Dorfverein gegen Tattoo-Nachbarn

457118_R_B_by_Anja-Kronberg_pixelio.de_-150x112Mal wieder einer jener Provinzstreits, die es wohl nur in diesem Land gibt. In Echzell in der Wetterau sind einige Bürger in Aufruhr, weil ein vermeintlicher „Rechtsextremer“ es gewagt hat, in ihr beschauliches Örtchen zu ziehen. Was konkret vorgefallen ist? Nichts eigentlich.
Der Neubürger soll einen Tattoo-Shop betreiben und eine Tätowierung am Arm tragen, die einen verprügelten Punker zeigen soll. Auch hätte er in einem Online-Shop früher rassistisch bedruckte T-Shirts verkauft. Sexpartys sollen angeblich in dem Haus stattfinden, munkeln manche.
Und dann hat er unlängst eine etwas lautstarke Feier durchgeführt, im Verlauf derer ein Nachbarschaftsstreit eskalierte. Ein Nachbar setzte nämlich eine Leiter am Haus dieses Neubürgers an, um sich eigenmächtig an dessen Videoanlage zu schaffen zu machen. Daraufhin kamen ein paar Partygäste aus dem Haus, zogen dem aktivistischen Nachbarn, der sich ein paar Schürfwunden holte, die Hose aus und stellten dies dann als Video ins Internet.  Eine vergleichsweise harmlose Provinzposse also, an der offenbar beide Seiten ihren Anteil haben. Kaum der Rede wert, würden da nicht Medien und Links-Politiker wieder mal ein großes Thema wittern.
Zum einen ist der deutsche Ernst an dieser Sache bemerkenswert. Vor Ort scheint mittlerweile fast jeder Bürger eine Videokamera an sein Haus installiert zu haben, um die anderen Nachbarn zu überwachen. Zudem mußten die aufgebrachten Alt-Bürger, deren eigene Töchter möglichenfalls alle mit einem Arschgeweih in der Gegend herumrennen, gleich einen Verein gegen den Tattoostudio-Betreiber gründen: „Grätsche gegen Rechts“. Und eine „Antifaschistische Bildungsinitiative“ wittert mal wieder Morgenluft und gibt auch noch ihren Quark dazu. Darunter geht es natürlich nicht in der BRD.
Und es geht noch eine Stufe weiter:  Die SPD-Abgeordnete Nancy Faeser und der Linke Hermann Schaus konnten es nicht unterlassen, den dämlichen Partystreit zum Thema im hessischen Landtag zu machen. Tagtäglich finden Gewalttaten mit ganz anderen Hintergründen und viel schlimmeren Verletzungen statt, nicht selten übrigens von Antifa-Gruppen, die den linken Parteien politisch nahestehen. Doch hierzu hüllen sich diese Parteien und deren Abgeordnete nur zu gerne in Schweigen und verfassen keine parlamentarischen Anfragen.
Ich erinnere mich noch aus mir persönlich zugetragenen Berichten, daß in den 90er Jahren während einer Vortragsreihe in Leipzig, „Antifaschisten“ einen Vortrag des jungen „Junge Freiheit“ -Autors Manuel Ochsenreiter illegal störten und dabei versuchten, ihm das Hemd zu zerreißen (und das, ohne daß er mit einer Leiter an ihrem Haus Sachbeschädigung versucht hätte). Kein Politiker, kein großes Medium erhob damals den Zeigefinger. Bei einem weiteren kurz darauf folgenden Vortrag von Dr. Alfred Mechtersheimer verfehlte nur knapp eine Bierflasche dessen Gesicht. Wieder kein Verein, keine parlamentarische Anfrage. SPD und Linke (PDS) schwiegen vornehm.
Und die Bürger von Echzell? Keine Frage, sie mögen recht haben. Vielleicht ist Patrick W. wirklich ein unangenehmer Nachbar, ein Mann, der sich nicht an Ruhezeiten hält, einer mit Gewaltpotential, der manchem Bürger Angst einflößt. Aber niemand, der nicht vor Ort lebt, kann beurteilen, wer die Hauptschuld an der Eskalation trägt. Womöglich ist es wirklich Patrick W. Womöglich aber ist es auch der Zeitgeist, der den Dorfbewohnern ihren Protest gegen den exotischen Neubürger so leicht macht.
Man kann sich für diese Leute allerdings mindestens ebenso unangenehme Nachbarn vorstellen. Ein ins Rotlicht-Geschäft verstrickter Rocker-Club etwa? Oder ein „autonomes“ Jugendzentrum? Oder eine sich wundersam vermehrende Roma-Sippe? Oder ein libanesischer Großclan, offiziell von Kickbox-Studios lebend? Sicher wäre auch das nicht eine ganz reibungslos funktionierende Nachbarschaft. Doch hätten diese Bürger auch dann den Schneid, einen „Grätsche“-Verein zu gründen? Hätten sie den Mumm, das durchzustehen, wenn sie in den Medien als „deutsche Spießbürger“ oder „rassistische Dörfler“ dargestellt werden? Das will ich erst sehen. Und dann habe ich auch uneingeschränkten Respekt.
(Zuerst veröffentlicht bei Sezession.de am 20.7.2010)
Foto: Anja Kronberg, pixelio.de

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