Zweimal Film: “Runner Runner” und “Das Zeichen des Mörders”

644107_web_r_k_b_by_rainer-sturm_pixelio-deFilmkritiken veröffentliche ich fast nur in Printmedien. Im Fall der hier genannten Streifen war das nicht der Fall. Deshalb nur mal zwischendurch einige kurze Anmerkungen zu zwei Filmen, die ich unlängst sah.
Ich war im Oktober in der recht kurzfristig angesetzten Pressevorführung des Films “Runner Runner” von Brad Furman gewesen. Da ich nicht rechtzeitig eine Besprechung verfassen konnte, kam es zu keiner Filmkritik aus meiner Feder. Es wäre – wie gesagt – ohnehin zu knapp geworden. Aber, da ich den Film nun einmal aus dem Grund sah, etwas zu ihm zu schreiben, verliere ich dennoch ein paar Zeilen dazu.
Der von Justin Timberlake gespielter amerikanische Student Richie Furst möchte in “Runner Runner” nichts lieber als ein Stipendium in seinem Hauptfach Mathematik. Da das amerikanische Bildungssystem in hohem Maß auf Geld basiert, sieht sich der mittellose Student gezwungen, 60.000 Dollar Schulgeld aufzutreiben. Natürlich fällt ihm dabei rasch die Beteiligung am Online-Poker ein. Und selbstverständlich hat er erst einmal Glück, um dann doch bei einem Kontostand von “Null” zu landen. Da er aber, wie viele Spieler, sicher war, dass er hätte gewinnen müssen, wittert er Betrug. Und so macht er sich auf die Reise, um mit dem Betreiber der Webseite einige Wort zu wechseln. Folglich landet er ohne Spanischkenntnisse in Costa Rica und begegnet dort dem im Luxus schwimmenden Spielbetreiber Ivan Block (Ben Affleck). Doch der scheint Potenzial in dem ihn zur Rede stellenden Richie Furst zu wittern und bietet ihm an, als Angestellter bei ihm einzusteigen. Der junge Student sagt zu, und plötzlich hat er nicht nur das Schulgeld zusammen, sondern ein sehr ordentliches Auskommen. Doch dann beginnt die Krise. Richie Furst wird damit konfrontiert, dass er vom Geheimdienst FBI überwacht wird, und dass das betrügerische Schneeball-System seines Chefs kurz vor dem Zusammenbruch steht.
“Runner Runner” ist sicherlich ein stellenweise recht spannender Kriminalfilm, der vor allem durch die exotische Kulisse Mittelamerikas optisch gewinnt. Und er thematisiert natürlich den amerikanischen Typus, dem es letztlich nur um Geld geht. Das Studium dient nicht der Liebe zum Fach, sondern dem “making money”, und wenn man das Geld auf andere Weise machen kann, ist das noch besser. Vorzugsweise am Spielautomat bzw. Computer. Da geht alles ganz schnell. Das große Geld lacht, das hedonistische Dasein ist gesichert. All das wird immerhin angedeutet, und auch an der schauspielerischen Leistung ist nicht zu meckern. Letztlich aber bleibt “Runner Runner” nur ein halbwegs solider Krimi, dem wahrer Tiefgang fehlt. Gerade die Zunahme an Sportwetten oder Online-Spielen hätte eine tiefgründigere Behandlung mit den dahinter verborgenen Sehnsüchten und Enttäuschungen verdient. Das kann aber ja noch mit neuen Filmen folgen.
Dann sah ich noch den Krimi “Das Zeichen des Mörders” (Originaltitel: “Den utvalde”) aus einer der Hochburgen der “political correctness”. Der 2005 von Eric Donell und Martin Söder inszenierte Schweden-Thriller löste in mir sogleich folgende Empfindung aus: Hier wird nur halbwegs versteckt sozialdemokratische Ideologie transportiert. Nicht untypisch für den skandinavischen Film, also. Man denke mal beispielsweise an die feministischen “Millennium”-Krimis um die weibliche Heldin Lisbeth Salander. In Schweden haben sich Protestantismus und Sozialdemokratie mittlerweile sehr stark im Überbau und vielen Köpfen festgesetzt. Dementsprechend entwickelt sich das Land auch zunehmend. Hauptfigur des hier erwähnten Krimis ist der Polizeischüler Johan, der auf Undercover-Einsätze spezialisiert ist. Also wird er als vermeintlicher Student an eine schwedische Universität geschleust, um einen Serienkiller zur Strecke zu bringen. Dieser hat nämlich an der Universität grausame Morde zu verantworten, die er aber als skurrile Unglücksfälle inszeniert hat. Wie es so ist, gehört auch etwas Liebe zu diesem durchaus spannend gedrehten Film. Der Polizist verliebt sich in eine junge Studentin. Und mindestens hier setzt die subtile Botschaft ein. Das hübsche blonde Mädchen positioniert sich natürlich deutlich gegen “Rassismus” und “elitäre Typen”. Der junge Polizist kommt darauf ins Grübeln, ob er sich vielleicht selbst zu “elitär” verhalte, was ihm von einem Kollegen bejaht wird. Schließlich aber ist der “elitärste” Typ überhaupt der Mörder. Dieser gibt für seine Taten vor, faktisch das minderwertige “lebensunwerte Leben” ausmerzen zu wollen, um neuen elitären Ansprüchen gerecht zu werden. Also eine gewisse Form von SS-Ideologie, allerdings auf die unterste und pathologische Ebene heruntergebrochen. Es ist klar, dass der irre Mörder am Ende selbst seine Minderwertigkeit im Lebenskampf offenbart. Er verliert den Kampf gegen Johan und stürzt  – dies ein altbekanntes Motiv – vom Hausdach in die Tiefe. Ein Hitler-Schicksal also. Glücklicherweise war die ideologische Botschaft in dem Film nicht so dick aufgetragen, dass man ihn nicht genießen konnte. Ein wenig erinnerte er dabei an Mathieu Kassovitz´ “Die purpurnen Flüsse” von 2000, wenngleich letzterer die “antielitäre” Botschaft weit penetranter und dadurch bedingt ungenießbarer transportiert.
Man sieht eben immer wieder, dass selten Unterhaltung nur Unterhaltung ist. Oft existiert eine zweite Ebene, hinter der sich ideologische Botschaften verstecken. Das ist oft gar nicht vermeidbar und nicht immer desaströs. Es schadet dennoch nicht, seinen Blick zu schärfen, und diese Botschaften zu erkennen.

 
Claus Wolfschlag
Foto: Rainer Sturm, pixelio.de

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