Design Blond

663254_klein_R_B_by_Tim Reckmann_pixelio.deSeit Jahren wird in Fachwelt und Presse davon geschrieben, daß blonde Menschen langsam aussterben. Die Rede ist von echten Blonden, nicht mit Wasserstoff blondierten, die in manchen Regionen Zuwachsraten zu verzeichnen haben. Vorzugsweise unter den Angestellten von Friseursalons.
Schon vor zwölf Jahren schrieb die Welt: „In den vergangenen 50 Jahren soll der Anteil an blonden Menschen an der Gesamtbevölkerung von 40 auf 14 Prozent gesunken sein. In Deutschland kommen gar nur acht Prozent aller Frauen und nur sechs Prozent der Männer blond zur Welt.“ Der schlichte Grund ist, daß blond genetisch rezessiv ist, dunkel hingegen dominant. Durch die aktuelle Einwanderungsentwicklung dürfte diese Tendenz an Dynamik gewinnen, denn kaum noch bieten sich Rückzugsgebiete für Blonde, in denen sie mit „dunklen Genen“ nicht in Berührung kommen können.
Eine Welt ohne Blonde? Für manche Anhänger multiethnischer Gesellschaften mag das ein lang gehegter Traum sein. Der sich aus verschiedensten kulturellen und rassischen Bestandteilen zusammensetzende „Cross-Culture“-Mensch wurde im Milieu urbaner Werbestrategen schon Ende der 1980er Jahre als neues globales Menschheitsideal der Zukunft propagiert. Mittlerweile deckt es sich mit dem geistigen Überbau des „Diversity“-Konzepts. Daß nur Vereinheitlichung und keine „bunte Welt“ herauskommt, wenn man die Bestandteile des Baukastens immer und immer wieder durchmischen will, steht auf einem anderen Blatt. Aber letztlich dürfte die Normierung und Beseitigung von Unterschieden auch das Endziel heutiger Bestrebungen nach „Vielfalt“ sein.
Durch Biotechnologie zur Menschenzucht?
Zuerst einmal dürften indes die Blonden beseitigt werden. Und zwar keinesfalls durch Gewalt, sondern durch die Kraft der genetischen Gesetze. Doch Halt: Menschlicher Erfindergeist scheint dieser Entwicklung möglichenfalls eine Barriere vorzuschieben. Es wäre nicht das erste Mal, daß eine technische Entdeckung das menschliche Leben stärker verändert als alle Ideologien und Theorien.
Das US-amerikanische Biotechnologie-Unternehmen „23andMe“ hat nun ein Patent auf die Auswahl von Designer-Babys erhalten. Dadurch eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Kinder könnten demnach in Zukunft durch den Willen ihrer Eltern blaue Augen oder Stupsnasen erhalten. Züchtung ist ein seit Jahrtausenden in der Haus- und Nutztierhaltung gebräuchliches Verfahren. In der Menschheit stand dem stets der Anspruch auf Menschenwürde und Selbstbestimmung der Partnerwahl entgegen. Zuchtanstalten, wie der NS-Lebensborn, sind auch deshalb in Verruf, weil sie der idealen Vorstellung des Kindes als aus der Liebe geborener Leibesfrucht widersprechen.
Durch „23andMe“ aber könnte nun die menschliche Zucht durch die Hintertür Fuß fassen. Zudem könnten genetisch bedingte Erbkrankheiten zukünftig verhindert werden, was nicht nur viel Leid, sondern auch enorme gesellschaftliche Kosten ersparen würde.
Eine Gruppe wird es freuen: die Blonden
Religiöse Gruppen werden selbstverständlich Sturm dagegen laufen, weil sich einmal mehr der Mensch anmaßt, „Gott zu spielen“. Ebenfalls werden diejenigen gesetzliche Riegel vorzuschieben versuchen, die ihr Ziel einer Vereinheitlichung der Menschheit auf natürlichem Weg in Gefahr sehen. Bis sie womöglich erkennen, daß diese Vereinheitlichung vielleicht auch über den Weg der Genmanipulation, und zwar durch massenhafte Suggestion von Schönheitsidealen, erreichbar sein könnte.
Es ist klar, daß Designer-Babys erst einmal verboten werden. Dennoch ist es nun einmal mit technischen Entwicklungen so, daß sie sich stets ihren Weg bahnen. Gibt es für Eltern in Westeuropa diesbezüglich keine Möglichkeiten, dann findet sich sicher in Zukunft manche medizinische Praxis in Südamerika, in der gegen gewisses Entgelt das Kind nach Wunsch gezeugt werden kann. Schon heute fahren Paare in die USA, um sich dort künstlich befruchten zu lassen, wenn das in Deutschland nicht möglich ist.
Die Entwicklung wird also nicht nachhaltig aufgehalten werden können, weil sie nämlich dem ewigen Wunsch des Menschen nach einem gesunden, schönen und klugen Kind entspringt. Man mag dazu stehen, wie man will. Eine Gruppe aber wird es garantiert freuen: Die Blonden werden mit Sicherheit nicht aussterben.

 
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 15.10.2013
Foto: Tim Reckmann, pixelio.de

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