Griechisches Fass ohne Boden

450337_R_K_B_by_110stefan_pixelio.de_1-150x112 Jetzt ist die Katze aus dem Sack. 110 Milliarden Euro erhält das bankrotte Griechenland als Finanzspritze zur Verfügung, nachdem lange Zeit offiziell „nur“ von 30 Milliarden die Rede gewesen war. 30 Milliarden stellt der IWF, 80 Milliarden die EU, davon stammen 22 Milliarden Euro aus dem deutschen Staatshaushalt. Steuergelder werden also in ein Faß ohne Boden geschmissen.
Gekoppelt ist die Vergabe an einige Sparmaßnahmen seitens der Griechen. So werden zum Beispiel die Mehrwertsteuer erhöht, das 13. und 14. Monatsgehalt höherer Beamter gestrichen. Daß das reicht, darf angesichts eines griechischen Schuldenberges von 300 Milliarden Euro und daraus resultierenden Zinsforderungen angezweifelt werden. So sieht eben das Ergebnis jahrelanger Mißwirtschaft und Korruption aus, einhergehend offenbar mit bewußten Bilanzfälschungen.
Auch wenn die Politiker nicht zu betonen müde werden, daß das Geld zurückgezahlt würde, dürfte es sich nur um eine zeitliche Aufschiebung des Finanzkollaps handeln. Weder wird sich die historisch gewachsene griechische Mentalität gegenüber dem Staat nun urplötzlich in Richtung preußischer Disziplin verändern, noch ist dort nennenswerte Industrie vorhanden, die das Land durch Wachstumsimpulse und neue Steuereinnahmen aus dem Dilemma führen könnte.
Nun hat Griechenland erst einmal wieder Geld, um Mitte Mai fällige Staatsanleihen abzulösen. Unverantwortlich aber handeln wieder einmal unsere Politiker. Um die Gläubiger Griechenlands – also primär Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften, die hochspekulativ große Summen in griechischen Staatsanleihen angelegt haben – vor massiven finanziellen Verlusten zu schützen, werden die Lasten auf die Allgemeinheit, sprich: den deutschen Steuerzahler, abgewälzt. Die gerne auf der Linken geäußerte Kritik, daß gegenwärtig Profite privatisiert, Verluste aber sozialisiert werden, findet mal wieder ihre traurige Bestätigung.
Die Schulden-Kandidaten Zapatero-Spanien, Slowenien und Irland stehen schon in der Warteliste der nächsten EU-Hilfsbedürftigen. Ebenso Portugal, bei dem für nächstes Jahr eine Steigerung der Gesamtverschuldung auf 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwartet wird. Nicht nur hierzulande hat man jahrzehntelang über die Verhältnisse gelebt.
Immerhin hat sich wenigstens juristischer Widerstand angekündigt. Der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider, der frühere Chef der hessischen Landesbank Wilhelm Hankel sowie Wilhelm Nölling und Joachim Starbatty ziehen vor das Bundesverfassungsgericht. Schachtschneider betont das Recht Deutschlands, angesichts der Krise die EU wieder verlassen zu können. Das wäre angebracht und nicht unsympathisch, wird allerdings den fortgeschrittenen Kollaps, in den das implodierende Finanzsystem hineintrudelt, kaum mehr aufhalten können.

 
(Zuerst veröffentlicht bei Sezession.de am 3.5.2010)
Foto: 110stefan, pixelio.de

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