen bevölkerten Ländern wie der Schweiz, Norwegen, Polen oder Rumänien, die nie koloniale Ambitionen zeigten, fällt aber selbst ihm dann nichts mehr ein.
Der Kolonialismus ist lange passé
Außerdem wird übersehen, daß der Kolonialismus nun seit über einem halben Jahrhundert passé ist. Die befreiten Völker hatten viel Zeit, ihre Länder und ökonomischen Ordnungen selbst zu verändern. Einige asiatische Staaten nutzten die neuen Möglichkeiten durchaus, während andere Länder in Lethargie verweilen, beispielsweise Haiti, trotz Unabhängigkeit seit mehr als 200 Jahren. Die Verantwortung für die soziale Lage in Afrika, Asien und Südamerika wird von den „Antirassisten“ aber nie bei den dortigen Völkern gesehen. Nicht korrupte einheimische Regierungen, unfähige Bürokraten, spezifische Mentalitäten, Desinteresse an Geburtenkontrolle sind schuld an der Misere dieser Länder, sondern – natürlich – bis heute „der weiße Mann“.
Die Ausbeutung von Arbeitskraft und Bodenschätzen durch internationale Konzerne, mit allen negativen Begleiterscheinungen, zum Beispiel Landgrabbing oder Müll-Tourismus, gehört zu den großen Problemen der Gegenwart. Unter den Superreichen der dafür verantwortlichen globalen Wirtschaftselite finden sich aber keinesfalls nur weiße Europäer, sondern auch Mexikaner wie Carlos Slim Helú, Araber wie Prinz al-Walid ibn Talal Al Saud, Asiaten wie Li Ka-shing, Inder wie Lakshmi Niwas Mittal und Afrikaner wie Patrice Motsepe. Auch Frauen zählen zum Kreis der Multi-Milliardäre, wie Christy Walton oder Shari Arison. Das widerlegt auch die „sexistische“ Komponente in Lalon Sanders Klage gegen „weiße Männer“.
Klassenkämpferisches Haß-Szenario
Daß die übergroße Mehrheit der weißen Männer aber weder Multimilliardäre sind, noch in die koloniale Vergangenheit verstrickt, interessiert Sander offenbar nicht. Daß die übergroße Mehrheit täglich ihre Arbeit in Büros oder Fabriken verrichtet, damit die Familie versorgt, die steigende Miete bezahlt und die ins Defizit rutschende Krankenkasse befriedigt sind, kommt in diesem Szenario des globalen Ausbeuters nicht vor. Alle Weißen (warum aber nur die Männer?) sind für ihn Profiteure eines als ungerecht empfundenen globalen Wirtschaftssystems.
Und aus diesem Grund wird von diesen linken Publizisten auch die Einwanderung des Geburtenüberschusses Afrikas und Asiens nach Europa befürwortet. Die „Refugees“ sollen die Verhältnisse revolutionär verändern, sollen Rache am „bösartigen weißen Mann“ nehmen und ihn deklassieren. Was in Wirtschaftskreisen Profitdenken, in Kirchen- und Helferkreisen die altruistische rosa Brille ist, ist bei der Linken ein ausgeprägtes klassenkämpferisches Haß-Szenario. Dieses kann seine rassistischen Antriebe kaum verhehlen.
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 22.2.2016
Foto: Rosemarie Doll, pixelio.de

Die Stunde der Verharmloser

744377_web_r_by_fotohiero_pixelio-deWenn nun die großen Medien nicht mehr anders konnten, als die Belästigungen zahlreicher Frauen an Silvester zu thematisieren, sollte man sich nicht täuschen lassen. Auch die Manöver von SPD und „Linken“, die sich nun durch etwas scheinheilige Distanz zur Merkel-CDU angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen als Stimme der Vernunft darzustellen versuchen, sind taktischer Natur.
Die Relativierer und die Ideologen der Einwanderungsgesellschaft halten sich zwar kurzfristig etwas zurück, verstummt sind sie aber nicht. Nicht nur Jakob Augstein spielte das Kölner Geschehen herunter, daß er unter anderen ethnischen Bedingungen (man stelle sich vor, Deutsche hätten „Flüchtlingsfrauen“ belästigt) garantiert als Zeichen des „strukturellen Rassismus“ gebrandmarkt hätte. Die „grüne“ Vizepräsidentin des Bundestages, Claudia Roth, erklärte umgehend, „daß es auch im Karneval oder auf dem Oktoberfest immer wieder sexualisierte Gewalt gegen Frauen“ gegeben habe. „Hetzer“ im Internet seien „Brüder im Geiste der Kölner Gewalttäter“.
Oktoberfest vs. Köln
Roth stellte also das Oktoberfest mit sechs Millionen Besuchern, auf dem es selbstverständlich gelegentlich auch zu sexuellen Belästigungen einzelner Betrunkener kommt, mit den Ereignissen um die Kölner Domplatte auf eine Stufe. Prozentrechnen scheint ihre Stärke nicht. Linke Blogger gingen noch einen Schritt weiter und deuteten zynisch an, daß sich die Täter von Köln doch bereits „ganz gut in unsere Kultur und unseren Umgang mit Frauen integriert“ hätten. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) wiederum verlautbarte, daß Äußerungen in rechtsgerichteten Chats „mindestens genauso widerlich“ wie die Taten derjenigen seien, die die Frauen angegangen haben.
Nun könnte man Jäger immerhin noch soweit zustimmen, daß durch manche pauschale Verurteilung von Asylsuchenden das gesellschaftliche Klima wirklich vergiftet werden könnte. Bloß, genau diese Pauschalisierung findet auf der anderen politischen Seite ständig statt. Als Anfang 2015 ein Asylbewerber in Dresden erstochen wurde, stellte die Presse umgehend einen Bezug zur Pegida-Bewegung her. Es kam dort kurz darauf zu einer linken Großdemonstration mit „Antifa“- und Anarchistenfahnen, auf der der Slogan „Kein Platz für Rassismus“ zu lesen war.
Später stellte sich heraus, daß ein Landsmann des Toten im Streit um die Haushaltsführung die Tat begangen hatte. Und auch nach den unlängst erfolgten Schüssen auf ein Asylbewerberheim im hessischen Dreieich ist bislang weder ein Motiv, noch ein Tatverdächtiger ermittelt, noch ein Prozeß beendet worden. Doch wieder demonstrierten vor allem linke Gruppen umgehend „gegen Rassismus“ und „Nazis“, forderten „Bunt statt braun“ und zogen mit den Fahnen diverser linksradikaler Organisationen durch den Ort.
Scheuklappen, Relativierung und seelische Kälte gegenüber deutschen Opfern
Kein sozialdemokratischer Innenminister hat sich bislang daran gestört, daß hier eine „widerliche Vorverurteilung“ stattfinden könnte. Doch es ist vorhersehbar, daß sich die Ideologen der Einwanderung beim Scheitern ihres Experiments die Sündenböcke stets bei ihren Kritikern suchen werden. Schon im Stalinismus war der „Saboteur“ für das Nichterreichen der politischen Ziele verantwortlich.
In ihrer Argumentation verleugnen die relativierenden Ideologen stets kulturelle Unterschiede. Nur die sozialen Ursachen von Kriminalität zu sehen sind sie bereit. Wird also ein Raub begangen, hat dies mit „Armut“ zu tun. Ausgeblendet wird, warum manche Personengruppen auf Armut im hohem Maße mit Kriminalität reagieren, andere nicht. Wird eine Sexualtat begangen, hat dies etwas mit „den Männern“ zu tun. Kulturelle Unterschiede zwischen Männergruppen werden nicht thematisiert. Auf die Alltagsdiskussion heruntergebrochen sind das die Leute, die einem im Straßengespräch auf jede Erwähnung einer ausländischen Täterherkunft stets ein naseweises „Das hätte genauso ein Deutscher sein können“ entgegenhalten.
Scheuklappen, Relativierung und seelische Kälte gegenüber den einheimischen „Kollateralschäden“ haben tiefliegende Ursachen. Sie sind auch Folgen der undifferenzierten NS-„Vergangenheitsbewältigung“. Bereits in den achtziger Jahren wurde in Juso-Publikationen die NS-Zeit auf die moderne Ausländer- bzw. Einwanderungsfrage übertragen. Udo Lindenberg sang: „Nein, sie brauchen keinen Führer (…) diese neuen Nazi-Schweine (…) ja, früher waren’s die Juden und heute sind die Türken dran“.
Moralisch bankrotte Gedenkpolitik
Der sich gegen Einwanderung und seine Verdrängung wehrende Deutsche wurde zunehmend zum menschenfeindlichen „Nazi“ stilisiert. „Der Türke“ wurde zum „neuen Juden“, dem man nun endlich mittels Aktionen „gegen rechts“ die nötige Hilfe zukommen lassen müsse. Diese auf einem negativen Bild des Deutschen beruhenden Projektionen konnten in jüngerer Zeit problemlos von den langweilig gewordenen Türken auf nun einwandernde arabische und afrikanische „Refugees“ übertragen werden. Dem kam der Terminus „Flüchtlinge“ zusätzlich entgegen, erinnert er doch vage an die Exilanten der NS-Zeit.
Der besonderen Anteilnahme gegenüber dem Fremden steht auf der anderen Seite das weitgehende Fehlen von Empathie für die Belange des eigenen Volkes gegenüber. Das zeigte sich im gesellschaftlichen Umgang mit deutschen Opfern des Zweiten Weltkriegs, wie er spätestens seit der Achtundsechziger-Zeit üblich wurde. Verschämt versteckt oder beschmiert zeigen sich viele Gedenkstätten für deutsche Opfer der Vergangenheit. Spärlich sind Romane, Filme, bildende Kunstwerke, die Flucht und Vertreibung, Bombenkrieg oder Vergewaltigungen deutscher Frauen nach Kriegsende thematisieren. Wenn sie produziert werden, dann oft nur mit dem Verweis auf die „deutsche Schuld“, also daß deutsche Opfer nur ernteten, was sie selbst verschuldet hätten.
Diese seelische Kälte ist ein fester Bestandteil des linksintellektuellen Establishments der Bundesrepublik. Nicht mit der Wimper zucken sie angesichts der einstigen Opfer ihres Volkes, und folgerichtig tun sie es auch nicht bei dessen heutigen.
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Zuerst veröffentlicht bei Junge Freiheit am 18.1.2016
(Der Artikel wurde bei der JF weitgehend ohne die Links veröffentlicht. Auf dieser Seite sind die Links eingearbeitet worden.)
Foto: FotoHiero  / pixelio.de

Schüler im Gesinnungsstreik

246888_web_r_k_b_by_a-dreher_pixelio-de„Schüler rufen zum Streik auf“ titelte vergangene Woche eine Tageszeitung. Doch besagter „Schulstreik gegen Rassismus und für Flüchtlinge“ war sicherlich nur eine jener vielen Mogelpackungen, die beim Thema „Antirassismus“ der Öffentlichkeit verkauft werden. Hinter dem Projekt steckt kein harmloses „Bündnis von SchülerInnen“, sondern die linksradikale Szene, leicht erkennbar schon an der professionellen Werbung, inklusive roter Fahnen und geballter Faust.
Als Unterstützer werden neben wenigen Schülervertretungen unter anderem die „Junge GEW Berlin“, der DGB Bezirksjugendausschuss Berlin-Brandenburg, die „Sozialistische Alternative“, die SDAJ Berlin, die Berliner Jusos oder die „RIO Revolutionäre Internationalistische Organisation“ aufgeführt.
Ein Blick auf die Internetpräsenz des Projekts offenbart das dort verbreitete Paralleluniversum. So demonstriere man gegen angeblich „über 500 gewaltsame Übergriffe auf Geflüchtete und Unterkünfte in diesem Jahr“. „Rechte Gewalt“ eskaliere angeblich zu „pogromähnlicher Stimmung“. Für die „Schulstreik“-Initiatoren sind selbstverständlich „Rassist*innen wie Pegida und Nazis“ verantwortlich.
Viele Mitläufer sind unterwegs
Doch diese Gewalt betreffe „nicht nur Geflüchtete, sondern uns alle, denn alle, die nicht in ihr Bild passen, werden zur Zielscheibe“. Der Staat unternehme dagegen gar nichts, sondern gebe sich nur „antirassistisch“. So würden gerade „die Grenzen dicht“ gemacht und „die Bundeswehr ins Mittelmeer geschickt, um Schiffe zu versenken“. Dabei wäre Geld in Hülle und Fülle da, es sei nur „falsch verteilt“: „Gebäude, die leer stehen, um sie später gewinnbringend zu verkaufen und die Vernichtung von guten Lebensmitteln, sind nur zwei Beispiele dafür.“
2.000 junge Teilnehmer fanden sich in Berlin zu der Demonstration ein. Zu Ablegern in Bremen und Frankfurt kamen nochmals einige Hundert. Es kann davon ausgegangen werden, daß es der radikalen Linken neben der Mobilisierung des eigenen harten Kerns immer noch gelingt, eine größere Zahl von Mitläufern unter Schülern und Studenten zu finden.
Da junge Menschen hierzulande im Wohlstand aufgewachsen und von der Perspektive geprägt sind, das Leben noch vor sich zu haben, ist ihnen der Gedanke der sozialen Unsicherheit und Besitzstandswahrung, der zum Beispiel das überalterte konservative Milieu prägt, eher fremd. Sie werden häufig von immateriellen Gefühlswerten angesprochen, zum Beispiel von Anerkennung durch eine Gruppe, der Suche nach Identität, von Macht und moralischer Selbstüberhöhung, von Aggressionsabfuhr gegen Schwache oder „Böse“.
Emotional bewegliches Potential
Die Folgen ihres Tuns, auch für die eigene Zukunft, überblicken sie noch kaum, da ihnen hierzu die Langzeitperspektive fehlt. Sie leben noch stärker im Jetzt und noch nicht in der Zukunft, schon gar nicht in der Vergangenheit. Sie erliegen deshalb starken Reizen, die ein momentanes Erlebnis versprechen.
Dieses emotional noch sehr bewegliche Potential wissen vor allem politische Strippenzieher zu nutzen, die auf eine Mobilisierung junger Menschen für plakative Ziele setzen. Die linke Kampagne für eine ungebremste Einwanderung würde nicht funktionieren, wenn sie die Frage nach der Finanzierbarkeit oder dem eigenen Verzicht stellen würde.
Hedonistische Appelle
Zwar könnten manche Jugendliche im Rahmen eines Events vermutlich kurzzeitig dazu bewegt werden, persönliches Engagement im Bereich Flüchtlingshilfe zu zeigen und einige Tage Konsum- und Freizeitverzicht zu üben. Doch dieser Effekt würde innerhalb weniger Wochen weitgehend verpuffen. Zu sehr würden dann wieder das Smartphone, der Diskothekenbesuch, die nächste Reise in den Vordergrund treten.
Um die Schüler auf die Straße zu bringen, wird deshalb geschickt an deren hedonistische Wünsche appelliert, beispielsweise die Befreiung von Lernstreß. Es wird verlautbart, man kämpfe für eine Gesellschaft, „in der wir uns frei entfalten können, Lernen Spaß macht und alle Zugang zu guter Bildung haben“.
So dürfte auch der „Schulstreik“ für viele nur ein Freizeitvergnügen bedeutet haben, bei dem man Schulstunden vermeiden und moralische Gesinnung zeigen kann. Und das alles scheinbar folgenlos.

 
Zuerst erschienen bei jungefreiheit.de am 24.11.2015
Foto: A.Dreher, pixelio.de

Die Trolle und Putin

722036_web_r_b_by_i-vista_pixelio-deEine amüsante afp-Meldung geisterte dieser Tage durch die Zeitungsseiten: „Putins Cyberkrieg: Russland bezahlt Trolle für Netz-Propaganda.“ „Nein, unfaßbar, so etwas aber auch“, dachten sich gutgläubige Internet-Nutzer dabei womöglich erschrocken. Anderen dürfte es allenfalls ein müdes Lächeln entlockt haben. Diejenigen, die mit dem Finger auf andere zeigen, wollen nämlich oft gerne von sich selbst ablenken.
Die Vorwürfe an die Adresse Rußlands erinnern mich an gewisse Stunden des bundesdeutschen Schulunterrichts und Universitätsbetriebs, in denen sich Lehrpersonen zum Beispiel über das Herrschaftssystem der NS-Zeit echauffierten. Etwa die Lehrerin, die nur angestaubte Hitler-Reden als Beispiel für politische Propaganda heranzog, es aber tunlichst unterließ, sich mit aktuellen Politiker-Stellungnahmen zu beschäftigen.
Alle Lobbygruppen mischen mit
Oder an den Universitätsprofessor, der sich darüber ausließ, daß in der NS-Zeit das Parteibuch die akademische Karriere förderte. Als ich damals antwortete, dass das heute nicht viel anders sei, ging ein Grinsen durch die Kommilitonenbank. Die SPD-Anhängerschaft des Professors war nämlich allgemein bekannt. Nun, Hitler ist lange tot, und auch die Warnung vor „rechten Einflüssen“auf das Internet ist mittlerweile reichlich angestaubt. Also muss nun Wladimir Putin als Mittel zur Ablenkung herhalten. Putin hätte also „Diskussionsforen und Newsgroups, Chatrooms und Blogs“ durch bezahlte Mitarbeiter im eigenen Sinne zu beeinflussen versucht.
So etwas würde unseren westlichen Regierungen und Lobbygruppen natürlich nie einfallen, oder? Vor wenigen Jahren sagte ich einem älteren Bekannten, daß ich als Geheimdienstchef, Bilderberger, Leiter einer großen Parteistiftung oder Einwanderungslobby ein, zwei Studenten einstellen würde, deren einzige Aufgabe es sei, in allen möglichen Internetforen Meinungsäußerungen im eigenen Sinne zu tätigen. Mein Bekannter lächelte: „Du kannst davon ganz sicher ausgehen, daß bereits heute nicht nur zwei Studenten, sondern ganze Abteilungen damit beschäftigt sind, das Internet zu überwachen, dort Stimmung zu machen, zu mobben, Verwirrung zu stiften.“
Traditionelle Medienstruktur ist am Ende
Spätestens seitdem bin ich davon überzeugt, ohne es natürlich letztlich beweisen zu können, dass Geheimdienst- und Lobbygruppen-Mitarbeiter hauptamtlich mitmischen. Es folgt der machtpolitischen Logik, daß solvente Institutionen zum Beispiel professionell Einfluss auf die Internet-Enzyklopädie Wikipedia nehmen dürften. Ein solches Rechercheinstrument dürfte kaum dem Zufall überlassen werden. Immerhin sickert gelegentlich aus den etablierten Medien, dass PR-Agenturen und Unternehmen aus Eigeninteresse bei Wikipedia mitmischen. Das dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein, denn allein die ungeschickten Akteure lassen sich in Zeiten der IP-Verschleierung erwischen. In Diskussionsforen wird die Sache nicht anders aussehen.
Zwar behalten Schlüsselpositionen in den Nachrichtenagenturen noch eine wichtige Funktion, da viele Zeitungsredaktionen beispielsweise dpa-Artikel massenweise nachdrucken. Das liegt nicht an bösem Willen, sondern schlicht an Geld- und Zeitmangel sowie dem Zwang, täglich Druckseiten zu füllen. Die traditionelle Medienstruktur mit einer ausgewählte Informationen paternalistisch von oben nach unten zum Bürger weiterleitenden Medienredaktion hat aber durch das Internet enorme Konkurrenz erhalten.
Der Bürger kann sich nun seine Informationen und Meinungsangebote ohne flächendeckende redaktionelle Kontrolle selbst aus dem Internet besorgen. Nur noch unverbesserliche „Antifaschisten“ rufen regelmäßig noch offen nach Zensur. Die nun am Beispiel Putin ans Licht gekommene unterschwellige Einflußnahme von oben ist die weit elegantere Möglichkeit in einer modernen Gesellschaft, der es vor allem um die Wahrung ihrer liberalen Fassade geht.

 
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 27.4.2015
Foto: I-vista / pixelio.de

 

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Nachtrag:
Ein Leser hat in der JF-Blog-Diskussion dankenswerterweise einige Links zum Beweis meiner Thesen gepostet, die ich hier nachreichen möchte:
“Propaganda-Blitz”: EU will in Internet-Foren für Euro Stimmung machen
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/04/propaganda-blitz-eu-will-in-internet-foren-fuer-euro-stimmung-machen/
Israel setzt Studenten für Social Media-Propaganda ein
http://www.gegenfrage.com/israel-setzt-studenten-fuer-social-media-propaganda-ein/
“Bild-Zeitung wurde von der CIA gegründet”
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/daniel-prinz/-bild-zeitung-wurde-von-der-cia-gegruendet-.html
…und ich liefere auch noch einen Link nach:
Weitere Snowden-Enthüllungen. Britischer Geheimdienst kann Internet manipulieren
http://www.faz.net/aktuell/politik/weitere-snowden-enthuellungen-britischer-geheimdienst-kann-internet-manipulieren-13046387.html