Das bewältigende Klassenzimmer (Teil 2: Schlußfolgerung)

Schule-2-S.-Hofschlaeger_pixelio.de_1-86x130Woher rührt der Drang nach solchermaßen forcierter Vergangenheitsbewältigung im Klassenzimmer, wie ich sie exemplarisch am Projektplan des Kölner Maximilian-Kolbe-Gymnasiums (mkg) veranschaulichen konnte? Welche Interessen werden da vertreten? Was reitet das pädagogische Personal?

Um es vorweg zu sagen: Nichts ist dagegen zu sagen, sich mit den verbrecherischen Hinterlassenschaften des nationalsozialistischen Systems zu beschäftigen. Indes sollte man sich davon keinen direkten pädagogischen Effekt erhoffen. Ansonsten hätten die Schüler seit den 60er Jahren immer friedfertiger, weniger gewaltbereit, liebevoller, solidarischer werden müssen. Das aber konnte bislang noch kein Soziologe nachweisen. Auch ist der Nutzen an geistiger Erkenntnis gering, wenn Zusammenhänge und Wechselwirkungen nicht nüchtern beleuchtet werden und stattdessen nur der immer gleiche Film von den Bösen und den Guten abgespielt wird. Nur durch Einordnung, durch Vergleich, durch Abwägung schafft man tiefergehendes Bewußtsein. Und gerade das hat mit Verharmlosung nichts zu tun.

Der eigentliche Zweck des „bewältigenden Klassenzimmers“ dürfte schlicht in politischen Hintergründen zu finden sein. Aggressionen werden mittels emotionaler Vermittlung und Konditionierung gegen vermeintliche politische „Bösewichte“ geleitet. Der oft der Differenzierung noch nicht fähige Schüler reiht sich ein in die „Schule gegen Rassismus“ und schreit „gegen Nazis“ an, zum Wohlwollen des Lehrpersonals und ohne selber genau zu verstehen, was mit ihm eigentlich gemacht wird.

Einen Hinweis auf politische Hintergründe jenes verengten historischen Blickwinkels liefert eine der diesbezüglichen Projektfördereinrichtungen des oben genannten Gymnasiums, die EU-Agentur für Grundrechte in Wien. Auf der Webseite des Gymnasiums heißt es dazu:

„Die Agentur für Grundrechte kümmert sich um Diskriminierungsfragen, Minderheiten- und Migrationsprobleme in den EU-Ländern.“

Und zu einer 2008 erfolgten Veranstaltung dieser EU-Agentur heißt es:

„LehrerInnen aus 21 EU-Staaten und SchülerInnen, die an herausragenden Projekten zur Prävention von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit mitgewirkt haben, haben an dem Seminar teilgenommen. Ziel war es, den Lehrerinnen und Lehrern Hilfsmittel und Techniken an die Hand zu geben, und Projekte zum Gedenken an den Holocaust und zur Bildung und Erziehung zum Thema Menschenrechte zu fördern. (…) Die Verbreitung des Wissens um den Holocaust geht Hand in Hand mit der Sensibilisierung für die Grundrechte. Die Geschichte des Antisemitismus und des Holocaust führt uns die tragischen Folgen einer schrittweise zunehmenden Verweigerung von Menschenrechten vor Augen.“

Fremdenfeindlichkeit? Diskriminierung? Migration? Hier schimmert durch, welchen gesellschaftspolitischen Zielen die forcierte (und andere totalitäre Regime ausblendende) NS-Vergangenheitsbewältigung offenbar dienlich ist, wofür die Opfer jenes Systems heute auch instrumentalisiert werden sollen: letztlich nämlich wohl für die Akzeptanz weiterer Masseneinwanderung aus Asien und Afrika nach Europa.

Und der Lehrkörper? Vorgaben von oben und die gesellschaftliche Dominanz der Vergangenheitsbewältigung mögen bei dieser Entwicklung eine Rolle spielen. Doch nicht zu unterschätzen ist, daß Lehrer durch alle Zeiten zu den dümmsten und unreflektiertesten Berufsgruppen gehören. Nicht alle Lehrer natürlich, denn Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wieviel dummes Geschwätz mußte ich mir beispielsweise schon in den 80ern von meinen Lehrern anhören, denke ich manchmal im Rückblick. Und dabei fallen mir nur noch die Sachen ein, die ich schon seinerzeit als Schüler umgehend der Kategorie „Falschinformation“ zuordnen konnte.

– „Der Franco wollte nicht, daß Leute wählen dürfen. Nur deshalb fing er den Bürgerkrieg in Spanien an.“ (Gesellschaftskunde-Lehrerin)
– „Germanen waren immer Nomaden. Sie hatten keine Siedlungen, sondern zogen ständig herum.“ (Deutsch-Lehrerin)
– „Die Schwarzen wurden von den Engländern als Sklaven auf die britische Insel gebracht. Deshalb geht es nicht an, daß sich die Briten nun über sie beschweren.“ (Englisch-Lehrerin)

Man kann davon ausgehen, daß die meisten Lehrer von Geschichte, von jener überaus reichen Geschichte Deutschlands, schlicht keine Ahnung haben. Und es würde Mühe und Aufwand und geistige Arbeit erfordern, sich diese Ahnung aneignen zu wollen. Man müßte auch lernen, angebliche Wahrheiten kritisch zu hinterfragen, doch dies ist gerade unter Beamten gar nicht beliebt. Deshalb ist es schlicht bequem, die ermüdende und immer gleiche Geschichtserzählung von den irren Nazi-Mördern und ihren jüdischen Opfern zu bequemen. Diese Geschichte kennt man, kein Schüler hinterfragt sie kritisch, sie wird gelehrt wie früher die zehn Gebote. Wer sie unterrichtet, erhält Lob von Vorgesetzten und mächtigen Institutionen. Gerade dies macht das NS-Thema bei Pädagogen so beliebt. Den Eltern jedoch, die dieser Verzerrung der tausendjährigen deutschen Geschichte nichts abgewinnen können, steht ein argumentativer Hürdenlauf bevor.
(Zuerst veröffentlicht bei Sezession.de am 19.2.1010)

Foto: S. Hofschlaeger, pixelio.de

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