In der Zange der Propaganda. Feministen und Christlich-Konservative geben sich die Klinke in die Hand

219942_web_r_k_b_by_jerzy_pixelio-deVor kurzem versuchte mir eine Frau aus Südamerika das Eheleben schmackhaft zu machen. Eine Ehefrau würde immer gut für einen kochen und Wäsche waschen. Sie schloss mit den Worten: „Aber nimm dir bloß keine Deutsche. Die sind kompliziert.“ Ich lachte: „Südamerikanerinnen sind auch kompliziert.“ Und sie antwortete: „Ja, aber die Deutschen sind noch viel komplizierter.“
Diesen Satz scheint die bizarre „Sexismus-Debatte“ bestätigen zu wollen, die Anfang des Jahres durch die Medien gepeitscht wurde. Eine Stern-Autorin fühlte sich nachts an einer Bartheke durch einen kessen Spruch des FDP-Politikers Rainer Brüderle so belästigt, dass sie nach einem Jahr der Schockstarre eine Debatte anstieß, wie sie von allen Teilen der Erde am ehesten im nördlichen Westeuropa zu finden sein dürfte. Alice Schwarzer und Claudia Roth konnten sich erneut in Talkshows über „Belästigungen“ echauffieren, bis die nächste Sau durch die Medienkanäle getrieben wurde.
Vorab: Natürlich ist es das legitime Recht einer Frau, sich gegen Nötigungen, Beleidigungen oder sexuelle Übergriffe zu wehren, obgleich dies bei der Causa Brüderle gar nicht der Fall war. Problematisch ist allerdings die feministische Aufladung derartiger Vorgänge, die eigentlich nur den zivilisierten Umgang miteinander betreffen. Durch den Feminismus aber kommt es regelmäßig zur faktischen Kriminalisierung von alltäglich zwischen Mann und Frau stattfindenden Balzritualen. „Belästigung“ nämlich ist, so wird immerhin festgestellt, ein Gummibegriff. Er beruht auf der rein subjektiven Empfindung der jeweiligen Frau. Jeder Kopf ist anders, trägt eigene Bilder und Erfahrungen mit sich herum, und man kann nicht einfach in ihn hineinschauen. Man(n) weiß nicht im voraus, ob man einer Frau gefallen könnte, ob sie sich gerade in diesem Moment „belästigt“ fühlt oder nicht, ob man durch irgendeine Äußerung zufällig an einer negativen Erfahrung der Vergangenheit rührt. Gewöhnlich will eine Frau ja „belästigt“ werden. Sie will, dass ihr auf den Hintern geschaut, sie berührt, ihr ein unzüchtiges Angebot gemacht wird. Allerdings nur vom „Richtigen“, dem sie sich hingeben möchte. Am liebsten ist dies jenes Alpha-Tier, das unbewusst gute Versorgung und Schutz verspricht. Hätte statt Brüderle damals Brad Pitt neben jener „belästigten“ Stern-Autorin gestanden und die gleichen Worte mit anderem Tonfall von sich gegeben, sie würde womöglich heute noch bei den Kolleginnen damit angeben.
Da aber ein Mann oft nicht von vornherein einschätzen kann, ob er vielleicht der „Richtige“ ist, kann er dies nur abtesten oder die „Kampfzone“ (Michel Houellebecq) freiwillig räumen. Vermutlich ist letzteres das geheime Ziel des Feminismus – die völlige Entsexualisierung des Mannes. Denn wenn man, wie etwa die Feministin Julia Seeliger vorschlägt, vor jedem Sex erst einmal lange über das ob, wie und warum diskutiert, kann man auch gleich bei der Diskussion bleiben: Sex wird nicht mehr stattfinden, da er auf der nonkognitiven Ebene funktioniert. Der Mann muss sich also einer Frau nähern, mit ihr zu flirten versuchen, sie anschauen, berühren. Und es erfordert dann eben seine Sensibilität, Ablehnung zu erkennen und eine Absage auch zu akzeptieren. „Belästiger“ der negativen Sorte sind schlechte Taktiker. Sie wollen zu früh und zu direkt ans Ziel, haben keine Umgangsformen und akzeptieren kein „Nein“.  Wobei selbst ein von einer Frau signalisiertes „Nein“ nicht morgen auch noch „Nein“ heißen muss. Ich erinnere mich an den Fall eines Mädchens aus meiner Schulzeit, die sich mehrfach abfällig über einen lästigen Verehrer äußerte. Schließlich heiratete sie ihn. „Hartnäckigkeit kann bei mir schon zum Erfolg führen. Man sieht, dass sich jemand bemüht und gibt ihm doch eine Chance“, sagte mir einmal eine Bekannte.
Flirt ist natürlich auch ein Handwerk, bloß dass man es leider in keiner Institution lernen, sondern nur üben kann. Der Mann muss sich also im grausamen Praxisbereich austesten, ein „Belästiger“ werden und dabei bereits in jungen Jahren negative Erlebnisse verdauen. Viele junge Männer machen diese Grunderfahrung in ihrer Jugend, wenn sie ihren ganzen Mut zusammen nehmen, einen Backfisch ansprechen, dann aber in arroganter und demütigender Form einen Korb erhalten. Sie müssen danach einfach wieder aufstehen, ihr oft zu idealistisches Frauenbild überarbeiten, sich abhärten, um irgendwann Erfolg haben zu können, denn niemand interessiert sich für das Jammern ob verletzter männlicher „Menschenwürde“.
Bezeichnend an den „Sexismus-Debatten“ ist, dass sie kaum von den wirklich „Betroffenen“ geführt werden, sondern in der Regel von Feministinnen, die zu großen Teilen vermutlich schon lange nicht mehr wirklich belästigt wurden. Feminismus ist heute also vor allem ein Phänomen älterer Frauen einer bestimmten Generation und eines bestimmten politischen Milieus. Dabei kann man jenen kleinen Teil der jüngeren Frauen außer acht lassen, die sich entweder vom Feminismus angezogen fühlen, weil er ihnen ein Identitätsangebot bei Selbstfindungsproblemen liefert oder gewissen Karriereaussichten im Medien- und Kulturbetrieb. Auch das primär osteuropäische Phänomen „Femen“ kann hierzulande vernachlässigt werden, handelt es sich hierbei doch eher um eine anarchistische Spaßguerilla mit Hot Pant und Bauchnabelpiercing, die lustvoll gegen alles mögliche protestiert. „Femen“ steht diversen chaotischen Facebook-Partys und „Harlem Shakern“ weit näher als den zutiefst protestantischen und links gestrickten hiesigen Feministen.
Bezeichnenderweise richten sich deren Anklagen ja auch in der Regel gegen den weißen Normalmann, kaum aber offen gegen die durch Einwanderung importierte reale Frauendiskriminierung. Feministisch durchwirkte „Sexismus“-Debatten fungieren somit als politisch aufgeladene Rache der älteren Frau. Dazu muss man wissen, dass Frauen den Mann oft psychologisch zu manipulieren versuchen, um ihn zu binden und in der Erfüllung seines genetischen Drangs zu hemmen, das eigene Erbgut möglichst weit, vor allem bei jungen, gebärfähigen Frauen, zu verbreiten. Diese Manipulationen erfolgen beispielsweise mittels Erzeugen von moralischem Druck, von Schuldgefühlen oder durch Entmutigung des Mannes. Der moralische Appell an das Eheversprechen und das Familiengefühl gehört durchaus auch in diesen Bereich. Entgegen dem feministischen Irrtum, in der Familie den Hort patriarchaler Macht zu sehen, handelt es sich bei ihr vielmehr um eine traditionell die Frauen schützende und Sicherheit gebende Institution. Die psychologische Manipulation wird von Frauen umso stärker eingesetzt, je mehr sie sich nicht mehr allein auf ihre sexuelle Anziehung verlassen und auch nicht mehr so unkompliziert wie mit Anfang 20 problematische Liebespartner einfach auswechseln können.
Auch hier bemächtigt sich der Feminismus eines immerwährenden Phänomens des „Geschlechterkampfes“, um dieses politisch zu besetzen und zu lenken. Eine legitime Überlebensstrategie und Form der weiblichen Machtausübung wird also durch den Feminismus in eine politisch-juristische Sphäre gehoben. Diese neopuritanischen Frauen, die ein ohnehin problematisches Verhältnis zur Sexualität haben, wollen diese auch den Männern verleiden, notfalls über den juristischen Weg oder den Umweg der Aufwiegelung junger Frauen. Feminismus beruht also zu einem großen Teil auf dem Sexualneid gegenüber dem Mann, der zwar vor allem in der Jugend weit weniger sexuelle Möglichkeiten als die Frau hat, aber dafür über eine potentiell längere sexuell aktive Phase verfügt. Hier liegt eine Erklärung dafür, dass die jungen, von „Belästigungen“ eventuell wirklich betroffenen Frauen dem Feminismus und der aufgebauschten „Sexismus“-Debatte meist viel desinteressierter gegenüber stehen als jene, deren oft unreflektierten Affekte nur auf negativen Erfahrungen der Vergangenheit und Medienklischees beruhen.
Dies bedarf der Erläuterung. Viele Mechanismen in unserer Gesellschaft basieren versteckt auf der Sexualität. Ganze Industrien könnten fast schließen, wenn durch ihre Produkte nicht eigentlich versucht wird, sexuelle Attraktivität zu kaufen – die komplette Kosmetikindustrie beispielsweise, Teile der Textil- und Automobilindustrie, ebenso das Schmuckhandwerk. Und der Sexualneid der reiferen Frau gegenüber dem älter werdenden Mann erscheint mir ein wichtiger Schlüssel zur Erklärung des Phänomens Feminismus. Vor allem der aus dem Feminismus resultierenden Forderung nach Begünstigung von Frauen in Führungspositionen oder nach Frauenquoten in Chefetagen von Unternehmen. Er erklärt zum Beispiel auch, warum ein Silvio Berlusconi geradezu zum Hassobjekt der Feministinnen prädestiniert ist, umgibt er sich doch nicht allein mit jungen, attraktiven Frauen, sondern lebt insgesamt ein Leben vor, das Frauen in ihrer zweiten Lebenshälfte biologisch einfach verwehrt ist. Möglich ist ihm dies durch seinen Wohlstand, sein Charisma, seine Machtposition, was durchaus auf attraktive Frauen auch ehrlich anziehend wirkt. Männern ist also durch Macht und Geld möglich, ihre Alphatier-Qualitäten kompensatorisch auch gegen die Wucht des Alters zumindest teilweise zu erhalten. Dies ist Frauen indes völlig unmöglich. Denn was der älter werdende Mann durch seine Arbeit, durch Geld, Statussymbole teils erhalten kann, funktioniert umgekehrt nicht. Keine Frau wirkt sexuell attraktiver auf Männer, bloß weil sie einen großen Sportwagen fährt, 10 Brillantringe an den Fingern trägt oder sich mit der Bezeichnung „Managerin“ schmücken kann. Allenfalls etwas Sozialneid bei den eigenen Geschlechtsgenossinnen vermögen Frauen hierdurch bewusst zu schüren. Immerhin, denn dies ist ein nicht zu unterschätzendes Moment zwischenweiblicher Interaktion. Weitergehende berufliche Ambitionen als jene der Grundsicherung oder eines guten Auskommens sind für Frauen allerdings eigentlich nicht nötig, ja sinnlos, sogar schädlich, da sie sich einem männlich geprägten Leistungsrhythmus qualvoll anpassen müssen. Feministinnen, die mehr Managerposten für Frauen fordern, sind also entweder irrende Idealisten, die meinen, dass Frauen wirklich bessere Menschen sind und somit eine humanere Politik durchzusetzen in der Lage wären. Oder sie irren, indem sie ernsthaft glauben, Frauen könnten durch materielle Statussymbole Jugend und sexuelle Anziehungskraft erhalten. Oder aber sie – und dies ist meine These – sind primär von destruktivem Sexualneid geleitet. So soll die Frau, die durch Quotenregelung auf einen Chefsessel gelangt ist, gar keinen unmittelbaren Nutzen davon haben. Der Nutzen liegt vielmehr darin, einen Mann von einem Chefsessel verdrängt zu haben. Darin also, einem Mann den Zugang zu Geld und Macht verwehrt zu haben, also zur Kompensation seiner Alterung. Man hat einem Mann somit erschwert, im fortgeschrittenen Alter noch leichten Zugang zu Liebesbeziehungen mit attraktiven Frauen zu finden, Sexualität auszuleben, also vermeintlich „besser“ zu leben, als die ihr Altern spürenden Feministinnen.
Ich möchte dazu anmerken, dass hier von Feministinnen die Rede ist, und das selbstverständlich keinesfalls sämtliche älteren Frauen in solchem Ausmaß von derlei destruktivem Neid und Hass geprägt sind. Vor allem nicht, wenn sie in der Rolle als Mutter und Großmutter, als „mater familias“, eine einflussreiche Position und den Weg zu Güte und innerem Frieden gefunden haben. Bei Feministinnen ist das jedoch in der Regel gerade nicht der Fall.
Allerdings wird auf konservativer Seite dennoch die Bedeutung des Feminismus überschätzt. Langfristig wird die Natur allerlei biologisch unbrauchbare Gender-Gedanken einfach aussieben. Ohnehin scheint der Feminismus in die Saturierungsphase eingetreten, auf die der Abstieg folgen dürfte, denn zeitgleich mit der „Sexismus-Debatte“ berichteten die Medien vom finalen Sieg über die „letzte Männerdomäne“: Im US-Militär dürfen demnächst auch Frauen mit Kopfschuss in einem Schlammloch liegen bleiben.
Zudem ist die aktuelle Veränderung der Familie kein Ergebnis des Feminismus, sondern der technisierten, modernen Wohlstandsgesellschaft und des Individualismus in den westlichen Ländern. In seinem im Internet auffindbaren Aufsatz „Was erwartet uns? Eine Reise durch die Zeit…“ stellt der Autor Karl J.J. Gschwendtner einen Zusammenhang zwischen der Verdichtung des menschlichen Lebensraums, der Zunahme von Single-Haushalten und der Abnahme der Fertilität her. Durch die moderne, großstädtische Lebensweise sei es weit schwieriger, Kinder aufzuziehen, als in einer weiträumigen landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft: „Jetzt aber, wo auch die kinderreiche 3. Welt rasend schnell verstädtert, tauchen die gleichen Phänomene auf wie bei uns – auch dort sinkt die Geburtenrate in den Städten! Die meisten dieser Frauen sind völlig ungebildet, kennen keine Familienplanung, Verhütungsmethoden etc., und doch sinkt die Geburtenrate!  Auf dem Land, wo jeder seine Hütte oder sein Haus hat, macht es den Kohl nicht fett, wenn ein kleiner Zwerg mehr im Garten herum tollt, ein Tellerchen mehr auf dem Tisch steht. In einer 1 – 2 Zimmerwohnung in der Stadt hingegen kann ich keine 10 Kinder unterbringen. Und wer passt auf sie auf, wenn die Eltern bei der Arbeit sind? Spielplätze gibt es nicht. Wer kocht für sie? Gehen die Kinder auch zur Schule? Usw., usw. Kurz: Das Land ist kinderfreundlich, die Stadt aber `hasst´ Kinder. Auf Dauer überlebt nicht einmal die Kleinfamilie in diesem Asphaltdschungel, sondern nur der erwachsene Single.“
Man kann es, wie viele konservative Kritiker, als Dekadenzphänomen werten, dass viele Menschen auch auf den Kostenfaktor von Kindern verweisen. Doch ganz zu leugnen ist der reale Hintergrund eben auch nicht. Das Statistische Bundesamt bezifferte die Ausgaben deutscher Eltern für ihr Kind bis zum Erreichen der Volljährigkeit immerhin auf rund 120.000 Euro, also durchschnittlich etwa 550 Euro im Monat.
Unlängst schimpfte ich bei einem Freund über Eltern, die ihren 13-jährigen Kindern die neuesten iPhones kaufen, damit ihnen diese, wie ich zuvor in mehreren Zeitungsartikeln gelesen hatte, umgehend von rabiaten Jungmigranten gestohlen werden. „Hätte man früher seinem Kind einfach einen 500 Euro-Schein in die Hand gedrückt, damit es offen damit durch die Straßen läuft?“, sagte ich. Mein Freund, Vater zweier pubertierender Kinder, antwortete mir: „Du unterschätzt unter welch starkem Druck Mittelstands-Eltern stehen, die Konsumstandards ihrer Kinder zu befriedigen.“ Zieht man nicht mit bei Markenklamotten, technischen Gerätschaften oder dem selbst finanzierten Auslandsjahr für Schüler, läuft man Gefahr, dass das Kind sozial ausgegrenzt oder später beruflich abgehängt wird. Ein solch hoher Standard, von Nike-Turnschuhen bis zur Spielkonsole oder dem Apple-iPad kann eben nur bei einer begrenzten Anzahl von Kindern aufrechterhalten werden.
Zu diesen ökonomischen Zwängen kommt die Überfütterung mit Medienbildern, durch die es schwieriger geworden ist, überhaupt einen passenden Partner zu finden, weil schlicht die Ansprüche an ihn und die eigene Lebensgestaltung gestiegen sind. Außerdem machen Wohlstand und Arbeitswelt die Familiengründung derzeit nicht zum wirtschaftlichen Muss für Frauen. Auch Kinder sind heute meist kein „Naturunfall“ mehr, sondern Produkt bewusster Lebensplanung. Die Kleinfamilie ist also heute ein wählbarer Lebensentwurf neben anderen, die die Gesellschaft anbietet. Von einem Zerfall der Familie kann dennoch nicht die Rede sein, da gerade in der jungen Generation Werte wie Partnerschaft und Treue hoch im Kurs stehen. Und der Wunsch nach Kindern ist generell ein anthropologisches Grundbedürfnis.
Dabei bitte ich also nicht missverstanden zu werden. Ich halte das Aufziehen von Kindern für ein Elementarerlebnis und rate oft dazu. Das Aufziehen eines Kindes lässt uns das Leben abrunden. Wir erfahren das Leben noch einmal, nur aus der anderen Perspektive und der Gewissheit, dass alles, auch wir ein bisschen, weiterlebt. Vielen Frauen, die mir von ihren beruflichen Schwierigkeiten, psychischen Problemen oder verqueren Partnersuchen klagten, habe ich geantwortet: „Die Lösung deiner Probleme ist einfach: Suche dir einen Mann und bekomme ein Kind, bevor es zu spät ist. Es wird dich glücklich machen.“ Doch viele tun es nicht, machen lieber weiter so, erzählen von irgendwelchen Karriereaussichten, dem nächsten Konsumwunsch oder klagen über die nächste Selbstfindungs-Unsicherheit. Hier zeigt sich das eigentliche Unglück, das der Transport feministischer Bilder in den etablierten Medien hervorbringt. Die wahren Opfer des Feminismus ist jener Teil der Frauen, der durch solche Fehlleitung um eine Glückserfahrung betrogen wird. Die behauptete Verunsicherung des Mannes hält sich dagegen in Grenzen. So haben sich die hiesigen Männer schon lange mit der arbeitsteiligen Gesellschaft, mit Dienstleistungsjobs und Frauen in der Arbeitswelt arrangiert, auch wenn das naturgemäß nicht spannungsfrei abläuft. Wer sich dennoch nach einem Leben in „Männlichkeit“ sehnt, kann jederzeit einen Beruf als Landwirt, Polizist, Zeitsoldat oder Leiter von Abenteuer-Reisen annehmen.
Doch es gilt auch den Blick auf die Gegenseite zu richten, die dem Feminismus durch Gegenpropaganda zu begegnen versuchen. Angesichts der Realitäten der modernen Gesellschaft erweisen sich allerdings diese Gegenappelle christlich-konservativer Publizisten als wirkungslos. Die diesen nahe stehenden Gruppierungen können das Lied der Familie in bunten Farben noch so sehr predigen, können Baby-Kulleraugen und Bilder lachender Ehepaare auf ihre regelmäßigen Rundschreiben drucken, können eventuell gar über Probleme des Rentensystems oder den Volkstod klagen – es wird junge Paare nicht beeinflussen. Diese treffen die für sie gravierende persönliche Entscheidung, zu heiraten und Kinder zu bekommen, ganz allein, ganz aus eigener Überlegung. Zudem wirken die in konservativen Medien vorgestellten Idealfamilien oft so geglättet wie die vollintegrierten Vorzeige-Muslime in der etablierten Presse. So dumm sind junge Paare mit einer gewissen geistigen Reife nicht, dass sie nicht ahnten, dass mit einer Familiengründung auch Probleme verbunden sind. Meist werden diese trotzdem noch unterschätzt. „Wenn die Leute wüssten, was auf sie zukommt, würden sie noch weniger Kinder bekommen. Es ist gut, dass man als junge Mutter nicht zu viel weiß“, sagte mir eine Freundin mit Sohn im Kindergartenalter. Ein Freund, Vater zweier Kinder im Vorschulalter, dankte mir im Sommer, ihn auf ein Konzert begleitet zu haben: „Es tut so gut, mal wieder Impulse von außen zu bekommen, die jenseits von Arbeit und Kindern liegen.“ Er leide unter häufiger Übermüdung, weil die Kinder nicht durchschlafen, dann die Krankheiten, die oft auf die Erwachsenen übergreifen, die Verlangsamung aller Alltagsabläufe. „Ich sage immer, dass es genau so gut ist Kinder zu haben wie keine. Das Leben wird nicht besser durch Kinder, es erhält nur eine tiefere Dimension, die ich auch nicht missen will. Aber, weißt Du, wenn Du das mehrere Jahre machst, bist Du irgendwann nur noch fertig. Körperlich und geistig. Wir sind völlig ausgelaugt, vor allem durch den Schlafentzug. Für mich sind die Stunden im Büro dagegen Regenerationsphasen. Und auch die Partnerschaft leidet, denn reden können wir nur noch spätabends, aber da sind wir schon müde.“ Einem alten Bekannten, Vater von vier Kindern, erwähnte ich unlängst, auch den natürlichen Wunsch nach einem Kind zu haben. Er lachte mich kopfschüttelnd an und sagte: „Offenbar scheint es in der Natur des Menschen zu liegen, sich unbedingt versklaven zu wollen.“ Keiner dieser Menschen würde auf seine Kinder verzichten wollen, alle lieben diese, kümmern sich fürsorglich, versuchen eine glückliche Ehe zu führen. Doch ich bin sicher, wenn sie die nur in rosa getünchte christlich-konservative Familien-Propaganda sehen würden, ein mildes Lächeln würde sich auf ihre amüsierten Lippen legen.
Beschwören die Feministen Geschlechterkonflikte, wo sie nicht sein müssen, so propagieren die Christlich-Konservativen eine Glückseligkeit, die es nicht gibt. In Wirklichkeit ist die Ehe kein statischer Endzustand, sondern der Entschluss eines Paares, sein Leben fortan gemeinsam zu gehen, also auch die Lage stets aufs Neue auszutarieren. Sie ist eine Veränderung des Daseins, aber keinesfalls zwangsläufig ein Endpunkt ewigen Friedens. Man versucht es, man schafft es, man arrangiert sich oder auch nicht. Gleichwohl bietet die Ehe die Basis für das Bedürfnis des Menschen, nicht einsam zu sein, umsorgt zu werden und selbst zu kümmern, also eine Situation des allgemeinen harmonischen Auskommens zu gestalten.
Ehen waren in der Vergangenheit oft Wirtschaftsbeziehungen, die mit Liebe nicht viel zu tun hatten. Insofern ist die heute häufig anzutreffende Trennung nach einigen Jahren sicher nicht schöner, aber bisweilen sogar „natürlicher“ als manche Ehe früherer Jahrhunderte, dient sie doch immerhin auch der Neumischung des Genpools. Ob traditionelle Monogamie, ob serielle Lebensabschnittpartnerschaften oder polygame Dauerstrukturen – die Bindung zwischen Mann und Frau wird nie enden, sondern nur vielfältigere Wege gehen. Möglichenfalls ist die Patchwork-Familie der Zukunft eine Wiederkehr der Großfamilie oder Sippe. All das muss nicht schlecht sein, so es auf einem gesunden zwischenmenschlichen Boden wächst.
Und dieser Boden trägt den schlichten Namen Liebe. Wenn Mann und Frau Gelassenheit lernen, eigene Ängste überwinden, Verletzungen der Vergangenheit aufarbeiten, einander mit Respekt begegnen, stets miteinander arbeiten und jeden auch als Geschöpf Gottes betrachten, dann hat man den ersten Schritt zum harmonischen Miteinander getan. Kinder werden von alleine entstehen. Dazu aber bedarf es keines Feminismus und keiner „Sexismus-Debatten“, ebenso keiner christlich-konservativen Appelle, sondern vor allem einer Schulung in Liebe. Warum nicht als Unterrichtsfach in unseren Lehranstalten?

 
Zuerst veröffentlicht bei http://www.blu-news.eu am 22.4.2013
Foto: Jerzy, pixelio.de

Advertisements