Beate Klarsfeld – Der Ohrfeigenbaum Walter Ulbrichts

Give me fiveBeate Klarsfeld hat sich einen Namen als Ohrfeigen-Austeilerin gemacht. 1968 beschimpfte sie Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger als „Nazi“ und ohrfeigte ihn. Sie wurde damit zum Prototyp für Unmengen von späteren Krakeelern mit Hang zur Handgreiflichkeit. Kiesinger ist abgesehen von seiner formalen Mitgliedschaft in der NSDAP kein persönliches Vergehen nachweisbar, was neuere Biographien untermauern. Ausreichende Worte des Bedauerns und der Entschuldigung hat Klarsfeld für ihr Verhalten keine gefunden. Sie ist es vielmehr gewohnt, stets mit Samthandschuhen angefaßt zu werden, früher gab es ein bißchen Bewährung, heute manch ängstlichen Hofknicks.
Möglichenfalls in einem Anfall von Senilität hatte ihr einst der Schriftsteller Heinrich Böll unvermeidlicherweise sogar noch rote Rosen nach Paris geschickt. Nun ist gegen die Strafverfolgung maßgeblicher Kriegsverbrecher nichts einzuwenden, doch wäre deshalb nichts falscher, als Klarsfeld für eine kompromißlose Humanistin zu halten. Die 1939 als Beate Auguste Künzel geborene Journalistin hat zwar zum Einen ihre Befriedigung als Racheengel gefunden, andererseits aber kaum ein kritisches Wort über die Untaten des Sowjetkommunismus geäußert, mit dem sie durchaus verbandelt ist.
Sachdienliche Hilfe aus Ostberlin
Nun tritt sie als chancenlose Kandidatin der „Linken“ für das Bundespräsidentenamt an. Es bereite ihr keine „Bauchschmerzen, daß ich ausgerechnet für die Linken kandidiere“, äußerte sie. Und mit Blick auf Joachim Gauck schrieb Klarsfeld: „Ich glaube, es wäre für Deutschland sehr positiv, wenn mit meiner Kandidatur dem Kandidaten Joachim Gauck eine Deutsche gegenüber stehen würde, die etwas anderes symbolisiert.“
Was meint sie damit? Etwa das Kungeln mit der umbenannten Partei der einstigen Mauermorde und Stasi-Knäste? Und dabei ist gar nicht mal von ihrer heutigen distanzlosen Haltung zu Gysi, den vielen ehemaligen DDR-Verantwortlichen und Stasi-Mitarbeitern die Rede, sondern vom Original. Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete, war die Kiesinger-Ohrfeige zuerst mit der DDR-Führung abgesprochen worden. So sei die „Nazi-Jägerin“ Klarsfeld zu diesem Zweck im April 1968 nach Ostberlin gereist, um sich mit dem Nationalrat „über die Vorbereitung einiger Aktionen gegen Kiesinger zu beraten und entsprechende Unterstützung zu erhalten.“ SED-Chef Walter Ulbricht hätte den DDR-Nationalrat daraufhin angewiesen, „Frau Klarsfeld jede sachdienliche Hilfe zu gewähren.
Hysterikerin der Vergangenheitsbewältigung
Das für ihre Unterstützung zuständige Mitglied des SED-Politbüros, Albert Norden, skizzierte Klarsfeld dabei als „militant antifaschistisch“: „Ihre politischen Aktivitäten reduziert sie allerdings ausschließlich, das aber mit aller Vehemenz, gegen Kiesinger, aufgrund seiner Nazivergangenheit.“ Solche Figuren waren der SED-Führung natürlich stets willkommen und nützlich, dienten sie doch dazu, die offizielle Propagandabehauptung gegen die Bundesrepublik als eines von alten Nationalsozialisten gesteuerten Staates öffentlichkeitswirksam zu machen.
Klarsfeld nutzte für ihre Agitation gegen Kiesinger offenbar gefälschte und fehlinterpretierte DDR-Dokumente. Die Berliner Morgenpost schreibt dazu: „Beate Klarsfeld stützte sich offenkundig auf diese Unterlagen bei ihrem wütenden Kampf gegen den Bundeskanzler, der bis heute zu Unrecht als ehrenwerte und mutige Tat im kollektiven Gedächtnis Deutschlands verankert ist.“ Auch für einen weiteren Typus gab Klarsfeld somit das Vorbild: Die Hysterikerin der Vergangenheitsbewältigung. Der Spiegel berichtete bereits 1969 von Klarsfelds „schrillen Tönen“, von ihrem begrenzten Blickwinkel und Fanatismus im „Nazi“-Aufspüren am Beispiel Kiesingers: „Über Auftritten, Konferenzen, einer Gegenkandidatur in Kiesingers Wahlkreis und forschen Sprüchen verrannte sie sich in den Versuch einen NS-Verbrecher Kurt Georg Kiesinger dokumentarisch belegen zu wollen, den es nicht gegeben hat.“
Hochgeschriebene Ex-68erin
Wäre Klarsfeld nicht von den Medien so großgeschrieben worden und dazu vermutlich von solchem Geltungsdrang getrieben, sie wäre heute wohl nur eine der vielen kleinen ergrauten Ex-68erinnen, deren Altersfreude darin besteht, sich an neu verlegten Pflastersteinen zu ergötzen.
Die Linke verlautbart über Klarsfelds Aufstellung, „sie sei die einzige Deutsche, die sich dafür eingesetzt habe, daß ehemalige Nazis keine Rolle in der Politik der Bundesrepublik spielen konnten“. Das ist eine glatte Lüge. Mindestens Margot Honecker und eine ganze Heerschar von Stasi-Agentinnen, weiblichen RAF-Mitgliedern, linken Publizistinnen und Politikerinnen haben sich exakt ebenso dafür eingesetzt. Von den vielen Männern ganz zu schweigen, vor allem jenen im Ausland, die mit Sicherheit ganz genau darüber wachten, daß „ehemalige Nazis“ nur so lange eine Rolle in der bundesdeutschen Politik spielten, wie sie auch nach ganz anderen Pfeifen tanzten.
Warum nicht mal Frau Merkel ohrfeigen?
Klar, daß Klarsfeld auch heute durchschaubar auf Linie bleibt. Für ein NPD-Verbot spricht sie sich aus und fühlt sich von der „Linken“ durch ihre Nominierung „hundertprozentig“ unterstützt im ewigen „Kampf gegen den Faschismus“. Wie spannend. Die Linkspartei setzte sich auch schon in der Vergangenheit dafür ein, daß die darob sichtlich geschmeichelte Klarsfeld, das Bundesverdienstkreuz erhalten solle. Eine Ohrfeige hat dafür aber bislang noch nicht ausgereicht. Am 18. März hätte sie nun allerdings Gelegenheit, etwas mehr für die Auszeichnung zu tun, das Konto zu erweitern.
Sie könnte Kanzlerin Merkel ohrfeigen, wegen deren aktiver Rolle beim Euro-Rettungsschirm für Griechenland. Oder Wolfgang Schäuble für’s ignorante Sudoku-Spielen. Oder Claudia Roth für ihre nervigen Multikulti-Schwärmereien. Oder Linken-Chefin Gesine Lötzsch, die offenbar einen ehemaligen Stasi-Mann als Büroleiter angestellt hat. Oder überhaupt einige der Linken-Mitglieder, die einst die SED-Mitgliedschaft aufwiesen. Bei Kiesinger hat das schließlich auch ausgereicht. Oder am besten ohrfeigt sich Klarsfeld einfach mal selbst. Vielleicht wacht sie ja auf diese Weise auf, setzt einen Lernprozeß in Gang und hört auf, sich als moralische Instanz zu inszenieren.

 
Zuerst veröffentlicht bei jungefreiheit.de am 5.3.2012
Foto: Rita-Thielen, pixelio.de

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