Endloses Bewusstsein. Nahtod und die Fragen nach dem Sinn des Lebens

Unten angefügte Rezension hatte ich unlängst über ein sehr interessantes Buch zur Nahtoderfahrung verfasst. Das Inhaltliche kann man – wie gesagt – unten nachlesen. Kurz erläutert: Der Buchautor geht davon aus, dass unser Bewusstsein extern ist, unser Hirn also nur als Empfangsstation dient, so wie das Radio für das Programm oder der Computer für das Internet. In der Rezension aber wird erwähnt, dass die von Pim van Lommel aufgeworfenen Thesen mehr neue Fragen aufwürfen als alte lösen. Da zu einer Erläuterung in der Buchbesprechung  kein Platz war, möchte ich das kurz an dieser Stelle präzisieren.
Folgende Fragen beschäftigten mich vor allem, als ich die beeindruckenden und nachvollziehbaren Aufzeichnungen Lommels las:
– Wenn wir nach dem irdischen Dasein in eine Sphäre der absoluten Liebe und Annahme zurückkehren, nach der wir Menschen uns offenbar auch im Innersten sehnen, warum ist die Welt dann so unvollkommen? Warum wurde in ihr überhaupt die Saat der Zwietracht und des Egoismus gelegt? Warum schlagen beispielsweise einige Menschen ihre Kinder grün und blau? Das ist natürlich die alte Frage nach dem Paradies und Sündenfall.
– Weshalb sind wir in unseren Sinnen so beschränkt, wenn doch das uns leitende außerkörperliche Bewusstsein über unseren begrenzten menschlichen Erfahrungshorizont hinausreicht?
– Wenn wir nur Empfänger für ein außerkörperlich existentes Bewusstsein sind, weshalb benötigt dieses Bewusstsein dann uns? Weshalb bedarf es uns zu einer Verkörperlichung?
– Daran anschließend kann man nach Sinn des irdischen Seins fragen. Was will das Bewusstsein von uns? Wofür werden wir als Empfangsgerät benötigt? Es gibt beispielsweise Menschen, die einen Großteil ihres Lebens vor dem Fernseher oder in der Kneipe sitzen und sich betrinken. Worin liegt der Sinn einer solchen Existenz?
Vermutlich allerdings ist eine solche Sinnfrage sehr beschränkt, geht sie doch von einem menschlichen Sinnverständnis aus. Nach dem Verständnis so mancher Religion, etwa des Buddhismus, dürfte ein Großteil der Aktivitäten, in denen Menschen einen Sinn sehen, vollkommen sinnlos sein. Ein Freund, dem ich von diesen Fragen berichtete, meinte jedenfalls einfach: „Wir sind nur ein Experiment. Eine kleine Laune der Natur.“
– Wenn das Bewusstsein außerkörperlich ist, was ist dann unser Körper? Steckt in ihm eine Seele oder ist er nur Roboter? Haben wir einen freien Willen als menschliche Wesen oder sind wir nur ausübendes Organ eines Willens aus einer anderen Welt?
– Zuletzt. Schon das Wissen um die Bedeutung der DNS-Strukturen wirft die Frage auf, ob es möglich sein könnte, dass zwei nicht miteinander verwandte Menschen auf der Erde durch einen Zufall der Natur über einen identischen DNS-Code verfügen. Die perfekten Doppelgänger also. Man weilt zum Beispiel in Rio de Janeiro zum Urlaub, tritt in einen Trödelladen, als man plötzlich bemerkt, dass der Verkäufer exakt wie man selber aussieht…
Da Lommel aber andeutet, dass möglichenfalls die bislang kaum untersuchte und anfänglich für nutzlos gehaltene Junk-DNS als Empfangsgerät innerhalb unseres Körpers für unser immaterielles Bewusstsein dienen könnte, kann man diesen Gedanken noch einen Schritt weiter drehen. Das wirft bei mir nämlich die Frage auf, ob es möglich ist, dass Junk-DNS von der gleichen Struktur in verschiedenen menschlichen Körpern zu finden sein könnte. Die “Sendung” von außen ginge dann also an mehrere “Empfangsgeräte” gleichzeitig. Schließlich empfangen ja auch unterschiedliche Radiogeräte den selben Sender. Dies aber würde bedeuten, dass ich mehrfach existiere, selbst wenn (falls sich die Proteincodes unterscheiden sollten) man das körperlich gar nicht erkennen könnte, also unterschiedliche Optik bestünde. Ich würde somit in Rio in den Trödelladen treten und stünde mir selbst gegenüber. Aber, da der Verkäufer mir in der Gestalt einer blonden Frau gegenüber tritt, würde ich diesen Umstand vermutlich nicht einmal bemerken…  Es braucht Zeit, um Seelenverwandtschaft zu entdecken.
Endloses Bewusstsein

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