Die „antirassistische“ Praxis (II): Kopf

316315_web_r_by_rike_pixelio-deVor 14 Tagen wurde von mir auf die Präsenz „antirassistischer“ Kampagnen in unterschiedlichen Orten Deutschlands hingewiesen. Dabei wurde gezeigt, dass die stets wiederkehrenden Agitationsmuster ganz unabhängig von den realen örtlichen Gegebenheiten auftreten, also egal ob z.B. überhaupt „Rassisten“ vor Ort leben oder ob es überhaupt mögliche und real bedrohte Opfer von „Rassismus“ vor Ort geben könnte.
Und natürlich erweisen sich „antirassistische“ Veranstaltungen und „Gegen-rechts“-Initiativen stets auch als Selbstläufer auf der Mikroebene. Also vor allem bei den von konservativer Seite kritisierten „Gutmenschen“, ein übrigens unfreiwillig verharmlosender Terminus. Diversen linken und kirchlichen Organisationen nahe stehende Bürgern werden eben im Engagement gegen „Rassismus“ und für gelebte „Vergangenheitsbewältigung“ identitätsstiftende Angebote gemacht. Gerade als Folge des Utopie-Verlusts nach dem Zusammenbruch des Ostblocks werden diese „antifaschistischen“ Angebote begierig aufgegriffen, um Ersatzbefriedigung im immer gleichen Abspulen gelernter Denkmuster zu liefern. Das kann vom Verlegen neuer Stolpersteine oder Gedenkplatten, über volkspädagogische Vorträge zur NS-Zeit (die am allerwenigsten an neuen Erkenntnissen interessiert sind) bis hin Demonstrationen gehen, um Präsenz und Konsens auch auf der Straße zu zeigen.
Gelegentliche Kritik an diesen lieb gewonnenen Positionen wird dabei natürlich in individuell unterschiedlichen Aggressionsstufen wegzuschreien gepflegt. Interessant ist daran vor allem aber, dass die geistige Konditionierung seit Jahrzehnten so gut greift, dass die daraus resultierende und völlig offenliegende Irrationalität gar nicht mehr erkannt geschweige hinterfragt wird. Und die Aktion bedarf keines konkreten Anlasses mehr. Doch das liegt daran, dass die Akteure vor Ort eben auch nur das (im Zweifel dumme) Fußvolk am Ende der Machtpyramide darstellen, nicht aber die intellektuellen Vordenker. Fast sämtliche „antirassistischen“ Aktivitäten werden hingegen heute von oben initiiert und gelenkt.
Hinter linken „Bündnissen“ stecken einflussreiche internationale Akteure
Exemplarisch kann man das bei den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ erkennen, die bereits vor 14 Tagen erwähnt wurden. Vor Ort fungieren als Veranstalter oft irgendwelche Aktivisten linker Kleinorganisationen, meist hinter wenig offenkundigen „Bündnis“-Namen, z.B. „Bunt statt braun“, auftretend. Doch dies ist, wie gesagt, nur Fußvolk. Wirklich dahinter stecken hingegen stets einflussreiche nationale und internationale Akteure.
Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“, die diesjährig vom 11. bis 24. März stattfanden, waren somit mitnichten das Werk kommunaler Initiativen. Gemeinsam mit mehr als 70 bundesweiten Organisationen und Einrichtungen forderte vielmehr der „Interkulturelle Rat in Deutschland” dazu auf, sich an diesen Aktionswochen zu beteiligen und „Zeichen gegen Rassismus“ zu setzen. Dieser „Interkulturelle Rat“ wiederum wurde 1994 auf Initiative des 1941 geborenen Theologen Jürgen Micksch ins Leben gerufen.
Micksch, der bis 1984 als Oberkirchenrat beim Kirchenamt der EKD für Ausländerfragen fungierte, gilt als einer der Väter der Konzepte „multikulturelle Gesellschaft“ und „Antirassismus“ in Deutschland und als einer deren radikalster Verfechter. Der überaus umtriebige Ideologe war zudem Mitglied der Rassismus-Arbeitsgruppe des Ausschusses der Kirchen für Ausländerfragen in Europa (Brüssel), Vorsitzender des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur „Woche der ausländischen Mitbürger“ und der bundesweiten Arbeitsgruppe „Pro Asyl“. Micksch ist ein Beweis dafür, dass die christlichen Amtskirchen (vor allem die EKD) eine maßgebliche Rolle beim geistigen Überbau der Einwanderungsgesellschaft gespielt haben.
Am Anfang standen die Vereinten Nationen
In besagtem „Interkulturellen Rat“ sind heute neben bekannten Politikern wie Rita Süßmuth Gewerkschaftsvertreter, Medienvertreter, Migrationsbeauftragte, hohe Ministerialbeamte, Vertreter multikultureller Lobbyverbände, Vertreter türkisch-islamischer Verbände und Hochschulprofessoren Mitglieder. Eine genaue Liste findet man hier.
Unterstützung fanden die diesjährigen „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ u. a. von der bekannten Amadeo Antonio Stiftung, von „Pro Asyl“, der Evangelischen Kirche in Deutschland, dem DGB, dem Deutschen Fußball-Bund, aber auch vielen Großkonzernen, darunter Lidl, Axa, Rewe, Ergo, Hornbach oder Nike. Gefördert wird das Ganze natürlich von der Bundesregierung.
Die Veranstaltungen basieren wiederum auf dem 1966 von der UN-Vollversammlung zum „Internationalen Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung“ erklärten 21. März, der 1979 durch eine alljährlich initiierte Aktionswoche ergänzt wurde.
Die Dimension nicht unterschätzen
Die europaweiten Aktivitäten zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ werden seit 1993 von dem pan-europäischen Netzwerk „UNITED for Intercultural Action“ koordiniert. Beim Internet-Lexikon Wikipedia heißt es ganz freimütig zu dieser Vereinigung von 560 Organisationen: „UNITED for Intercultural Action ist ein pan-europäisches Netzwerk gegen Nationalismus, Rassismus, Faschismus und für die Unterstützung von Einwanderern und Flüchtlingen.“
Wer also meint, er müsse sich über die nächste einseitige Ausstellung oder den nächsten wirklichkeitsfernen Vortrag in seinem Heimatort aufregen, der unterschätzt die Dimension. Er sieht nur das Endprodukt, die Idee dazu wurde aber bei einflussreichen, oft international positionierten Personen entwickelt und von riesigen Organisationsnetzwerken getragen. Stets lohnt es sich, den Blick nach oben beziehungsweise hinter die Kulissen zu richten.

 
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 15.4.2013
Foto: Rike, pixelio.de

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