Quark hoch zehn: “Rundschau”-Journalisten zur “Ausländer-Problematik”

592436_web_R_K_B_by_Annamartha_pixelio.deDurch eine Rezension in der Tagespresse wurde ich auf ein selten dämliches Druckerzeugnis aufmerksam. Das Buch heißt „Deutschland ohne Ausländer“ und wurde von den Matthias Thieme und Pitt von Bebenburg herausgegeben. Beide sind bzw. waren für die niedergehende „Frankfurter Rundschau“ tätig. Angesichts des Konfliktpotentials mit der islamischen Welt, der Euro-Schulden-Krise und des Abbaus demokratischer Mitbestimmung seitens einer ausufernden EU-Bürokratie könnte man manch reales Krisenszenario entwickeln. Nichts aber liegt Thieme oder Bebenburg offenbar ferner. Statt dessen verlegt man sich ins Ideologische und Absurde.
Selbstverständlich ist für die beiden Journalisten die Vorstellung eines Deutschlands ohne Ausländer eine seelisch kaum aushaltbare Dystopie. Viel Zuneigung zu den eigenen Landsleuten spricht jedenfalls nicht daraus, wenn man den Gedanken eines alleinigen Zusammenlebens mit diesen nur als Bild des Grauens an die Wand wirft. Deutschland würde sich jedenfalls ohne Ausländer sogleich in einen restriktiven Polizeistaat verwandeln, weil die Deutschen logischerweise so viel krimineller geartet sind, als die Zuwanderer aus anderen Gefilden der Erde. Die als Bier saufende arbeitslose Dachdecker zur Karikatur verzeichneten Deutschen würde das Land in den Abgrund fahren. Ein großer Teil der Infrastruktur der Bundesrepublik würde zusammenbrechen. Gar zum Atombombenabwurf auf Deutschland würde es kommen können. Ein fürwahr fulminantes Zukunftsbild, dass Journalisten der „Frankfurter Rundschau“ sich so an ihren Schreibtischen ausdenken. Und selbstverständlich werden dabei alle sozialen Probleme, die sich konkret aus der realen Zuwanderung ergeben, weggekleistert.
Um das Bild einer weitgehend deutsch geprägten Gesellschaft als Katastrophenszenario konstruieren zu können, bedienen sich Thieme und Bebenburg eines Tricks. Sie fabulieren eine imaginäre rechtspopulistische Regierung daher, die von heute auf morgen sämtliche Ausländer ausweisen würde. Sehen wir einmal davon ab, dass nicht einmal eine Partei wie die NPD die Ausweisung sämtlicher Ausländer fordert. Und berücksichtigen wir nebenbei, dass Thieme und Bebenburg keinerlei Differenzierung vornehmen zwischen Belgiern und Irakern, zwischen Kanadiern und Mauretaniern, zwischen Touristen und illegalen Einwanderern, zwischen friedlich arbeitenden Ausländern und Sozialhilfeempfängern oder gar Kriminellen. Der agitatorische Trick dieser beiden Journalisten liegt vielmehr darin, zu unterschlagen, dass Politik stets Planung über einen längeren Zeitrahmen bedeutet. Politik formuliert also gewisse Vorgaben, die diskutiert und von der Verwaltung schrittweise umgesetzt werden. Faktisch nie werden politische Entscheidungen ad hoc gefällt und über Nacht zu 100 Prozent umgesetzt. Jede Politik, die so handeln würde, würde unweigerlich Chaos erzeugen. Das Geschick der derzeit Regierenden ist es ja gerade in den brenzligen politischen Fragen zwar eine langfristig katastrophale Politik zu betreiben, diese aber ganz langsam dosiert umzusetzen. So gewinnen sie Zeit, und das Chaos ist bislang ausgeblieben.
Mit Thiemes und Bebenburgs Trick könnte man indes jedes politische Vorhaben ins Lächerliche ziehen oder als Horrorszenario erscheinen lassen. Das Ergebnis ist stets die Absegnung bereits bestehender politischer Machtverhältnisse.
Beispiele gefällig?
– Thieme und Bebenburg bringen das Buch „Deutschland ohne Autos“ heraus, dass die „grüne“ Verkehrspolitik lächerlich machen soll. Eine „grüne“ Regierung würde demnach von heute auf morgen alle Autos verbieten und nur noch Fahrräder zulassen. Ein genüssliches Szenario der zusammenbrechenden Wirtschaft ließe sich daraus entwickeln. Nebenbei hätte man jede Kritik am Individualverkehr, an der „autogerechten Stadt“, an Sprit schluckenden Geländewagen in Misskredit gebracht. Der Leser zöge die Lehre: Autos sind ungemein wichtig für unser Gemeinwesen und der Autoverkehr sollte gefördert werden.
– Thieme und Bebenburg bringen das Buch „Deutschland ohne Kernkraftwerke“ heraus. Sie entwickeln das Szenario einer Bundesregierung, die von heute auf morgen alle Kernkraftwerke einfach abschaltet. Die Bürger können sich aufgrund von plötzlich auftretenden Stromausfällen plötzlich kein Frühstücksei mehr kochen, keine E-Mails mehr am Computer lesen, die Laufbänder in den Industriehallen sind stillgelegt. Der Leser würde von der Alternativlosigkeit der Kernkraft überzeugt. Fürwahr wäre das ein „wertvoller“ Beitrag zur komplexen Energiedebatte im Thieme/Bebenburg-Stil.
– Thieme und Bebenburg bringen das Buch „Deutschland ohne Christdemokraten“ heraus. Eine SPD-Regierung beschließt darin, dass alle CDU-Mitglieder innerhalb eines Tages ausradiert werden. Plötzlich fehlen am nächsten Tag Busfahrer, Bankkassierer, Versicherungsvertreter und Krankenschwestern. Ergo: Es ist wichtig für Deutschland, dass die CDU weiterhin eifrig gewählt wird und als Mitgliederpartei attraktiv bleibt.
Usw. usf.
Kritische Stellungnahmen zu dem Buch „Deutschland ohne Ausländer“ gab es übrigens von Felix Menzel (hier) und Michael Paulwitz (in der „Jungen Freiheit“).
Da fällt ein einfaches Fazit: Journalisten vom Schlag Thieme/Bebenburg braucht das Land nicht, da sie nichts Konstruktives zu den wichtigen Zukunftsdebatten beizutragen haben.

 
Foto: Annamartha, pixelio.de

 

(Zuerst veröffentlicht 2012)

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