Ausländerparteien

254467_R_K_B_by_Stephanie-Hofschlaeger_pixelio.de_-150x99 In Hessen findet derzeit Kommunalwahlkampf statt. Und auch hier ist die Tendenz zu spüren, daß sich Ethno-Parteien von Einwanderergruppen bilden, die auf diese Weise politischen Einfluss nehmen möchten. Carlo Clemens berichtete im „Junge Freiheit“-Blog von der Partei „Forum Neues Offenbach“, die primär eine türkische Interessenvertretung darstellt. Ähnlich verhält es sich in anderen Städten, etwa mit dem BIG in Nordrhein-Westfalen.
Die Offenbacher Gruppierung, die „Integration nur MIT uns“ proklamiert, agiert taktisch geschickt mit dem Begriff der „Vielfalt“ („Diversity“). Dieser Begriff ist längst von deutschen Ideologen instrumentalisiert. Er dient als positiv besetzte Verpackung für sogenannte cross-kulturelle Strategien und eine fortgeschrittene Stufe der „multikulturellen Gesellschaft“.
Nun sind ethnisch geprägte Parteien in multiethnisch geprägten Staaten keine Seltenheit, eher ein häufig zu beobachtendes Phänomen, ob in Guyana oder in Burma/Myanmar. Ihr Auftreten auch im außereuropäischen Kontext widerspricht den gängigen Mahnungen linkslastiger Autoren, die beständig vor einer „Ethnisierung sozialer Konflikte“ warnen und diese selbstverständlich am liebsten bloß irgendwelchen rechten Hintermännern ankreiden möchten. In Wirklichkeit geht es solchen materialistisch fixierten deutschen Linken, ob in knallroter Version oder in Funktion des einschlägig ausgerichteten Universitätspersonals, vielmehr meist um die soziale Lenkung ethnischer Konfliktpotentiale. Sprich: Durch die Förderung der prozentualen Anteile von Zuwanderern an der Bevölkerung sollen einheimische Strukturen evolutionär wie langfristig revolutionär aufgebrochen werden. Noch einmal anders ausgedrückt: Die jungen, aggressiven Habenichtse aus dem Morgenland sollen als Neo-Proletariat an den Pfründen und Gewohnheiten des deutschen Bürgertums kratzen. Natürlich unter Anleitung einer Kaste aus deutschen Sozialwissenschaftlern und Politfunktionären. Solche Denke beruht letztlich auf naiver marxistischer Klassenkampfromantik, die selbst in den Hinterköpfen vieler harmlos erscheinender Autoren der Post-68er-Ära herumgeistert. Zudem wird verkannt, daß allenfalls die deutsche Mittelschicht durch die Erhöhung der Abgabenlasten, sprich: zunehmende Erpressung, getroffen wird, während sich in solchem Fall die global agierenden großen Bosse rechtzeitig auf ihre Domizile in der Karibik, in der Toskana oder in Australien begeben haben werden.
Ethnische Interessenvertretungen in Deutschland indes bilden sich derzeit noch weniger in Form eigener Parteien heraus (wenngleich es dort am augenscheinlichsten ist). Vorherrschend ist vielmehr die Form der Verbände, etwa – analog zum Erfolgsmodell „Zentralrat der Juden“ – „Zentralräte“ mit überproportionalem Mediengehör zu entwickeln. Zudem kommt der schleichende „Marsch durch die Institutionen“. Viele der derzeitigen fremdstämmigen Abgeordneten bei „Grünen“, „Linken“ und Sozialdemokraten dürften somit als Vorhut einer späteren Komplettübernahme dieser Parteien interpretiert werden, bei der dann noch verbliebene Deutsche zunehmend die Rolle von Statisten werden spielen können. Die SPD der Zukunft könnte demnach durchaus nur eine ausgehöhlte Hülle hinter der alten Fassade sein.
Indes, diese Folgen wären marginal. Denn die eklatante Zunahme der Nichtwählerschaft (zuletzt bei der Hamburg-Wahl) ist auch als Zeichen dafür zu werten, daß sich viele Deutsche längst nicht mehr mit ihren Interessen bei den bestehenden etablierten Parteien vertreten fühlen.
Ein Offenbacher Bekannter, konservativ eingestellt und sehr gut mit der örtlichen politischen Szene vertraut, äußerte mir gegenüber jedenfalls: „Das `Forum Neues Offenbach´ ist schon ganz in Ordnung. Das sind ziemlich gut integrierte Leute. Und es ist allemal besser, wenn eingebürgerte Ausländer diese Partei wählen, als noch einmal der SPD ihre Stimme zu geben, die diese Stadt heruntergewirtschaftet hat.“
Das dürfte die Stimmung vieler kritischer Deutscher widerspiegeln. Schlimmer als mit den derzeitigen deutschen Parteien kann es in deren Vorstellung kaum kommen. Türkische Interessenparteien dürften in ihren Augen kaum weniger spezifisch deutsche Interessen vertreten als das noch immer bestehende Parteienspektrum, mindestens links der CDU.
Und insofern leuchtet bei manchem Bürger eher Erleichterung auf, daß die linke Strategie, sich neues Wahlvolk durch Einwanderung zur rekrutieren, nicht mehr so nahtlos funktioniert, wie sich das die Strategen anfangs gedacht hatten. Auch ausländische Menschen sind eben nicht nur dummes Stimmvieh.
Die neuen ethnischen Parteien sind somit zwiegespalten zu bewerten. Wenn man – wie viele „grüne“ Ideologen – Integration als Neu-Kreation eines „vielfältig vernetzten“ „BRD-Volkes“ sieht, das die deutsche Nationalität überwunden hat, dienen die Ausländerparteien durchaus auch diesem „integrativen“ Ziel. Einerseits werden sie also den Einfluss der deutschen Bevölkerungsteile langfristig beschneiden, sie werden Assimilation in den deutschen Kulturraum verhindern und sie werden Einwanderung aus ihren Heimatkulturräumen massiv zu fördern versuchen, um ihre soziale Basis zu erhöhen. Andererseits werden sie, sobald die Notwendigkeit der taktischen Anpassung an den linken Mainstream nicht mehr nötig ist, auch eine Wendung der Gesellschaft ins Konservative bewirken.
Ein Leser-Kommentar im oben erwähnten Beitrags aus dem „Junge Freiheit-Blog“ fasst diesen Sachverhalt knapp zusammen:
„Vielleicht lassen die neuen Herren Hitler sterben. Die haben so ihre eigenen Feindbilder. Die werden überhaupt mit vielem hier aufräumen. Ich denke da an Gender, Homo, Frauen-Pauer und dem sanften Christentum, dessen der dumme Michel eh schon lange überdrüssig ist.“
Die Ethnisierung der Politik erfolgte also von anderer Seite, als einst angenommen. Auch wenn deutsche Marxisten und deren Dunstkreis dies nur als Reaktion auf „soziale Benachteiligungen“ durch deutschen Chauvinismus interpretieren werden. Diese Ethnisierung zwingt zumindest aufgeweckte Teile der Deutschen mittelfristig, sich mit der Formulierung ihrer eigenen Interessen und Eigenart zu beschäftigen. Sie schreit dann irgendwann nach deutschen Interessenvertretungen, etwa in Form eines eigenen „Zentralrats“. Sie könnte somit auch manch bislang stiefmütterlich dahindümpelnder Rechtspartei, etwa der „Pro“-Bewegung, eventuell auch den „Republikanern“ oder auch erst entstehenden Formationen, etwas Auftrieb geben. Wo sich manch Deutscher zunehmend nicht mehr als Deutscher von den Traditionsparteien vertreten sieht, wird er sich nach jenen Gruppen umschauen, die am wenigsten „multikulturell“ korrumpiert worden sind. Er wird womöglich verstärkt nach einer authentisch „deutschen“ Interessenvertretung Ausschau halten. Allerdings, die hiesigen Mechanismen „antifantischer“ Ausgrenzung haben auch bundesdeutsche Ausländer bereits mit der Muttermilch aufgesogen, sodaß der Gegenwind für eine solche deutsche Interessenvertretung keinesfalls gleich abnehmen wird. Standhaftigkeit ist da also gefragt. Doch diese wird letztlich belohnt werden, denn erst sie wird auch Migranten jenen Respekt abverlangen, den sie für sich selber einfordern.
Das Gebälk ächzt nun auch an dieser Stelle. Die Ausländerparteien bringen also zusätzliche Bewegung in die eingeschlafene Szenerie der BRD. Bewegung aber sollte eigentlich derjenige begrüßen, der eine Veränderung ersehnt.

 
(Zuerst veröffentlicht bei Sezession.de am 22.2.2011)
Bild: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

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